Autofahrer Schadstoffplaketten - jetzt kaufen?


Sechs deutsche Kommunen wollen rund um ihre Innenstädte "Klimazonen" einrichten. Um mit dem Auto reinzufahren, braucht man eine Schadstoffplakette, die Interessierte jetzt schon kaufen können. Zwingend ist der Kauf jedoch nicht.

Ab sofort werden die so genannten Schadstoffplaketten verkauft. Müssen jetzt alle Autofahrer solch eine Plakette kaufen? Der Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt am Main rät auch angesichts noch offener höchstrichterlicher Urteile zum Abwarten. Für 2007 haben laut AvD lediglich sechs Kommunen Umweltzonen angekündigt, darunter die Städte Stuttgart, Ludwigsburg und Leonberg. Nur wer diese Städte mit dem Auto besuchen wolle, brauche die neuen Plaketten. In weiteren deutschen Städten würden sie erst ab 2008 benötigt.

CO2 über Wind verteilt

Hinsichtlich der politischen Diskussion um das Treibhausgas CO2 führt die Einstufung in die Schadstoffklassen eins bis vier zu Missverständnissen, meint AvD-Sprecher Sven Janssen: "Ein Fahrzeug mit einem Verbrauch von 15 Litern Diesel pro 100 Kilometer bekommt, sofern es mit einem Partikelfilter ausgerüstet ist, die beste Schadstoffeinstufung, obwohl es, was den klimaschädlichen CO2-Ausstoß betrifft, mit 333 Gramm/Kilometer (g/km) den angestrebten Grenzwert von 130 g/km um fast das Dreifache übertrifft. Daran wird deutlich, dass die derzeitige Lösung kaum eine endgültige sein kann."

Doch selbst wenn man dieses außer Acht lasse, kritisiert der AvD, müsse die Wirksamkeit der Umweltzonen angezweifelt werden. Das Aussperren von Fahrzeugen aus bestimmten innerstädtischen Bereichen sei das eine. Doch Schadstoffe und Feinstäube machten nicht an definierten Grenzen halt, sondern würden vom Wind oft Hunderte Kilometer weit getragen. Um die tatsächliche Wirksamkeit der Maßnahmen zu erfassen, schlägt der AvD vor, die vier Städte, die bereits ab Juli Umweltzonen ausweisen wollen, zu Testgebieten zu erklären. Hier könnten wissenschaftlich begleitete Feldversuche gestartet werden, um die tatsächliche Wirksamkeit der Maßnahme zu ermitteln.

AvD fordert mehr Messstellen

Im Rahmen dieser Versuche müsste natürlich auch die Zahl der Messstellen in diesen Bereichen deutlich erhöht werden, um verlässliche Werte zu erhalten, von denen alle anderen Städte profitieren könnten. Es genüge nicht, so der AvD, den Verkehr im Bereich der Messstellen lahm zu legen, um die EU-Richtlinie auszutricksen. Die Wirksamkeit der Maßnahmen müsse erst bewiesen werden. Bis dahin könne man sich die Gebühr für die Plaketten beruhigt sparen, zumal sie im Umfeld der betroffenen Städte bei fast allen AU-berechtigten Werkstätten jederzeit erhältlich seien.

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