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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Ich suchte im Internet unverbindlichen Sex – jetzt bin ich verliebt"

Markus wollte im Netz nur ein bisschen Spaß finden - doch er traf Maria. Aus unverbindlichem Sex ist für ihn längst mehr geworden. Doch Maria will frei und ungebunden bleiben. Soll Markus ihr erzählen, dass er sich verliebt hat?

Sex im Internet - und dann wurde Liebe daraus

Wenn aus dem unverbindlichen Sex Liebe wird...

Liebe Frau Peirano,

ich (m, 36), bin seit zwei Jahren Single. Ich habe mich vor einem halben Jahr auf secret.de angemeldet, weil ich eigentlich unkomplizierten Sex suchte. Ein paar Begegnungen liefen wie geplant. Doch im Februar lernte ich dort Maria kennen, eine ausgesprochen attraktive Frau, die die gleichen Vorlieben hatte wie ich. Wir verabredeten uns, redeten sehr offen, gingen was trinken und hatten anschließend sehr intimen Sex. Ich war überrascht, weil der Sex eigentlich eher unpersönlich war. Bei Maria fühlte ich mich eigentlich wie in einer Beziehung, vertraut und nah, und gleichzeitig war es sehr spannend.
Schon gleich am Anfang sagte Maria ganz offen, dass sie im Moment herumexperimentiert. Sie war lange in einer Beziehung, zum Schluss war es wohl sehr langweilig und einengend, und dennoch hat sie über ein Jahr gebraucht, um sich zu lösen. Jetzt ist sie Single und will endlich etwas erleben, frei sein, sich ausprobieren. Sie erzählte von zwei Frauen, mit denen sie Sex hatte. Die eine hat sich in sie verliebt, da hat sie den Kontakt abgebrochen. Es sind viele Männer an ihr interessiert (super attraktive Frau, kein Wunder). Sie nimmt sich, was ihr gefällt, probiert aus, hat Dreier, S-M Sex, geht alleine in Sex-Clubs, nimmt an Tantra-Seminaren teil usw.


Am Anfang fand ich es interessant, ihr zuzuhören, weil sie so auf der Suche ist und Grenzen sprengt. Nicht viele Menschen trauen sich das, sondern leben in ihrem biederen Leben oder machen das, was sie wollen, heimlich. Doch irgendwann kippte es, weil sich auch meine Gefühle für Maria veränderten. Ich war öfters bei ihr zu Hause und fühle mich bei ihr sehr wohl. Ich bleibe über Nacht, sie bleibt auch über Nacht bei mir. Jedes Treffen ist anders und aufregend. Mal gehen wir zusammen essen oder in eine Bar, mal bleiben wir zu Hause. Wir massieren uns zärtlich, küssen uns, schauen uns lange in die Augen und erzählen uns viel von unserem Leben. Wir können unglaublich gut zusammen lachen. Immer mehr fühle ich mich so, als wären wir ein Paar.
Ich habe ihr schon einige sehr zärtliche SMS geschrieben, und sie hat sehr persönlich geantwortet.

Aber ich weiß, dass sie immer noch mit anderen herumexperimentiert. Es hat sich nichts an ihrem Verhalten geändert. Sie erzählt mir auch einiges von den Dingen, die sie macht, und einige Namen von anderen Liebhabern kenne ich. Nur ich kann damit nicht mehr umgehen, weil ich mich sehr in sie verliebt habe. Ich denke die ganze Zeit an sie, und ich will mit ihr zusammen sein. Wenn es nach mir ginge, wäre ich sofort zu einer Beziehung mit ihr bereit. Ich fühle in vielem sehr ähnlich wie sie, ihre Meinung ist mir extrem wichtig, und ich berühre sie gerne, sehe sie gerne an, verwöhne sie.

Ich habe aber Angst, alles zu zerstören, wenn ich es ihr sage. Denn sie hat sich schon von anderen "Liebhabern" und "Liebhaberinnen" getrennt, wenn die Gefühle hatten.
Was soll ich machen?
Danke und viele Grüße, Markus G.

