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Oneplus 9 Pro im Test: Ist dieses China-Phone mit Hasselblad-Knipse eine Gefahr für das iPhone?

Das schicke Gehäuse bei Oneplus 9 (stehend) und Oneplus 9 Pro ist am unteren Ende der Rückseite reflektierend, wird in Richtung Oberkante aber immer matter
Das schicke Gehäuse bei Oneplus 9 (stehend) und Oneplus 9 Pro ist am unteren Ende der Rückseite reflektierend, wird in Richtung Oberkante aber immer matter
© Malte Mansholt / stern
  • Eine Kamera in Zusammenarbeit mit der Edelmarke Hasselblad und weniger als 30 Minuten Ladezeit auf 100 Prozent - das bietet das Oneplus 9 Pro. Ob sich der Kauf lohnt oder man auch zum günstigeren Modell ohne Pro greifen kann, verrät der Test.

Günstige Smartphones, die es mit den ganz Großen aufnehmen sollten - das war lange die Philosophie des chinesischen Herstellers Oneplus. Die Preise gingen in den letzten Jahren spürbar nach oben, die Qualität aber ebenso. Im neuen Oneplus 9 und seinem Pro-Modell setzt die Firma bei der Kamera erstmals auf eine Kooperation mit Hasselblad. Wir konnten die Edelknipse bereits testen. Und waren durchaus angetan.

Viel Liebe zum Detail

Eines vorweg: Eine Revolution ist die Hasselblad-Kooperation nicht. Das ist aber auch gar nicht nötig. Mit viel Liebe im Detail hat die schwedische Luxus-Kameramarke in seiner ersten fest verbauten Smartphone-Knipse eine sehr gute Kamera gebaut, die mit schönen Bildern und schicken Details überzeugt. Und das zu einem Bruchteil des Preises einer echten Hasselblad.

Das fängt schon beim Auslöse-Geräusch an: Das kommt sehr nah an den echten Sound heran, den die sonst für den Preis eines Einsteigerwagens gehandelten Edelkameras beim Auslösen machen. Auch die Farbkalibrierung der vier Kameras des Oneplus 9 Pro hat Hasselblad übernommen.

Die großen Bullaugen des Hasselblad-Kamera sind ein echter Hingucker
Die großen Bullaugen des Hasselblad-Kamera sind ein echter Hingucker
© Malte Mansholt / stern

Starke Knipse mit kleiner Schwäche

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Obwohl die Fotos sehr farbstark sind, wirken die Farben im Vergleich mit einem iPhone 12 etwas natürlicher, sind weniger aufgepoppt. Ob das gefällt, ist allerdings Geschmackssache: Viele Betrachter bevorzugten im Vergleich die etwas farbintensiveren Bilder des iPhones. Wer aber Wert auf eine natürlichere Darstellung legt, ist beim Oneplus 9 besser bedient.

Zumindest solange das Licht stimmt. Bei Dunkelheit neigen die Fotos des Oneplus 9 Pro trotz lichtstarkem Sensor leider teilweise zu starkem Rauschen. Auch die intensivere Farbdarstellung des iPhone 12 kann dann teilweise noch mehr aus dem Bild herausholen, lässt es weniger blass wirken. Trotzdem: Dank der Hasselblad-Linse spielt das Oneplus 9 Pro ganz vorne mit. Einen ausführlichen Vergleich und mehr Details zu den Kameras finden Sie in dieser Fotostrecke. 

Volle Packung

Dass die Hasselblad-Linse als Alleinstellungsmerkmal nicht ganz ausreicht, bügelt Oneplus hervorragend mit dem übrigen Paket aus: Das schicke Gehäuse aus Edelstahlrahmen und der schicken, langsam von einem matten in ein glänzendes Finish übergehenden Glasrückseite ist vollgestopft mit Spitzentechnik.

Als erstes fällt da das Display auf. Der 6,7 Zoll riesige Bildschirm in 3216 x 1440 Pixeln setzt auf die gleiche LTPO-Technologie wie die Apple Watch. Der Hauptvorteil ist ein geringer Stromverbrauch bei einer enormer Helligkeit (bis zu 1400 Nit), hoher Bildwiederholrate und brillanter Farbwiedergabe.

Das Oneplus 9 Pro kann Inhalte mit bis zu 120 Hertz darstellen, Scrollen wirkt dadurch extrem weich. Um den Akku zu schonen, kann die flexible Bildwiederholrate aber auch extrem reduziert werden - bis bei einem Bild pro Sekunde quasi nur noch ein Standbild gezeigt wird. 

