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Bildungspolitik: "Das ist doch ein Schweinezyklus"

Dilemma: Allein in Bayern werden Schätzungen zufolge nächstes Jahr etwa 2500 Junglehrer keine Stelle bekommen, obwohl sie dringend benötigt werden.

Die Lehrerverbände in Bayern schlagen Alarm. Im kommenden Schuljahr werden nach ihren Schätzungen rund 2500 fertig ausgebildete Junglehrer auf der Straße stehen. Andererseits gebe es an den Lehrstätten einen enormen Nachholbedarf an Pädagogen, klagten Vertreter aller Schularten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Landtags-SPD in München. Wegen steigender Schülerzahlen und zu großer Klassen müssten mindestens 2500 Lehrer mehr eingestellt werden als von der CSU geplant.

Viel zu große Schulklassen

An den weiterführenden Schulen hätten noch rund ein Drittel aller Klassen mehr als 30 Schüler, rechnete Martin Rister vom Bayerischen Realschullehrerverband (BRLV) vor. Allein an den Realschulen gebe es bayernweit noch 240 Klassen, in denen 34 bis 39 Schüler sitzen. Bei den Gymnasien sei besonders die Mittelstufe von zu großen Klassen betroffen, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Dagmar Bär. "Das ist besonders problematisch, weil die Schüler in diesem Alter ja oft andere Dinge im Kopf haben als die Schule."

Die SPD-Abgeordnete Marianne Schieder warf der CSU-Staatsregierung vor, in der Bildungspolitik auf Kosten der jungen Generation zu sparen. Obwohl genau die Anzahl von Lehrern fertig werde, die man dringend brauche, seien im Doppelhaushalt nur 380 neue Planstellen für alle Schularten vorgesehen: "Das ist unverantwortlich." Für die Zukunft zeichne sich schon jetzt ein Lehrermangel ab, weil die Zahl der Lehramtsstudenten sinke. "Wir stellen jetzt keine Lehrer ein. Und wenn wir wieder welche einstellen wollen, haben wir keine mehr. Das ist ein so genannter Schweinezyklus."

Große Versprechungen

Besonders schwierig ist die Situation nach Ansicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) für die Hauptschullehrer. "Die jungen Leute sind mit den höchsten Versprechungen in diesen Beruf gelockt worden, und jetzt stehen sie auf der Straße", sagte der Vorsitzende der BLLV-Junglehrer, Hans Rottbauer. Allein in den nächsten zehn Jahren gingen 40 bis 45 Prozent der jetzt aktiven Pädagogen in den Ruhestand: "Der Lehrermangel ist eigentlich jetzt schon da, er wird nur durch die Arbeitszeitverlängerung kaschiert."

DPA / DPA
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