Bahn-Verspätungen Tester nehmen Fehdehandschuh auf

Die Bahn kommt - aber zu oft zu spät. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, worüber sich nun die Deutsche Bahn ärgert. Die Zahlen stimmten nicht, die Untersuchung sei nicht repräsentativ, heißt es aus der Konzernzentrale. Nun kontern die Tester.
Von Markus Baluska

"Wir haben die Ankunftszeiten von über 90.000 Zügen überprüft, das ist repräsentativ", sagte die Sprecherin der Stiftung Warentest, Heike van Laak, stern.de. Bei Forsa-Umfragen würden lediglich 1000 Menschen befragt und keiner käme auf die Idee, diese Erhebungen als nicht repräsentativ zu bezeichnen. Aber darum gehe es gar nicht: "Der Trend ist so, wie er ist", sagt sie zum Ergebnis der Studie, die im aktuellen Heft der Stiftung Warentest nachzulesen sind.

"Das ist nicht repräsentativ"

Diese Zahlen hält die Deutsche Bahn aber für irreführend. In der Stichprobe der Tester seien nur zehn Prozent der täglich verkehrenden Züge über eine Spanne von gut 30 Tagen untersucht worden. "Das ist nicht repräsentativ", argumentiert das Unternehmen. Im gesamten Personenverkehr von der S-Bahn bis zum Fernzug habe die Pünktlichkeit im vergangenen Jahr bei "deutlich über 90 Prozent" gelegen. Die Stiftung Warentest wirft Bahnchef Hartmut Mehdorn vor, er halte die Statistik über die Häufigkeit von Zugverspätungen zurück.

Laut des Tests sind zwei von fünf Fernzügen der Deutschen Bahn unpünktlich. 38 Prozent der ICE, IC und EC haben eine Verspätung von vier Minuten oder länger, wie die jetzt veröffentlichte Auswertung zeigt. Bei den Regionalzügen sieht es etwas besser aus: Von ihnen rollte in der Zeit vom 23. September bis Ende Oktober nur jeder vierte zu spät ein (24 Prozent). Überprüft wurden die Ankunftszeiten von 94.136 Zügen, täglich zwischen 6 und 24 Uhr an wichtigen Hauptbahnhöfen.

Kritik an Bahnchef Mehdorn kommt auch vom Fahrgastverband Pro Bahn. Dessen Sprecher Hartmut Buyken sagte stern.de: "Die Ergebnisse der Untersuchung überraschen uns leider nicht, sie entsprechen unseren gefühlten Erfahrungen." Der Grund für die Verspätungen der Züge liege allein in der Strategie von Bahnchef Hartmut Mehdorn. "Der will die Bahn mit aller Macht an die Börse bringen, dazu braucht er Gewinne. Um die zu erzielen wird an allen Ecken und Enden gespart, an den Zügen, am Personal, an der Wartung und so weiter." Mehdorn nehme billigend in Kauf, dass die Pünktlichkeit der Züge darunter leide.

Deutlich freundlicher zur Bahn ist der Verkehrsclub Deutschland, VCD. "Die Bahn kann nicht immer 100 prozentig pünktlich sein, das kann man mit dem Auto ja auch nicht", sagt VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann zu stern.de. "Aber das Unternehmen Bahn könnte mehr für die Pünktlichkeit tun." So müsse das Schienennetz sorgfältiger gepflegt werden. "Wir haben kein Verständnis dafür, wenn die Züge im Herbst Verspätungen haben, weil Laub auf den Schienen liegt." Die Infrastruktur müsse vor allem auch auf Nebenstrecken besser Instand gehalten werden.

"Planen Sie ein Zeitpolster ein"

Dann wäre es möglich, mit Güterzügen verstärkt auszuweichen und die Hauptstrecken für den Personenverkehr frei zu machen. Für die Bahnreisenden hat die Expertin den Tipp, mehr Zeit einzuplanen, besonders wenn Flüge oder Kreuzfahrtschiffe pünktlich erreicht werden sollen. "Wer mit dem Auto zum Flughafen fährt, achtet ja auch darauf, dass er ein Zeitpolster hat."

Die Autofahrer-Lobby bedauert die Banhnkunden. Andreas Hölzel, Sprecher beim ADAC zu stern.de: "Der Autofahrer kann nur durch ein kaputtes Auto oder einen Stau aufgehalten werden. Bei der Bahn weiß man nicht, ob sie kommt oder nicht. Wer auf die Bahn angewiesen ist, hat häufig das Nachsehen."


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