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BERLIN: Erste Hilfe notwendig

Der Fachbereich Humanmedizin an der FU Berlin kämpft ums Überleben

Der Abschluss der Koalitionsverhandlungen von SPD und PDS könnte für die Freie Universität Berlin (FU) fatale Folgen haben. Die neue Regierung will den Fachbereich Humanmedizin an der FU aufgeben und dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) seinen universitären Status aberkennen. Es soll in ein städtisches Krankenhaus überführt werden.

Das stellt einen klaren Bruch der im Oktober 2001 geschlossenen Hochschulverträge dar, denn den Hochschulen wurde bis 2005 Planungssicherheit gegeben. Diese Vereinbarungen umfassen auch die Budgets für die beiden Universitätskliniken Benjamin Franklin und Charite. Im Rahmen der Verträge hatten die medizinischen Fachbereiche der Hauptstadt bereits Einsparungen in Höhe von rund 75 Millionen Euro zu verkraften. Zudem wurde festgelegt, dass eine Expertenkommission bis zum Herbst 2002 Vorschläge für die Neustrukturierung der Universitätsmedizin in Berlin erarbeiten sollte.

Die Schließung der medizinischen Fakultät würde rund 4.600 Studierende der FU Berlin betreffen. Sie haben allerdings einen einklagbaren Rechtsanspruch auf die Fortführung ihres Studiums. Der Ausbildungsbetrieb muss also auch in den nächsten Jahren aufrecht erhalten werden. Eine Übernahme der Studierenden durch die Charite scheint aufgrund der begrenzten Kapazitäten der Humboldt Universität Berlin (HU) nicht möglich zu sein.

Verlust von 500 Arbeitsplätzen

Das Land Berlin erhofft sich von der Schließung des Klinikums Einsparungen, denn die anstehenden Modernisierungsmaßnahmen würden den Haushalt weiter belasten. Und dieses Geld hat das Land Berlin nicht. Dabei gehören die beiden Universitätskliniken zu den leistungsstärksten in Deutschland.

Das UKBF hat rund 25 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Diese wären bei einer Schließung aber hinfällig. Außerdem müsste das Land Berlin Investitionsmittel von bis zu 100 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen. Das Geld war als Bundeshilfe für die bauliche Sanierung des Krankenhausbetriebes gezahlt worden. Die Schließung des UKBF würde den Berliner Haushalt also nur weiter be- statt entlasten.

Führende Wissenschaftler bangen um den Wissenschaftsstandort Berlin. Neben dem finanziellen Aspekt bedeutet die Überführung des Universitätsklinikums auch den Verlust von etwa 500 hochqualifizierten Arbeitsplätzen. Der Bruch der Hochschulverträge könnte abschreckend auf hochkarätige Wissenschaftler wirken. Neben wertvoller Forschungsarbeit zerstört eine Schließung auch die Kooperation mit anderen Einrichtungen der Biowissenschaften in der Hauptstadt.

Die Abwicklung der medizinischen Fakultät würde die FU Berlin ihr bisher vollständiges Fächerspektrum kosten. Bereits 1994 wurde die Zahnklinik Nord aus der FU ausgegliedert und der HU zugeordnet. Ein Jahr später geschah genau dasselbe mit dem Virchow-Klinikum. Doch bisher gibt es noch keinen konkreten Zeitplan für die Umsetzung des Vorhabens und Studenten und Mitarbeiter kämpfen für den Erhalt ihres Fachbereiches und des UKBF. Unterstützung erhalten sie von vielen Seiten. So hat sich die Ärztekammer bereits im Dezember 2001 gegen die Schließung des UKBF ausgesprochen. (se)

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