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Rüstung TOS 2 – Putins neue Stalinorgel tötet mit der Glut der Sonne

Auf den ersten Blick sieht der TOS2 aus wie ein gewöhnlicher schwerer Militär-Lkw.
Auf den ersten Blick sieht der TOS2 aus wie ein gewöhnlicher schwerer Militär-Lkw.
© Rus Militär / PR
Schwere Flammenwerfer werden nur in Russland gebaut. Dort nun wird eine neue Generation der Höllenkanone erprobt. Sie ist flexibler und schneller als die Vorgänger und kann vollautomatisch ihre Ziele angreifen und vernichten.

Der Flammenwerfer ist eine Erfindung aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, später wurden sogar Flammpanzer hergestellt. Das Prinzip war immer das gleiche: In einem Tank wird ein brennbares Gemisch gefüllt, das durch eine Art Lanze mit hohem Druck herausgespritzt und dabei in Brand gesteckt wird. Die Flammenzunge wurde gegen Bunker und gedeckte Stellungen auch wegen ihrer starken psychologischen Wirkung eingesetzt. Da die Reichweite der Spritze aber begrenzt war und die Flammenzunge immer die Position des Schützen verriet, wurde diese Form des Flammenwerfers durch tragbare Raketenwerfer verdrängt.

Thermobarische Raketenwerfer

Nur Russland entwickelt kontinuierlich weiterhin schwere Flammenwerfer. Diese arbeiten aber nicht mit einer Öl-Spritze, sondern können eine Salve von Raketen verschießen. Ursprung sind der TOS-1 Burantino und die Weiterentwicklung TOS-1a Solntsepek ("Der TOS-Flammenwerfer"). Bei beiden ist ein Gestell zum Abfeuern der Raketen auf das Chassis eines T-72 montiert. Solntsepek lässt sich mit Sonnenglut übersetzen. Burantino ist eine Art russischer Pinocchio, die lange Nase spielt auf den überdimensionalen Aufbau des Panzers an.

Auf dem Fahrgestell ist der eigentliche Raketenwerfer montiert. Seine 30 Raketen unterscheiden sich in der Antriebstechnik kaum von den üblichen schweren Grad-Raketenwerfern. Die Besonderheit der Raketen sind die sogenannten thermobarischen Gefechtsköpfe. Ihre Wirkungsweise entspricht einer Aerosolbombe. Auf diesem Prinzip beruhen die stärksten konventionellen Bomben der Welt. "Die Mutter aller Bomben" (USA) und der "Vater aller Bomben" sind thermobarische Waffen, das heißt, bei der Explosion verbrennen sie den Sauerstoff der Luft. Weil sie im Gefechtskopf keinen Oxidator transportieren müssen, ist die Wirkung stärker als bei einem konventionellen Sprengstoff.

Wirkung durch Druckwellen

Die TOS-Werfer lassen Gefechtsköpfe im Zielgebiet einschlagen, dort verteilen sie einen explosiven Film in der Luft, der gezündet wird. Das Ergebnis ist ein riesiger Feuerball, der eine ungeheure Druckwelle auslöst. Der primären Druckwelle folgt sofort ein Vakuum-Unterdruck. Die Wirkung ist verheerend. In einer Studie nach den ersten Einsätzen in Tschetschenien schrieb die CIA: "Im Flammenbereich werden alle Personen ausgelöscht. Auch darüber hinaus erleiden Opfer innere und häufig unsichtbare Verletzungen, Trommelfelle und innere Organe reißen." In der Zone des Feuerballs entkommt man der Wirkung selbst in Bunkern und Unterständen nicht. Auf etwaige Zivilisten im Zielgebiet nimmt die Explosion keine Rücksicht.

Die Druckwelle des TOS zerstört Gräben- und Tunnelsysteme sowie Bunker. Die primäre Zerstörungswirkung der Salve eines Werfers deckt eine Fläche von 200 mal 400 Metern ab. Eine Batterie von fünf TOS-1A schlägt ein Loch von einem Kilometer Länge und 400 Metern Tiefe in die gegnerische Front. Die Vernichtungswirkung einer Save ist also extrem. Der Einsatz einer Batterie von Flammenwerfern gilt als konventionelles Äquivalent zu einer taktischen Atomwaffe.

Günstiger, schneller und vollautomatisch

Inzwischen wird eine neue Variante, der TOS-2 Tosochka, bei der Truppe erprobt. Gezeigt wurde der TOS-2 schon mehrfach in diesem Jahr. Die älteren TOS-1 Panzer wurde von Russland im Tschetschenienkrieg und dann wieder in Syrien eingesetzt. Auch im Krieg um Berg-Karabach waren die Flammenwerfer zu sehen. "Der schwere Flammenwerfer TOS-2 ist eine der neuesten Waffen bei den RCBD-Truppen [Verteidigung gegen Strahlung, Chemikalien und biologischen Waffen]", sagte Generalleutnant Igor Kirillov, in einem Interview mit der Zeitung "Krasnaja Swesda". "Die erste Charge der Waffen, um die es hier geht, wurde dieses Jahr an das Militär geliefert und wird derzeit einem Probetest unterzogen." Während früherer Tests im September wurde das neue System bereits eingesetzt, etwa um bei einer Übung die vorrückende Panzergruppe eines Manövergegners zu zerstören.

Modelle für den Export

Nach den Erfahrungen in Syrien sollte der Nachfolger des TOS-1a nicht länger auf das Gestell eines Kampfpanzers montiert werden, stattdessen wird ein dreiachsiger Lkw Ural Tornado-U 6×6 benutzt. Da die Reichweite der Raketen erhöht wurde, schien der Schutz durch den Panzer unnötig. Ohnehin sind die auf dem Panzer montierten Raketen sehr verwundbar. Der Allrad-Lkw macht den Flammenwerfer schneller und beweglicher. Außerdem sind Anschaffung und Unterhalt deutlich günstiger. In Syrien wurden die T-72 Fahrgestelle mit Transport Lkws über lange Strecken verlegt, der Ural bewegt sich auf eigener Achse. Sein logistischer Fußabdruck ist daher weit kleiner. Außerdem ist er mit einem Kran ausgestattet, um die Raketen nachzuladen, und benötigt daher kein spezielles Transport-Ladefahrzeug. Der Tosochka verfügt außerdem über vollautomatische Ziel-, Abschuss- und Feuerleitsysteme. Daher kann der Werfer in ein elektronisches Gefechtsfeld eingebunden werden, damit etwa Zieldaten von Drohnen voll automatisiert zum Einsatz der Waffe führen.

Mit aufgerichtetem Werfer erinnert der TOS-2 an die Katjuscha ("Stalinorgeln - der Schrecken der deutschen Wehrmacht") des Zweiten Weltkrieges, den ersten Mehrfachraketenwerfer. Wird der Werferaufbau eingefahren, sieht das Fahrzeug eher unauffällig aus. Die schweren Flammenwerfer gehören zu den Export-Schlagern des Kreml. Die neue flexiblere und kostengünstigere Lkw-Variante dürfte auch stark nachgefragt werden. Für vergleichsweise geringe Kosten bieten die TOS-Werfer eine starke Vernichtungskraft gerade gegenüber schwer befestigten Positionen.

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