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NSA-Abhörskandal: Was macht eigentlich ... der Mann, der den NSA-Skandal aufdeckte?

Der NSA-Skandal wurde 2013 durch den Journalisten ausgelöst: Er veröffentlichte die geheimen Dokumente von Edward Snowden.

Nach NSA-Abhörskandal: Was macht eigentlich Glenn Greenwald heute?

Greenwald, 50, im Garten seines Hauses in Rio, wo er mit seinem Partner und zwei Adoptivkindern lebt. 2013 wurde der NSA-Skandal wurde durch den amerikanischen Journalisten ausgelöst

Warum lebt ein amerikanischer Journalist, der auf Geheimdienstthemen spezialisiert ist, ausgerechnet in Rio de Janeiro?

Im Zeitalter des Internets kann ich meinen Job überall machen. Ich liebe die Schönheit dieser Stadt. Und ich habe hier meinen Ehemann David kennengelernt. Da die USA damals die gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht anerkannten und wir kein Visum für David bekamen, blieben wir eben in Rio.

Ist Brasilien in solchen Fragen fortschrittlicher?

Damals schon. Auch in Adoptionsfragen. Wir haben als schwules Paar gerade zwei arme Kinder aus dem Nordosten Brasiliens adoptieren können.

Wie ist das Leben als später Vater?

Sehr herausfordernd, vor allem weil die beiden schon sechs und acht sind und wir nicht wie andere Paare in die Elternrolle hineinwachsen konnten. Aber es ist so erfüllend wie nichts anderes.

Sie leben in einer Art Villa Kunterbunt mit 30 Hunden und Affen im Dschungel.

Vorher haben wir sogar noch tiefer im Dschungel gelebt, aber da wären die Kinder zu isoliert gewesen. Jetzt können sie zu Fuß zur Schule gehen.

Dafür sind hier die Gefahren größer. Just in diesem Moment hört man jede Menge Schusswechsel.

Heute sind die Schießereien so intensiv, wie ich es noch nie erlebt habe. Wir sind nur etwa 100 Meter entfernt von der Favela Rocinha. Da tobt gerade ein Krieg zwischen Drogenbanden und Polizei. Wir sollten lieber in den Keller gehen.

Sind Sie immer noch Amerikas "Enemy Number 1" – nach der Veröffentlichung der streng geheimen NSA-Protokolle?

Ich bin so verhasst wie sonst nur Edward Snowden und Julian Assange. Anfangs wegen der NSA-Geschichte. Jetzt auch wegen meiner Sicht auf den Einfluss Russlands bei den US-Wahlen. Zumindest bei den Demokraten.

Sie halten den Skandal für überbewertet?

Es ist durchaus möglich, dass die Russen das Hacking durchführten. Das aber machen die USA und Russland seit Jahrzehnten. Es gibt keine Beweise, dass es von Putin selber kam. Und wir sollten Russland deswegen nicht zum Erzfeind erklären wie zu Zeiten des Kalten Kriegs.

Haben Sie noch Kontakt zu Snowden?

Sehr viel. Wir arbeiten zusammen in der Stiftung Freedom of the Press. Was er tat, war heldenhaft. Er wusste: Für die Weitergabe der Geheimdienstinformationen an mich wandert er in den USA ein Leben lang in den Knast. Dafür geht es ihm derzeit in seinem Exil ganz gut. Er darf Russland zwar nicht verlassen, aber es ist ein faszinierendes Land. Er schreibt Artikel, ist ein gefragter Redner, er entwickelt Technologien, um Quellen anonym und sicher zu machen.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Viel an der Russlandfrage. Aber auch an Themen wie Tierschutz und den Wahlen in Brasilien im Oktober.

Vermissen Sie New York?

Auf keinen Fall. Wenn du zu sehr Teil einer Subkultur bist, besteht die Gefahr des Herdendenkens. Man wird blind. Für einen Journalisten ist das sehr gefährlich.

Wird dieses Gespräch von Geheimdiensten abgehört?

Ich wurde ohne Frage abgehört. Aber ich denke nicht mehr daran. Ich gucke mich auch nicht ständig um. Im Netz benutze ich Datenverschlüsselung. Aber ich bin nicht obsessiv. Man kann schnell paranoid werden.

Szene aus "Democracy - Im Rausch der Daten"
Interview: Jan Christoph Wiechmann
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