HOME

Deutsche Konjunktur 2007: Höchste Inflationsrate seit 1994

Energie- und Lebensmittelpreise haben die deutsche Inflation in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 13 Jahren getrieben: Laut Statistischem Bundesamt erreichte die Jahresteuerung einen Wert von 2,2 Prozent. Über die Prognosen für 2008 streiten die Experten noch.

Die Inflationsrate in Deutschland ist in diesem Jahr auf den höchsten Wert seit 13 Jahren geklettert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, legten die Verbraucherpreise nach vorläufigen Berechnungen im Jahresdurchschnitt 2007 um 2,2 Prozent zu. Im Dezember schwächte sich die Teuerungsrate nach dem Jahreshoch von November (3,1 Prozent) wieder leicht ab auf 2,8 Prozent im Vergleich zu Dezember 2006. Der Anstieg für das Gesamtjahr sei der stärkste seit 1994, als die Teuerungsrate bei 2,7 Prozent gelegen habe, sagte Thomas Krämer vom Statistischen Bundesamt. Ab 1995 habe die Teuerungsrate maximal 2,0 Prozent im Jahresschnitt betragen: Diesen Wert hatte die Teuerung jeweils in den Jahren 2001 und 2005 erreicht.

Die Angaben der Statistiker beruhen auf den Zahlen aus sechs Bundesländern. Der merkliche Anstieg der Inflationsrate im Jahr 2007 sei hauptsächlich durch die überdurchschnittlichen Preissteigerungen bei Haushaltsenergie und Kraftstoffen sowie in der zweiten Jahreshälfte bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken gekennzeichnet, erklärte das Bundesamt. Die leichte Entspannung gegenüber November sei wesentlich auf die zuletzt wieder rückläufigen Benzin- und Dieselpreise zurückzuführen. Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich ein Anstieg um 0,5 Prozent. Diese Entwicklung resultiere aus saisonbedingt hohen Preissteigerungsraten für Pauschalreisen und Ferienwohnungen. Experten äußerten indessen unterschiedliche Erwartungen für 2008.

Euro-Aufwertung dämpft Importpreise

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, erklärte: "Wir rechnen für die kommenden Monate weiterhin mit erhöhten Inflationsraten." Zwar sei dies ein von Sonderfaktoren getriebenes temporäres Phänomen, sagte Stark der "Börsen-Zeitung". Aber es könne "durchaus sein, dass die Rohstoffpreise sich in bestimmten Regionen nicht so entwickeln, wie erhofft. Dann bleibt auch der Aufwärtsdruck bei der Inflation ein Thema". Stark, der das Ressort Volkswirtschaft in der EZB leitet, ermahnte zugleich die Tarifparteien zur Besonnenheit. Andernfalls würde die EZB eingreifen.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, äußerte der Deutschen Welle gegenüber die Erwartung, dass die Inflationsrate im kommenden Jahr nicht weiter steigen werde, auch wenn die Verbraucher sich weiter auf höhere Preise einstellen müssten. "Wir haben beim Gaspreis sicherlich nicht den höchsten Preis gesehen und es gibt weiter Spannungen bei den Nahrungsmitteln", sagte Walter. Ein Grund sei, dass in China immer mehr Menschen ein mittleres Einkommen hätten und "sich deshalb unseren Lebensstil leisten können. Und die natürlich dieselben Nahrungsmittel nachfragen, die wir auch gerne preiswert gekauft hätten". Europa profitiere allerdings zugleich von der Euro-Aufwertung, die dämpfend auf die Einfuhrpreise wirke, sagte Walter. Diese Entwicklung werde 2008 anhalten. "Ich nehme also an, dass wir auch noch einmal Rekordhochs für den Euro bekommen", sagte der Bankexperte.

AP / AP

Wissenscommunity