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Krieg in der Ukraine Putins Panzer werden mit Ersatzteilen aus Waschmaschinen zusammengeflickt

Panzer der selbsternannten Republik Donetzk
Panzer der selbsternannten Republik Donetzk
© Alexei Alexandrov / dpa
Ukrainische Spezialisten haben Bauteile aus Haushaltsgeräten in russischen Panzern gefunden. Die USA sehen das als Erfolg der jüngsten Sanktionen – in Wahrheit dürfte ein anderer Grund zur Küchentechnik in den T-Panzern geführt haben.

Die US-Sanktionen zeigen Wirkung. Das glaubt US-Handelsministerin Gina Raimondo. Sie sagte in einer Senatsanhörung, dass Russland seine militärische Ausrüstung mit ungewöhnlichen Teilen zusammenbauen muss. Sie sagte: "Wir haben Berichte von Ukrainern, dass russische Militärausrüstung mit Halbleitern ausgestattet ist, die sie aus Geschirrspülern und Kühlschränken entnommen haben."

Raimondo sagte, dass die Technologieexporte der USA nach Russland seit Beginn der Sanktionen Ende Februar um fast 70 Prozent zurückgegangen seien. Auch andere Länder haben sich den Sanktionen angeschlossen. "Unser Ansatz war es, Russland Technologie zu verweigern - Technologie, die ihre Fähigkeit, eine militärische Operation fortzusetzen, lähmen würde", sagte sie. Die USA versuchen zudem, auch Firmen aus Ländern, die keine Sanktionen erlassen haben, dazu zu zwingen, die US-Vorschriften zu befolgen.

Die Sprecherin des Handelsministeriums Robyn Patterson ergänzte später, dass die Geschichte von ukrainischen Beamten stammt. Die erzählten der Ministerin, dass sie in russischen Panzern Teile von Kühlschränken sowie Handels- und Industriemaschinen gefunden hätten, die offenbar andere, nicht verfügbare Komponenten ersetzen sollen. Raimondo wies auf Berichte hin, dass zwei Panzerhersteller in Russland ihre Produktion wegen eines Mangels an Komponenten einstellen mussten.

Frisch vom Band gelaufen 

Tatsächlich muss man die Geschichte wohl als Anekdote bezeichnen, zumindest was die Wirksamkeit der Sanktionen betrifft. Denn diese Sanktionen sind erst seit dem Einmarsch Putins in die Ukraine in Kraft. Die Panzer, deren Innenleben wegen der Sanktionen angeblich mit Waschmaschinen-Halbleitern gespickt ist, müsste also gerade eben vom Band gelaufen sein. Oder es könnte sich nur um sehr vereinzelte Halbleiter von Reparaturen handeln.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Teile aus Haushaltsgeräten herausgelötet worden sind. Eher ist zu vermuten, dass die russische Rüstungsindustrie schon vor dem Krieg in der Ukraine Halbleiter aus dem Westen verwandt hat. Diese wurden dann angeblich für zivile Geräte importiert, de facto aber in Panzer und Rüstungsgüter eingebaut. Wirksam sind die Sanktionen auf jeden Fall: Russland wird nun auch keine Küchen-Elektronik importieren können. Der Mangel an Halbleitern dürfte große Schwierigkeiten für die russische Rüstungsindustrie mit sich bringen.

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Unterlaufen alter Sanktionen

Diese Umnutzung wäre ein weiterer Grund für die Qualitätsprobleme der russischen Armee. Generell sind die Qualitätsanforderungen bei Haushaltstechnik weit geringer als bei militärischem Gebrauch, mit seinen weit schwierigeren Einsatzbedingungen. Ein Geschirrspüler ist nicht dafür gemacht, bei Umgebungstemperaturen zwischen 30 Grad Minus und 40 Grad Plus klaglos zu laufen.

Die Küchenhalbleiter zeigen aber auch die Schwierigkeiten von Sanktionen, wenn derartige zivilen Bausteine militärisch genutzt werden können. In der Ukraine sah man das bereits bei Drohnen, die als fertiges ziviles System vom Militär übernommen werden und nun, anstatt Düngemittel zu versprühen, kleine Bomben abwerfen. Doch auch die leistungsfähigen zentralen Steuereinheiten von modernen Autos oder aus Spielkonsolen könnten militärisch nutzbar gemacht werden.


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