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Asien: Die scheinbar heile Welt der Mutter-Vater-Kind-Familien

In Asien werden konservative Familienwerte hochgehalten. Alleinerziehende, unverheiratete Mütter, gleichgeschlechtliche Paare – in vielen Ländern sind das noch Tabus.

Vater, Mutter, Kind, die Mutter macht ein Familien-Selfie

So manche Familie gibt es in Asien nur zum Schein, damit den Konventionen entsprochen wird

Was Familienwerte angeht, sind die asiatischen Länder durch die Bank ziemlich konservativ. "Mutter, Vater, Kinder" – die Staaten propagieren das traditionelle Modell und das spiegelt auch die Einstellung beim Großteil der Bürger wider. Der Realität entspricht das auch in Asien längst nicht mehr: Es gibt Alleinerziehende, unverheiratete Mütter und langsam auch Familien mit schwulen und lesbischen Eltern. Wie gehen Regierungen damit um? Ein paar Beispiele:

Singapur: Der reiche Stadtstaat hat eine niedrige Geburtenrate und versucht, die knapp dreieinhalb Millionen Staatsangehörigen zum Heiraten und Kinderkriegen zu ermuntern. Gefördert wird nur die Vater-Mutter-Kind-Familie. Junge Ehepaare haben beim Kauf von subventionierten Wohnungen Priorität vor Singles. 2014 verbannte die Nationalbibliothek Bücher mit schwulen und lesbischen Paaren, weil sie nicht die richtigen "Familienwerte" transportierten. Jetzt stehen sie nach Protesten in der Abteilung "nur für Erwachsene". Die Organisation "Aware" verlangt gerade mit einer Poster-Kampagne Anerkennung für Alleinerziehende. Unverheiratete Frauen haben erst seit diesem Jahr Anspruch auf die üblichen 16 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub.

China: Familien außerhalb des Vater-Mutter-Kind-Modells gibt es offiziell nicht. Wer ledig ist und ein Kind bekommt, muss mitunter eine empfindliche Strafe zahlen – oft mehrere Jahreseinkommen. Wenn der Vater eines unehelichen Babys einen DNA-Test verweigert, hat die Mutter Schwierigkeiten, Ausweispapiere für ihr Kind zu bekommen. Über Alleinerziehende runzeln viele die Stirn, deshalb bleiben auch Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben, oft wegen der Kinder zusammen. Weil die Familie häufig auf eine traditionelle Ehe drängt, heiraten Schwule und Lesben immer öfter untereinander – nach außen stimmt's und sie leben trotzdem mit ihren wahren Partnern zusammen.

Malaysia: In dem mehrheitlich muslimischen Land ist Homosexualität verboten. Schwule oder lesbische Paare gibt es offiziell nicht, schon gar nicht mit Kindern. Die mächtigen Scharia-Behörden sind für alle sozialen Belange der Muslime zuständig. Sie lassen nur das traditionelle Familienbild gelten. Selbst Eheschließungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sind verboten. Jahrelang schwelte ein Streit vor Gericht, weil ein Hindu nach der Eheschließung mit einer hindustischen Frau zum Islam übertrat. Das Scharia-Gericht wollte ihr die Kinder wegnehmen, weil sie nicht Muslimin ist.

Kambodscha: Offiziell gibt es in dem buddhistischen Land nur Ehen zwischen Mann und Frau. Aber gleichgeschlechtliche Beziehung würden durchaus anerkannt – es hänge von der Lokalbehörde ab, erklärt das Zentrum für Menschenrechte. Meist kommt der Druck zur Heirat von den Familien. Wenn der Schein durch eine traditionelle Ehe gewahrt ist, werden schwule Beziehungen stillschweigend toleriert, ähnlich wie außereheliche Beziehungen heterosexueller Männer. Für Frauen gelten striktere Regeln. Ledige Mütter haben einen schweren Stand, weil Frauen vor der Ehe keinen Sex haben sollen. Lesben können nur im Verborgenen leben.

Vietnam: Der kommunistische Einparteienstaat hat das zunächst verhängte Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen 2015 abgeschafft. Seitdem gibt es solche Hochzeiten, aber der Staat erkennt sie nicht richtig an. Für gleichgeschlechtliche Paare gilt etwa das Scheidungsrecht nicht. Weil das Gesetz gelockert wurde, ändern sich auch die Einstellungen, sagt Luong The Huy vom Sozialforschungsinstitut ISEE. Selbst auf dem Land feierten Familien jetzt Schwulen- und Lesben-Ehen, Eltern schämten sich nicht mehr so. Als Paar können Schwule und Lesben nicht adoptieren, aber als Einzelpersonen. 

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Kirsten Han und Christiane Oelrich, DPA

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