Lieber Markus G.,

Sie haben sich selbst zwar vorgenommen, nur unverbindlichen Sex zu suchen, aber ich denke, dass Sie da einen Teil von sich selbst ausgeblendet haben. Denn es gibt in Ihnen einen sehr sensiblen und romantischen Teil, der bereit ist zu Nähe, Zärtlichkeit, tiefem persönlichen Austausch und einer festen Beziehung. Nicht umsonst haben Sie sich eine Frau ausgesucht, die Ihnen nicht nur optisch, sondern auch charakterlich sehr gut gefiel. Im Kontakt mit Maria haben Sie keine Grenzen gesteckt oder Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sondern Sie haben sich mit ihr zusammen benommen wie ein verliebtes Paar. Sie haben sich kennen gelernt, zusammen gelacht, zärtliche Worte gewechselt, in einem Bett geschlafen und sich ausgetauscht. Da ist es nicht verwunderlich, dass Ihr Herz die "Spielregeln" übersieht, die Ihr Kopf "eigentlich" festgelegt hatte: sich nicht zu verlieben. Unverbindlich zu bleiben. Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, wie das unter diesen Bedingungen möglich ist. Sie haben ganz schön mit dem Feuer gespielt, und jetzt brennen Sie.

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Die Frage ist jetzt doch, ob es Maria genau so geht wie Ihnen. Vieles spricht dafür: Auch sie hat sich geöffnet, sich Ihnen anvertraut, und Ihre zärtlichen Zeilen erwidert. Zumindest auf Ihrer Seite ist zwischen Ihnen beiden etwas passiert, das die Rahmenbedingungen verändert. Abgemacht war unverbindlicher Sex. Das können Sie nicht mehr, denn Sie haben sich verliebt und wollen mehr von Maria. 

Wenn Sie so weitermachen wie bisher, wäre es deshalb selbstquälerisch. Sie müssten vorgaukeln, dass es Ihnen nichts ausmacht, wenn Maria von Ihren Abenteuern mit anderen Liebhabern oder Liebhaberinnen erzählt. Wie wollen Sie das denn aushalten? Außerdem wäre es Maria gegenüber nicht fair, wenn Sie ihr nicht sagen, dass sich Ihre Gefühle verändert haben. Denn einerseits gäbe es nur so die Chance darauf, dass Sie beide die Spielregeln ändern, und womöglich doch ein Paar werden. Oder Maria hätte die Chance darauf, sich zu entscheiden, ob Sie unter diesen Vorzeichen weiter mit Ihnen Kontakt haben möchte. Sie experimentiert. Das hat sie klar gesagt. Weil sie macht, was sie will, ausprobiert und für sich neue Wege entdeckt, kann sie auch verletzend sein. Wichtig ist, dass sie einen Spiegel vorgehalten bekommt. Andere Liebhaber haben ihr schon gesagt: "Ich habe mich verliebt". Jetzt wäre es an Ihnen, ihr diesen Spiegel vorzuhalten, und vielleicht wird ihr darüber klar, dass diese spontane, unverbindliche Flatterei von einer schönen Blüte zur nächsten und von einem Liebhaber zum anderen, und dazu alles gleichzeitig, in dieser Form nicht klappt.

Ich sehe nur zwei Möglichkeiten für Sie: Entweder Sie führen ein klärendes Gespräch mit ihr und wappnen sich innerlich, dass Maria daraufhin den Kontakt abbrechen könnte – oder Sie ziehen sich gleich von ihr zurück. Ich persönlich rate jedoch zum Gespräch, denn nur dann haben Sie Chancen, zu hören, was Maria für Sie empfindet. Und ich hoffe, dass Sie sich distanzieren können, wenn Sie merken, dass Maria keine tiefen Gefühle für Sie hat, sondern nach ein paar intensiven Momenten gesucht hat.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt gut auf sich aufpassen und sich schützen.

Herzliche Grüße, Julia Peirano 

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