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Kampf um Mossul Luftwaffe der Terroristen: IS-Drohne wirft erstmals Bombe auf Soldaten ab

Die Bombe explodiert inmitten der Soldaten.
Die Bombe explodiert inmitten der Soldaten.
Bislang hatte der IS keine Luftwaffe. Nun setzen die Terroristen Drohnen ein, um Bomben abzuwerfen. In Mossul trafen sie eine Gruppe irakischer Soldaten.

Der IS rüstet auf. In Mossul hat die Terrororganisation den gesamten Ostteil der Stadt nach drei Monaten schwerer Kämpfe verloren, aber sie ist noch lange nicht geschlagen. Ein neues Video zeigt, wie sehr die Miliz inzwischen aufgerüstet hat. Auf ihm ist zu sehen, wie eine IS-Drohne eine Bombe auf eine Gruppe irakischer Soldaten in Mossul wirft.

Bislang hat der IS keine eigenen Kampfdrohnen im Einsatz. Die unbemannten Flugkörper wurden bislang zur Überwachung und zum Drehen von Propagandavideos genutzt, vereinzelt soll es schon Bombenabwürfe gegeben haben. Dieses Mal wurde der Einsatz erstmals dokumentiert.

Anflug der Drohne.
Anflug der Drohne.

Exakter Abwurf

Erschreckend ist die Effizienz. Anders als die USA setzt der IS keine teuren und aufwändigen Lenkwaffen ein, in dem Video wird eine "dumme" Freifallbombe abgeworfen. Da die Drohnen des IS nur vergleichsweise kleine Bomben transportieren können, muss die Bombe exakt treffen, um ihre Wirkung zu erzielen. Tatsächlich schlägt die Bombe mitten in die Gruppe von Soldaten ein. Eine Bestätigung über Verluste gibt es nicht, aber die Explosion der Splitterwaffe wird zu Toten und Schwerverletzten geführt haben. Die Ungenauigkeit des Abwurfs - das Manko aller ungelenkten Waffen - wurde offenbar durch eine geringe Flughöhe der Drohne und eine gute Aufklärung ausgeglichen. Eine Woche zuvor bestätigte ein US-Sprecher den Einsatz von Drohnen durch den IS und gab an, dass die Koalition mehrere Produktionsstätten von Drohnen in der Nähe von Mossul angegriffen habe.

Die Soldaten stehen im Hinterhof, der kleine weiße Punkt ist die fallende Bombe.
Die Soldaten stehen im Hinterhof, der kleine weiße Punkt ist die fallende Bombe.

Industrielle Waffenproduktion

Die Studie "Standardisation and quality control in Islamic State's military production" (Standardisierung und Qualitätskontrolle in der Waffenproduktion des Islamischen Staates") der Denkfabrik Conflict Armament Research (CAR) zeigte schon im Dezember, dass die Miliz über eine eigene Waffenindustrie verfügte und schon lange nicht mehr auf Hinterhofwerkstätten angewiesen ist. CAR ist darauf spezialisiert, international Waffen und Waffenlieferungen zu beobachten. Insbesondere die Produktion von versteckten Sprengsätzen wurde vom IS auf ein eindrucksvolles Level gehoben.

Diese Waffenindustrie soll sowohl über "solide Nachschublinien" aus der Türkei wie über eigene hochpräzise Fabrikationsanlagen verfügen. CAR nimmt an, dass es sich um eine eigene Industrie mit zentraler Leitung und eigenen Produktionsnormen handle. Die beobachtete Standardisierung von Sprengladungen, Raketen und Mörsergranaten ist ein beunruhigendes Zeichen. Es beweist, dass der IS nicht auf Beutestücke und Zufallsfunde angewiesen ist. Industrielle Prozesse dieser Art können nur funktionieren, wenn der IS seinen Nachschub an Grundmaterialen ungestört in den benachbarten Staaten decken kann. Der internationalen Koalition ist es bislang nicht gelungen, den Zustrom dieses Materials nachhaltig zu stören.

IS in der Defensive, aber nicht besiegt

Trotz der übermächtigen Gegner leistet die Terrormiliz hartnäckigen Widerstand. In Mossul rücken die irakischen Truppen zwar vor, aber weit langsamer als gedacht. Im Dezember wurden zudem erschreckende Verlustzahlen der irakischen Kampftruppen bekannt.

Der gut vernetzte Autor Mark Perry schrieb in "Politico", dass die Angriffstruppen der irakischen Goldenen Division in den Kämpfen praktisch aufgerieben werden. "Die täglichen "Horror"-Verluste führen dazu, dass die US-Berater fürchten, dass das Gemetzel die Division selbst zerstören würde."

In Syrien gelang es dem IS, die Truppen des Putin-Verbündeten Assad aus der Wüstenstadt Palmyra zu werfen, kurz darauf setzte der IS zu einer großangelegten Offensive in Deir ez-Zor an, wobei es gelang, den von Assad-Soldaten gehaltenen Kessel aufzuspalten. Im Norden des Landes leisten die Kämpfer der Miliz hartnäckigen Widerstand gegen türkische Truppen. Die mussten empfindliche Verluste auch an deutschen Panzern vom Typ Leopard 2A4 hinnehmen, ohne im Stadtgebiet von Al-Bab entscheidend voranzukommen 


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