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Galaxy Tab S7 Plus Samsungs neues Edel-Tablet im Test: Ein ausgebremster Rennwagen

Der Bildschirm ist der Star des Galaxy Tab S7+
Der Bildschirm ist der Star des Galaxy Tab S7+
© Malte Mansholt / stern
Mit dem neuen Galaxy Tab S7 Plus hat sich Samsung beeindruckend auf dem Tablet-Markt zurückgemeldet. Im Test kann das Edel-Tablet fast vollständig überzeugen – wenn da nicht Android wäre.

Wenn es um Tablets geht, sind Apples iPads und die mit Windows betriebenen Surface-Tablets von Microsoft seit Jahren die hohe Messlatte, die es zu reißen gilt. Das nun erschienene Samsung Galaxy Tab S7 Plus könnte sie fast reißen. Doch leider hält sein Betriebssystem Android es zurück.

Bei der Hardware gibt es wenig zu meckern. Das edel verarbeitete Tablet fühlt sich in der Hand extrem wertig an. Schaltet man es ein, wird dieser Eindruck noch verstärkt. Das sehr scharfe OLED-Display in 12,4 Zoll ist schlicht eine Wucht und erfreut die Augen mit tollen Farben und einem satten Schwarz. Selbst beim Scrollen ist es dank 120-Hertz-Technologie wunderbar flüssig. Das Seitenverhältnis von 16:9 ist beim Arbeiten und Surfen etwas ungewohnt, beim Film- und Serienschauen macht es aber umso mehr Freude. Zusammen mit dem im Display untergebrachten und sehr zuverlässig funktionierenden Fingerabdruck-Scanner kann der Bildschirm so voll überzeugen. 

Starker Stift

Das liegt auch daran, dass man ihn ab Werk nicht nur mit Fingern bedienen darf. Verkauft Apple seinen Bedienstift als teures Accessoire, ist der S-Pen getaufte Samsung-Stift im Lieferumfang enthalten. Benutzt man ihn nicht, klemmt er auf der Rückseite an einer speziellen Fläche. Dort lässt er sich zwar nicht ganz so intuitiv verstauen wie der einfach oben an den Rand geclipte Apple Pencil, nach einer Gewöhnungszeit geht es aber schnell von der Hand.

Auf der schicken Metallrückseite befindet sich die nicht erwähnenswerte Kamera und die Halte-Fläche für den S-Pen
Auf der schicken Metallrückseite befindet sich die nicht erwähnenswerte Kamera und die Halte-Fläche für den S-Pen
© Malte Mansholt / stern

Da der S-Pen wirklich nützlich ist, nutzt man ihn ohnehin öfter, als man zunächst vermuten würde. Der mit Bluetooth verbundene Stift lässt sich etwa auch als Fernbedienung benutzen, um durch Präsentationen zu klicken oder auch nur Netflix zu pausieren. Mit Gesten wie einem von unten nach oben in die Luft gezeichneten Strich regelt man etwa die Lautstärke. Dazu muss man nur den Knopf am Stift gedrückt halten. Das Herumgefuchtel fühlt sich zwar etwas merkwürdig an, funktioniert aber zuverlässig. Wer es nicht mag, muss es auch nicht nutzen.

Natürlich lässt der S-Pen sich auch als Stift benutzen. Durch die geringe Eingabeverzögerung fühlt sich Schreiben und auch Zeichnen sehr natürlich an, Text lässt sich automatisch konvertieren. Etwas nervig ist das Pseudo-Papiergeräusch, dass das Tablet während der Benutzung von sich gibt. Es ist mit dem Stummschalten des Geräts aber schnell verschwunden.

Viel Leistung, mäßige Laufzeit

Auch bei der Leistung hat Samsung nicht gespart. Das Tab S7+ wird vom Qualcomm Snapdragon 865+ befeuert, dem schnellsten Prozessor für Android-Geräte. Obwohl der etwas schwächer ist als der im iPad Pro verbaute A12Z, reicht er zusammen mit den 8 GB Arbeitsspeicher locker aus, um auch rechenintensive Apps oder Spiele ohne jegliche Ruckler laufen zu lassen. 

