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Neues Smartphone Oneplus 10 Pro im Test: Ausgerechnet das wichtigste Feature ist die größte Schwäche

Die Hasselblad-Kamera ist das Herzstück des Oneplus 10 Pro.
Die Hasselblad-Kamera ist das Herzstück des Oneplus 10 Pro.
© Malte Mansholt / stern
Die Smartphone-Marke Oneplus stand für große Visionen fürs kleine Budget. Das neue Oneplus 10 Pro ist das Gegenteil davon. Und ausgerechnet die Edelknipse hält es zurück.

Wie macht man eine neue Marke am Markt groß? Diese Herausforderung stellte sich das kleine Start-up Oneplus zu Anfang. Die Antwort: Viel Hype um ein technisch starkes Smartphone für kleines Geld. Die größte Schwäche war allerdings immer die Kamera. Mit einer Kooperation mit Hasselblad wollte Oneplus sich zum Edel-Smartphone-Hersteller aufschwingen. Doch die Entfernung von den eigenen Wurzeln rächt sich.

Das fängt schon beim Äußeren an. Das erste Oneplus-Smartphone, schlicht "One" genannt, hatte mit einigen eigenwilligen Design-Entscheidungen gepunktet. Statt wie die Konkurrenten auf die damals modernen Metall-Rückseiten zu setzen, bot es mit einer an Sandstein erinnernden Rückseite eine angenehme, ungewohnt rutschfeste Alternative. Nachdem Oneplus schnell davon weg wechselte und zunächst auf Metall und dann Glas setzte, ist der Sandstein nun zurück. Das schwarze Modell erinnert optisch und vom Handgefühl stark an den Urahnen. Leider fehlt aber der Griff: Irgendwie hat Oneplus es hinbekommen, dass sich die angeraute Oberfläche sogar rutschiger anfühlt als Glas. Eine etwas merkwürdige Entwicklung.

Leider ist die beeindruckend in den Rahmen eingearbeitete Kamera-Ausbuchtung des Oneplus 10 Pro sehr anfällig für Staub und Fingerabdrücke. Hier gut zu sehen: die Sandstein-Rückseite und der Stummschalter
Leider ist die beeindruckend in den Rahmen eingearbeitete Kamera-Ausbuchtung des Oneplus 10 Pro sehr anfällig für Staub und Fingerabdrücke. Hier gut zu sehen: die Sandstein-Rückseite und der Stummschalter
© Malte Mansholt / stern

Das Hauptfeature enttäuscht

Der zweite Hingucker auf der Rückseite ist die - wie bei anderen Smartphones dieser Generation - gigantische Kamera-Ausbuchtung, inklusive des wenig dezenten Schriftzugs "Hasselblad". Wie schon beim Vorgänger (hier bei uns im Test) hat die Kultkamera-Marke Oneplus wieder bei der Entwicklung unterstützt, die vermeintliche Edelknipse ist eines der Hauptverkaufs-Argumente. Tatsächlich halten sich die beiden Unternehmen über Details der Kooperation aber zurück, der Kamera-Experte half wohl in erster Linie beim Feinschliff der Software.

In der Praxis macht die Zusammenarbeit wie schon beim Oneplus 9 Pro aber weniger aus, als man sich erhofft hätte. Sie findet sich vor allem beim Hasselblad-roten Auslösebutton und -geräusch wieder, auch der Profimodus trägt das Hasselblad-Logo. Die Bilder bei Tageslicht sind sehr schön anzusehen, bei schlechtem Licht verlieren die Bilder allerdings viele Details. Hier hatte Oneplus schon immer eine Schwäche, es wäre zu wünschen gewesen, dass sie endlich mal behoben würde. Einen ausführlichen Vergleich der Kameras finden sie in der Fotostrecke.

Bei Videos macht das Oneplus 10 Pro eine ordentliche Figur. Standardmässig wird 1080P gefilmt, wer will kann aber auch modernere Auflösungen wie 4K (Mit bis zu 120 Bildern die Sekunde) oder sogar 8K einstellen. Das sollte allerdings wohl überlegt sein: Das Gerät wird bei 8K-Aufnahmen sehr warm, der Akku wird spürbar belastet. 30 Minuten Video verbrauchten im Test etwa 15 Prozent Akkuleistung. Zudem fressen die Videos viel Speicher, knapp 500 Megabyte gehen pro Minute drauf. Hat man keinen 8K-Fernseher zuhause, kann man sich den Speicherplatz auch sparen.

Hingucker mit zu wenig Strahlkraft

Auf dem Display des Oneplus 10 Pro kann man sie auch nicht in voller Pracht genießen. Mit 1440 x 3216 Bildpunkten bietet es keine 8K-Auflösung, das wäre auf dem 6,7 Zoll großen AMOLED-Display aber auch komplett überdimensioniert. Das Display ist extrem scharf und stellt Farben und sattes Schwarz toll dar. Gut ist auch die flexible Bildwiederholrate: Je nach gezeigtem Inhalt kann das Display frei zwischen 1 und 120 Bildern die Sekunde frei seine Wiederholrate anpassen. Das sorgt dafür, dass Scrollen sehr flüssig ist, aber der Akku trotzdem nicht belastet wird. Im Alltag funktioniert das ziemlich gut, man bemerkt den Wechsel nicht. 

