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Schifffahrt Statt Schweröl – Michelin will auch alte Frachtschiffe mit aufblasbaren Segeln ausstatten

Diese Segeln sollen anchrüstbar sein.
Diese Segeln sollen anchrüstbar sein.
© Michelin / PR
Die Schifffahrt verpestet die Atmosphäre mit Schadstoffen und CO2. Segel von Michelin sollen helfen, Treibstoff einzusparen. Der natürliche Zusatzantrieb kann sogar nachgerüstet werden.

Michelin wird meist mit Reifen und einem Gourmetführer in Verbindung gebracht. Tatsächlich handelt es sich um einen breit aufgestellten Technologiekonzern, der sich in Zeiten des Klimawandels neu positioniert. Dazu gehört ein starkes Engagement bei der Zukunftstechnologie Wasserstoff, dazu will Michelin die Emissionen des Schiffsverkehrs reduzieren.

Und das soll mit neuartigen Hightech-Segeln geschehen. Die Frachter sollen nicht allein vom Wind angetrieben werden, die Besegelung dient als zusätzlicher Hilfsantrieb, der es möglich macht, die konventionellen Maschinen mit nur leichter Last laufen zu lassen. Es ist weit leichter so ein Hybrid-Schiff zu bauen und im Betrieb zu haben als einen Nur-Segler.

Das Projekt Wing Sail Mobility (WISAMO) verwendet ein aufblasbares Segel, das sich entfaltet und schnell wieder eingefahren werden kann. Das Ganze ist ein Gemeinschaftsprojekt von Michelin R&D und zwei Schweizer Erfindern. Das automatisierte Segel lässt sich bei Nichtgebrauch wie eine Ziehharmonika zusammenklappen. Auf Knopfdruck fährt ein Teleskopmast aus und das Segel wird mithilfe eines Luftkompressors aufgeblasen. Es ist eine Art riesige Luftmatratze geformt wie ein stehender Flügel. Heute ist es unumgänglich, dass die Segel verschwinden können. Sonst wäre die Höhe der Schiffe zu groß, um viele Häfen anlaufen zu können.

Als Zusatzbesegelung gedacht

Einzeln oder in Gruppen eingesetzt bringen die Segel das Schiff voran. Der Verbrauch soll um 10 bis 20 Prozent sinken, so Michelin. Das Flügelsegel soll in der Lage sein, auch stürmischen Bedingungen standzuhalten. Bei starkem Sturm kann es schnell eingefahren werden.

Zunächst soll das Segel mit einem Boot getestet werden. "Der Vorteil von Windantrieb ist, dass Windenergie sauber, frei, universell und völlig unumstritten ist," sagte Michel Desjoyaux, weltbekannter Skipper und Botschafter des Projekts. 2022 sollen dann Versuche auf einem Frachtschiff folgen. Das WISAMO-Segel ist so aufgebaut, dass es auf fast allen Schiffstypen eingesetzt werden kann. Als Besonderheit lässt es sich auch bei bereits gebauten Schiffen nachrüsten.

Im Vergleich zu dem norwegischen Nur-Segler Oceanbird lassen sich so ausgerüstete Schiffe auf allen Routen einsetzen und sie erreichen die gleiche Geschwindigkeit wie Schiffe, die mit einem Motor angetrieben werden. Ob sich dieses und andere klimaschonende Projekte durchsetzen, hängt wesentlich von der Gesetzgebung ab. Derzeit sind alle Segel-Projekte vom guten Willen abhängig, denn nur von den Kosten her gesehen rechnen sie sich nicht. Treibstoffe für Schiffe wird nicht besteuert und ist daher vergleichsweise billig. Dazu wird billiges Schweröl verfeuert, das sonst kaum abzusetzen ist.

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