Der Bildschirm des Oneplus 9 Pro (links) ist einer der Vorteile gegenüber dem günstigeren Modell
Der Bildschirm des Oneplus 9 Pro (links) ist einer der Vorteile gegenüber dem günstigeren Modell
© Malte Mansholt / stern

Gefühlter Turbo

Die schnelle Bildwiederholrate ist ein wichtiger Bestandteil eines cleveren Effektes: Das Oneplus 9 Pro fühlt sich in der Benutzung noch schneller an, als es ohnehin schon ist, es reagiert gefühlt sofort auf Eingaben. Um diesen Eindruck zu erreichen, setzt der Hersteller mit dem Qualcomm-Prozessor Snapdragon 888 auf den aktuell schnellsten Smartphone-Chip mit Ausnahme von Apples iPhone-Chip A14. Der hochresponsive Bildschirm und einige cleveren Tricks wie sehr kurzen Animationen verstärken die Wirkung noch. 

Eine wichtige Rolle dürfte aber auch die Software spielen. Während die meisten Smartphone-Hersteller, die auf Googles System Android setzen, sich mit Zusatzfeatures und eigenen Oberflächen abzusetzen versuchen, hält sich Oneplus vornehm zurück. Die installierte Android-Version Oxygen entspricht nahezu der Basis-Variante, die wenigen Zusatzfunktionen erweitern das System sinnvoll, bremsen es aber nicht aus. Das Ergebnis ist eine schnelle, sehr intuitive Nutzung.

So schnell lädt keiner

Das schlanke System kommt auch der Laufzeit zugute. Bis zu 15 Stunden ließen sich im Test bei normaler Nutzung aus den 4500 mAh Akkuleistung herausholen, je nach täglicher Nutzung sind das zwei, teilweise sogar drei ganze Tage. Nutzt man besonders Leistungsintensive Features verkürzt sich die Laufzeit aber. Trotzdem sind selbst bei intensivster Nutzung Abends noch Reserven vorhanden.

Die Verarbeitung des Oneplus 9 Pro ist erstklassig. Kleine Details wie der vom iPhone bekannte Hardware-Stummschalter runden das Bild ab
Die Verarbeitung des Oneplus 9 Pro ist erstklassig. Kleine Details wie der vom iPhone bekannte Hardware-Stummschalter runden das Bild ab
© Malte Mansholt / stern

Selbst wenn man nur kurz ans Kabel kann, ist das aber kein echtes Problem: Der Akku ist auch in Rekordzeit wieder gefüllt. In einer knappen halben Stunde geht es mit dem mitgelieferten Oneplus-Netzteil von Null auf 100. So schnell ist sonst noch kein anderes Smartphone. Mit einer speziellen Ladeschale ist das sogar kabellos in einer vergleichbaren Geschwindigkeit möglich. Nutzt man Kabel von anderen Herstellern, ist das Laden aber deutlich langwieriger.

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So schick das edle Pro-Modell auch ist: Mit einem Preis von 899 Euro ist es ein klares Premium-Smartphone. Bei den Vorteilen gegenüber dem günstigeren Oneplus 9 handelt es sich in erster Linie um nette Zusatz-Features. So verzichtet das Oneplus 9 auf das Teleobjektiv, im Gegensatz zum Pro ist es nicht wasserdicht, der Rahmen besteht aus Plastik statt aus Edelstahl. Auch das mit 6,5 Zoll etwas kleinere Display ist mit 2400x1080 Bildpunkten niedriger aufgelöst, verzichtet auch auf die flexible Bildrate. Und die Schnellladefunktion gibt es nur am Kabel. Trotzdem: Im Alltag fühlt es sich genauso schnell und edel an - kostet aber mit 699 Euro deutlich weniger. Und dürfte den meisten Nutzer*innen trotzdem dicke ausreichen.

Fazit: Keine Revolution nötig

Ob mit Hasselblad-Logo oder ohne: Das Oneplus 9 Pro ist ein sehr gelungenes Smartphone ohne echte Schwächen. Die Hardware fühlt sich edel an, die Leistung und der rasant geladene Akku können sich wirklich sehen lassen. Dass dank Hasselblad auch die Kamera gelungen ist, macht das Paket perfekt. Auch wenn die Aufnahmen im Dunkeln ruhig noch etwas rauschfreier sein dürften.

Das größte Manko des Oneplus 9 Pro ist, dass die 200 Euro Aufpreis den wenigsten Nutzer*innen einen echten Mehrwert bieten - und das Oneplus 9 so für die meisten das interessantere Gerät ist. Dieses Problem können sich aber viele Hersteller nur wünschen. Gute Alternativen sind das iPhone 12 (hier bei uns im Test), sowie das Note 20 und das Galaxy S21 von Samsung.


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