Das gute Display des Oneplus 10 Pro bedeckt nahezu die ganze Front
Das gute Display des Oneplus 10 Pro bedeckt nahezu die ganze Front
© Malte Mansholt / stern

Ein wenig schade ist die niedrige Helligkeit. Zwar schafft das Oneplus 10 Pro laut Hersteller eine Spitzenhelligkeit von 1300 Nits, im hellen Tageslicht wirkt es im Vergleich zu einem iPhone 13 Pro aber selbst auf höchster Automatikstufe noch recht dunkel. Hier sollte man per Software nachhelfen. Darauf hoffen sollte man aber wohl nicht: Schon jetzt warnt das System, dass bei voll aufgedrehtem Display die Akkulaufzeit leidet.

Oneplus 10 Pro im Test: Schnelllader

Dabei sollte es daran eigentlich nicht scheitern. Mit 5000 mAh ist das Oneplus 10 Pro extrem gut ausgestattet. Im Test hielt das Gerät auch bei viel Nutzung immer einen kompletten Tag durch und hatte sogar Reserven übrig. Moderatere Nutzer dürften regelmässig einen zweiten Tag herausholen. Angesichts des schnellen Ladens ist aber auch ein niedriger Akkustand kein Weltuntergang. Dank Oneplus' starker Schnelllade-Technik ist das 10 Pro am passenden Ladegerät in einer knappen halben Stunden von 0 auf 100 betankt.

Die übrige Hardware ist auf hohem Niveau, aber letztlich kein Quantensprung. Als Prozessor ist der schnelle Snapdragon 8 Gen 1 verbaut, der je nach Speicherauswahl mit 8 oder 12 GB Arbeitsspeicher aufwartet. Das Oneplus 10 Pro ist damit immer fix unterwegs, selbst Games und Highend-Videos schafft es, ohne aus der Puste zu kommen. Das gilt allerdings für die meisten Premium-Smartphones.

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Unterschiede im Detail

Als Alleinstellungsmerkmal taugen da eher kleine Details, die Oneplus noch aus seiner Startzeit behalten hat. Da ist etwa der Stummschalter, den sonst nur Apple seinen Smartphones verpasst. Seit dem ersten Oneplus-Smartphone gehört er fest zum Programm. Hat man sich einmal an die drei Stufen (Laut, Vibrationsalarme, ganz stumm) gewöhnt, will man den Regler nicht mehr missen.

Auch bei der Software kocht Oneplus weiter seine eigene Suppe. Zumindest in Europa: Kommt das Oneplus 10 Pro in der Heimat China mit Oppos Android-System ColorOS, bietet Oneplus im Rest der Welt mit OxygenOS sein eigenes System an. Das bietet einige nette Features wie den durch ein Wischen in der oberen rechten Ecke erreichbaren Widget-Screen.

Es gibt aber leider auch einige skurrile Entscheidungen: So ist die automatische Drehung von Inhalten mit dem Querlegen des Geräts standardmässig abgeschaltet. Im Querformat gefilmte Clips werden in der Fotoapp dadurch immer mit dicken Balken angezeigt. Zum Glück lässt sich das im Menü schnell ändern. Gut ist hingegen Oneplus' Versprechen, das Gerät mit drei weiteren großen Android-Updates zu unterstützen und vier Jahre Sicherheits-Updates zu garantieren.

Fazit: Das Ende des Hypes

Das Oneplus 10 Pro ist vieles, aufregend ist es nicht mehr. Ausgerechnet die vielgehypte Kamera ist eher Schwäche als Stärke. Die Hardware fühlt sich sehr gut verarbeitet an, mit Ausnahme der etwas zu schwach geratenen Kamera setzt man Spitzentechnik ein. Doch der magische Moment, der früher viele Oneplus-Geräte von der Konkurrenz absetzte, fehlt einfach. Bis auf kleine Details wie den Ruhe-Slider fühlt sich das Oneplus 10 Pro mittlerweile wie andere, recht generische Smartphones an. Auch der Preis ist mit 899 Euro längst Mainstream und nicht mehr annähernd so günstig. Das lässt Kompromisse wie die Kamera umso ärgerlicher wirken. 

Das Oneplus 10 Pro ist ein gutes Smartphone. Aber nicht mehr. Ein echter Kauftipp ist es daher nicht. Wer Geld sparen will, kann das ausgerechnet mit dem sonst teureren Modellen der Premium-Hersteller wie dem iPhone 13 oder dem Galaxy S22 von Samsung, beide kosten mindestens 100 Euro weniger als das Oneplus 10 Pro. Wer einen Hunderter drauf legt, bekommt sogar das Galaxy-Ultra-Modell oder das iPhone 13 Pro

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