Vernetztes Haus Huckepack in der Steckdose


Ein normales Netzwerk aus Kabeln erfordert einige Bastelei, drahtlose Netzwerke schwächeln bei soliden Wänden und können zickig sein bei der Installation. Hilfe versprechen so genannte Powerline-Adapter. Sie schicken die Daten über die Stromleitung.
Von Hannes Rügheimer

Die populären Funknetzwerke nach dem WLan-Standard ("Wireless Local Area Network") haben die Verbindung von digitalen Geräten zu Hause so einfach gemacht: Sie ersparen Netzwerk-Novizen das Durchbohren von Wänden und das aufwendige Verlegen von Kabeln.

Allerdings fällt der Erfolg beim Einsatz der Funknetzwerke höchst unterschiedlich aus. Denn die Technik wurde in den USA entwickelt, wo private Häuser meist in Leichtbauweise hochgezogen werden. Die in Europa üblichen soliden Ziegelwände und Stahlbetondecken schirmen die Funksignale jedoch stärker ab. Je nach Bausubstanz kann der WLan-Empfang deshalb schon nach wenigen Metern einbrechen. Zwar sollen neue Funkstandards diese Probleme bald verbessern, doch suchen die Hersteller auch nach Alternativen zur drahtlosen Übertragung.

Eine der interessantesten bekommt jetzt durch eine neue Gerätegeneration Aufschwung, die auch für Videoübertragungen schnell genug ist: Datenverkehr per Stromleitung. "Powerline" oder "Homeplug AV" nennen Firmen wie Devolo, Philips und Pioneer ihre Systeme. Das Prinzip: Eine Adapterbox verbindet Computer-Netzanschluss auf der einen und Steckdose auf der anderen Seite. Die Box codiert die Datensignale so, dass sie huckepack auf dem 220-Volt-Strom durch die Leitung reisen können - bis zu einer weiteren Adapterbox an einer anderen Steckdose in der Wohnung. An der hängt wiederum zum Beispiel ein zu vernetzender Computer oder ein "Digital Media Adapter". Für den Datenschutz ist dabei gesorgt: Die Übertragung ist verschlüsselt und kann zudem den Stromzähler im Treppenhaus oder Keller aus technischen Gründen nicht überwinden - die Daten bleiben in der Wohnung oder im Haus.

Geschwindigkeiten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde verspricht die neueste Geräteklasse, bei der ein Boxenpaar etwa 190 Euro kostet. Allerdings ist das ein theoretischer Maximalwert. Wie schnell die Übertragung in der Praxis gelingt, hängt von Qualität und Führung der Stromleitungen im Haus ab. Im Altbau sinkt das Tempo oft erheblich, auch sollten die Boxen direkt an eine Wandsteckdose angeschlossen werden, nicht an eine Steckerleiste. Dann können die neuen, schnellen Adapter auch Videos schaffen. Allerdings: Für Audio-Übertragungen reicht es auch noch, wenn man die erste Gerätegeneration einsetzt. Die gibt es für 80 Euro pro Adapterpaar.

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker