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T. Ammann: "Bits & Pieces": Der Abhörskandal wird auf unerwarteten Gebieten für Aufregung sorgen

Thomas Ammann vermutet, dass der Abhörskandal in Paris noch für diplomatische Verwicklungen auf gänzlich unerwarteten Gebieten sorgen wird. Das Privatleben der französischen Präsidenten könnte schließlich einige Geschichten liefern.

Die französischen Präsidenten Sarkozy, Hollande und Chirac beim Telefonieren

Die französischen Präsidenten Sarkozy, Hollande und Chirac beim Telefonieren

Es ist sicher nicht besonders originell, sich ständig selbst zu zitieren und sich dauernd zu wiederholen, aber die große Aufregung über die neueste -Enthüllung kann ich schon wieder nicht nachvollziehen. Da kommt also heraus, dass die NSA nicht nur die Bundeskanzlerin belauscht hat, sondern obendrein mindestens drei französische Präsidenten, und zwar Jacques Chirac, Nikolas Sarkozy und Francois Hollande. Zumindest einige wenige der ominösen Selektoren dürften damit auch bekannt sein. Quelle surprise, wie der Franzose sagt, welche Überraschung. Wir hatten an dieser Stelle neulich schon berichtet, dass die Amerikaner die Welt in beste Freunde und ziemlich beste Freunde einteilen, und zu Letzteren zählen eben auch die Franzosen.

Sie gelten, genauso wie wir Deutschen, als Partner dritter Klasse, und die sind nicht nur Verbündete, soweit man sie für Kriege und andere schmutzige Dinge brauchen kann, sondern eben auch Aufklärungsziele. Sie könne, verkündete die NSA schon vor längerem, "die Signale der meisten ausländischen Partner dritter Klasse angreifen", und stolz fügte sie hinzu: "Wir tun dies auch".

Wikileaks hat nun den Beweis dafür erbracht, falls es denn noch eines Beweises bedurfte. Immerhin ist schon seit etwa drei Monaten klar, dass die NSA europäische Unternehmen und Politiker bespitzelt – und dies teilweise sogar unter Mitwirkung des deutschen Bundesnachrichtendienstes. Jetzt sind eben die Franzosen dran, nach den Deutschen offenbar das zweitwichtigste Angriffsziel für die wissbegierigen Lauscher aus den USA.

Dank Wikileaks erfährt die Welt jetzt, dass sich der damalige französische Premierminister Jean-Marc Ayrault heimlich mit dem damaligen SPD-Oppositionsführer Sigmar Gabriel traf, weil er sich Sorgen über einen möglichen Ausstieg der Griechen aus dem Euro und die damit verbundenen Konsequenzen machte. Der sozialistische Präsident Hollande segnete dieses inoffizielle Treffen ab, mahnte aber, es müsse ein "Geheimnis" bleiben. Denn, so registrierten die NSA-Spitzel, er befürchte "diplomatische Probleme", falls Kanzlerin Merkel davon Wind bekäme. Hollande fühlte sich offenbar von Merkel nicht so recht verstanden, und er fürchtete damals, ihre Haltung gegenüber den Griechen könne zu einer Radikalisierung der Politik in Athen führen. Womit er ja nicht Unrecht hatte.

Hollande steht düpiert da

Die Griechen halten uns noch immer in Atem, und spätestens jetzt weiß die Kanzlerin, dass Hollande versucht hatte, an ihr vorbei Politik zu machen. Außerdem lästerte er ganz schön über die Kanzlerin, mit der er sich öffentlich so gern im Tête-à-Tête zeigt. Ein Treffen mit ihr, klagte er intern, habe nichts Substantielles erbracht, es sei "reine Show" gewesen.

Frankreichs Premier Francois Hollande und und die ehemalige französische First Lady Valérie Trierweiler

Frankreichs Präsident Francois Hollande und die ehemalige französische First Lady Valérie Trierweiler - die NSA-Schnüffelei könnte auch auf dem privaten Gebiet Folgen haben.

Hollande steht jetzt ganz schön düpiert da, wenn er die Kanzerlin dieser Tage bei den diversen Euro-Gipfel trifft, und einmal mehr sind diplomatische Verwicklungen durch die Wikileaks-Indiskretionen nicht auszuschließen.

Sorgen um ihren guten Ruf müssen sich Hollande und seine Vorgänger aber sicher auch auf anderen Gebieten machen. Zumindest von Hollande ist bekannt, dass er mit seiner Geliebten Valérie Trierweiler einen regen SMS-Verkehr pflegte. Insbesondere, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, weil er eine heimliche Liebesaffäre mit der Schauspielerin Julie Gayet hatte – wovon Trierweiler wiederum aus dem People-Magazin "Closer" erfuhr. "Seither", kommentierte die "Bild"-Zeitung damals, "rätselt Frankreich nicht nur, wie Monsieur le Président gedenke, das dahinsiechende Frankreich wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bekommen, sondern auch, wie er selbst in Sachen Liebe aufgestellt ist." Die NSA hätte dazu bestimmt einiges sagen können.

Einblicke in "tiefste, intensivste und intimste" Situationen des Alltags

Denn nach der Trennung habe Hollande versucht, sie wiederzugewinnen und ihr zahlreiche SMS geschickt, berichtete Valérie Trierweiler später in ihrem Enthüllungsbuch über die Affäre. "Seine Nachrichten sprechen von Liebe", so die Ex-Präsidentengeliebte. "Er schreibt, dass ich sein ganzes Leben bin, dass er nichts ist ohne mich." Laut Trierweiler schickte Hollande ihr an manchen Tagen über zwei Dutzend SMS und tippte seine Kurznachrichten sogar zwischen zwei Treffen mit US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Süffiger Stoff, der sicher für einige Abwechslung im ansonsten eintönigen Schlapphut-Alltag sorgte. Schon Edward Snowden hatte berichtet, die Totalüberwachung gewähre unerlaubte und unbegründete Einblicke in die "tiefsten, intensivsten und intimsten" Situationen des Privatlebens, was den Analytikern eine "außergewöhnliche Verantwortung" im Umgang mit den persönlichen Daten aufbürde. Allerdings seien viele der Leute bei der NSA, die sich "durch die Heuhaufen wühlen", noch sehr jung, nämlich "zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahre" alt, die ihrer Verantwortung offenbar nicht immer gerecht werden. "Im Laufe des Tages", so Snowden, "stoßen sie immer mal wieder auf Dinge, die mit ihrer Arbeit gar nichts zu tun haben, beispielsweise Nacktfotos von einer attraktiven Person in einer eindeutigen sexuellen Situation. Was tun sie dann? Sie zeigen es dem Kollegen, der neben ihnen sitzt. Und der sagt: ‚Klasse, schick es doch weiter an Bill.’ Und der schickt es an George, George schickt es an Tom." Die Totalüberwachung als ultimative Form des Voyeurismus. "Solche Dinge werden bei den Überwachungsposten als eine Art Vergünstigung betrachtet", berichtete Snowden 2014 gegenüber dem "Guardian".

In diesem Sinne darf man auf weitere "Wikileaks"-Enthüllungen durchaus gespannt sein.

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