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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Sexappeal – ein bisschen Waldschrat muss sein

Manche Männer sehen aus wie ein alter Poncho und sind trotzdem sexy. Warum ist das eigentlich so?

Sexappeal hat für Henriette Hell eine schräge Mischung Mann: Künstler, Außenseiter, guter Küsser, unberechenbar und mit einem Quäntchen Selbstzerstörungswillen

Sexappeal hat für Henriette Hell eine schräge Mischung Mann: Künstler, Außenseiter, guter Küsser, unberechenbar und mit einem Quäntchen Selbstzerstörungswillen

Neulich ist mir in meinem Viertel Kim Frank über den Weg gelaufen. Das ist der Typ, der Ende 90er mal als Frontmann der Teenieband "Echt" (u.a. "Wo bist du jetzt?", "Du trägst keine Liebe in dir" – klingelt da was bei Ihnen?) für feuchte Höschen bei der Generation "Bravo" gesorgt hat. Meine inklusive.
Tja, und nun? Ist er 33 und macht keine Musik mehr, sondern irgendwas mit Regie, Literatur, Fotografie. Und sieht aus wie so ein alter Waldschrat: langes, wirres Haar, Geheimratsecken, kleine Plauze. Aber ich konnte mir nicht helfen: Irgendwie fand ich den Typ immer noch heiß. Sogar deutlich heißer als früher!
Das hat mich wiederum ein bisschen in Panik versetzt. Und mich zu der Frage geführt: Wie entsteht eigentlich Sexappeal? Genügt es möglicherweise schon, irgendwas mit intellektueller Kunst zu machen?

Dazu fällt mir ein Song von "HGich.T" ein:

Sie trinkt viel Sekt und schmachtet ihn an,
was für ein interessanter Mann!
Er baut Skulpturen, Skulpturen aus Müll,
davon verspricht sie sich sehr viel.
Er kommt aus Kiel und weiß nicht viel,
doch genug, um ihr zu imponieren.
(Lyrics: Künstlerschweine, HGich.T)

Da ist auf jeden Fall etwas dran. Ob Sie es nun wahrhaben wollen, meine Damen und Herren, oder nicht. Es fällt schwer, ich weiß: Erst kürzlich postete ein User bei Facebook unter meine Kolumne über die zehn erotischsten Männer Deutschlands, die u. a. Olli Schulz und Birol Ünel enthielt, ich könne meinen Auswahl ja wohl kaum ernst meinen, wolle lediglich auf billige Weise provozieren. Darüber musste ich sehr lachen! 

"Was willst du bloß mit dem?"

Dieselben Vorwürfe musste ich mir nämlich bereits als Teenie gefallen lassen, weil ich mich stets zielsicher in den größten Freak der ganzen Schule verknallte und meine Eltern ("Was willst du bloß mit dem?") auf diese Weise an den Rand der Verzweiflung brachte.

Ohne Scheiß. Das Aussehen eines Mannes war mir schon immer (bis zu einem gewissen Grad) egal – weil es nämlich in Wahrheit bloß auf fünf Dinge ankommt:

1. Er macht irgendwas mit Kunst.
2. Er ist unberechenbar.
3. Er ist ein Außenseiter und stolz darauf.
4. Seine Küsse bringen dich um den Verstand.
5. Er neigt zur Selbstzerstörung.

Der Gegencheck gibt mir Recht

Klingt komisch, ist aber so. Das werden Sie merken, wenn Sie folgende internationale Sexsymbole mal auf diese fünf Punkte* abtasten: Kurt Cobain, Johnny Depp, Mick Jagger, Javier Bardem, Alain Delon, Keanu Reeves, Michael Fassbender, Warren Beatty, Tony Curtis ... Ich könnte ewig so weitermachen, Baby! (*Obwohl ich das mit den Küssen natürlich nicht bewerten kann.)

Bis heute ist es mir jedenfalls unmöglich, mich in einen ganz "normalen" Mann zu verlieben. Irgendeine düstere Ecke oder Kante MUSS er haben, sonst habe ich nicht die geringste Lust, mit ihm zu schlafen.

Ist das normal? 

Nun ja, die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass die sexuelle Ausstrahlung bei Männern neben einem wohlproportionierten Körper vor allem von Merkmalen wie Selbstbewusstsein, gutem Körpergefühl, Humor und Kommunikationsfähigkeit abhängt. Auch ein hoher sozialer Status, Willensstärke, finanzielle Sicherheit, Ehrgeiz und intellektuelle Fähigkeiten würden Frauen extrem wuschig machen. Und – jetzt kommt's! – er müsse absolut kein Schönling sein, sondern das "gewisse Etwas" haben.

Im Fall von Kim Frank (und mir) ist das möglicherweise einfach dieser entzückende Waldschrat-Look.

P.S.: Männer sind übrigens nicht ganz so kompliziert gestrickt: Laut britischen Forschern wird der ideale Attraktivitätswert einer Frau mit einem "ärmellosen, kurzen Kleid" erreicht, "das möglichst eng an den Oberschenkeln anliegt". Punkt.  

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