Trotz der geringeren Power kann das Tab S7 Plus auch bei der Akkuleistung nicht mit Apples Spitzenmodell mithalten. Während der Konkurrent auch mal 14 Stunden schafft, ist beim Samsung-Modell nach sieben bis acht Stunden Schluss. Das geht in Ordnung, beeindruckt aber nicht. Immerhin ist die Ladezeit mit etwas über drei Stunden recht moderat. Schade: Während man das Apple-Gerät im Stand-by recht lange herumliegen lassen kann, saugt Samsungs Tablet auch herumliegend den Akku langsam leer. Nach ein Paar Tagen muss man es auch unbenutzt wieder laden.

Mit dem Dex-Feature lässt sich das Tablet in einen Desktop-Modus bringen - und zeigt die Programme dann als eigene Fenster an
Mit dem Dex-Feature lässt sich das Tablet in einen Desktop-Modus bringen - und zeigt die Programme dann als eigene Fenster an
© Malte Mansholt / stern

Mit Dex zum Desktop

Schließt man eine Tastatur an, etwa das von Samsung separat angebotene Type Cover Keyboard, verwandelt sich das Tab 7 Plus in ein Notebook. Im sogenannten Dex-Modus lässt es sich wie ein Desktop-Rechner verwenden. Dann ist es nicht nur besser per Maus zu steuern, sondern erlaubt auch mehrere Apps parallel in Fenstern anzuzeigen und zu nutzen. Installiert man Microsofts Office-Suite, kann man richtig wie am Computer arbeiten. Leider werden aber viele Apps nicht unterstützt.

Die Apps sind ohnehin die größte Schwäche des Tablets. Während im Apple-Universum Unmengen von Apps für den großen Bildschirm des Tablets optimiert sind, ist das bei Android die absolute Ausnahme. Fast immer handelt es sich nur um größer skalierte Versionen der Smartphone-Apps. So bringt das große Display aber kaum Mehrwert. Auf dem iPad oder auch auf Windows-Tablets profitiert man deutlich mehr vom Plus an Bildschirm-Diagonale. Android und die uneinheitliche App-Landschaft reißen hier das Potenzial des Tablets kräftig nach unten.

Das ist besonders angesichts des hohen Preises des Tab S7+ wirklich ärgerlich. 876 Euro kostet es in der einfachsten Variante mit Wlan und 128 GB Speicher, will man auch unterwegs surfen, muss man noch einmal fast 200 Euro drauflegen. Dann ist aber immerhin der neue 5G-Standard verbaut. Das Highend-Modell mit 256 GB und 5G kostet gar 1120 Euro. Und dann ist die 130 Euro teure Tastatur noch nicht enthalten. Apple und Microsoft rufen für ihre Spitzenmodelle zwar ähnliche Preise ab. Weil die aber auch tatsächlich als Laptop-Ersatz geeignet sind, relativiert der Preis sich stark.

Fazit: Ein starkes Tablet - mit dem falschen System

Bei der Hardware hat Samsung nahezu alles richtig gemacht. Das Galaxy Tab S7+ fühlt sich toll an, der große OLED-Bildschirm ist eine echte Wucht. Besonders Surfen und Videos machen unheimlich Spaß. Auch beim Arbeitstempo gibt es wenig zu meckern, die Akkulaufzeit könnte aber besser sein. Das macht Samsung mit dem mitgelieferten S-Pen wett, der deutlich mehr Tricks auf dem Kasten hat als etwa Apples Pencil. 

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Die größte Schwäche ist aber das Betriebssystem. Bei Android sind Tablets spürbar nachrangig, die meisten Apps nutzen das Extra an Platz nicht, die Unterstützung für Samsungs Desktop-Modus Dex fällt auch eher gering aus. Das bremst das sonst starke Tablet leider aus. Als Arbeitsgerät ist es dem iPad Pro oder Microsofts Surface-Tablets unterlegen, als reines Medien-Tablet ist es andererseits aber zu teuer.

Eine echte Kaufempfehlung kann man daher nur für Nutzer geben, denen es auf das Geld nicht ankommt und die das beste Medien-Tablet suchen. Wer richtig arbeiten muss, sollte sich stattdessen lieber das iPad Pro oder das Microsoft Surface Pro 7 ansehen. Als günstigeres Medien-Gerät lohnt sich ein Blick auf den tollen Vorgänger, das Galaxy Tab S6. Oder man greift zum neuen iPad 8 oder dem iPad Air 4.

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