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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Ghosting - unwürdiger kann man nicht abserviert werden

Ghosting, die wohl unwürdigste Weise, jemanden abzuservieren seit „Ich geh mal kurz Zigaretten holen!“ – nun traf es meine Freundin Kaja. 

Meine beste Freundin Kaja ist mit den Nerven am Ende. Gerade noch verlebte sie ein romantisches mit ihrem neuen Lover. Man schwor sich ewige Liebe, plante sogar schon einen Kurzurlaub in Rom sowie ein Kennenlerntreffen mit den Eltern. "Er ist der Mann meines Lebens", schwärmte Kaja letzte Woche. Da kannten sich die beiden etwa zwei Monate. Tja, und heute? Sagt meine Freundin über denselben Mann: "Ich möchte ihm jeden seiner Zehennägel einzeln ausreißen und mit Nadeln in seine Augen stechen!" Aua.

Nun kommt von euch sicherlich die Frage, was der Mann verbrochen hat. Die Antwort lautet: Rein gar nichts! Niente. Nada. Er hat sich nach betreffendem Wochenende einfach NIE WIEDER bei meiner Freundin gemeldet. Keine , kein Anruf, kein "Like" in sozialen Medien. Ihr ahnt es schon: Kaja wurde Opfer des wohl gruseligsten Dating-Trends aller Zeiten: Ghosting. Laut Wikipedia ist das "ein vollständiger Kommunikationsabbruch ohne Vorwarnung". Wenn jemand also aus deinem Leben verschwindet wie ein Geist. Gruselig! Respektlos! Feige!

Dem Lurch ging es womöglich zu schnell

Würde es die blauen Häkchen bei nicht geben, hätte Kaja vermutlich angenommen, ihr Liebster sei durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen. "Leider" war dies nicht der Fall. Stattdessen ignorierte der Wicht schlicht und ergreifend seit zwei Wochen sämtliche Nachrichten meiner Freundin ("Was ist mit dir? Warum meldest du dich nicht? Was habe ich falsch gemacht?! Hallo??? Arschloch!"), gibt keinen Mucks von sich.

Die arme Kaja zerbricht sich seither den Kopf, was sie falsch gemacht hat. Eine mögliche Theorie: Sie (Berlinerin) hatte ihm zuletzt gestanden, dass sie sich vorstellen könnte, zu ihm nach Zürich zu ziehen. Gut möglich, dass der Lurch lieber untergetaucht ist, als Kaja zu sagen, dass ihm das jetzt doch alles ein bisschen zu schnell geht.

Das Fiese am Ghosting: Via Facebook, Instagram und WhatsApp-Profilbildern kann die arme Kaja aktuell quasi in Echtzeit mitverfolgen, wie ihr Ex-Lover sein Leben genießt (u.a. postete er schamlos ein Bild von sich beim Oktoberfest – mit drei fremden Frauen im Arm!), während sie selbst vor einem Scherbenhaufen sitzt und sich fragt, was zur Hölle bloß schiefgelaufen ist.

Selbst Promis werden geghostet

Ein kleiner Trost: Selbst megaheißen Hollywoodstars ergeht es nicht besser. Charlize Theron soll ihren Ex-Freund Sean Penn ebenfalls eiskalt geghostet haben – obwohl bereits von Verlobung die Rede war! Von einem auf den anderen Tag soll sie abrupt den Kontakt zu dem Oscar-Preisträger abgebrochen, alle Telefonnummern und Mail-Adressen gelöscht haben. Völlig verzweifelt soll Penn immer wieder versucht haben, sie zu kontaktieren – vergeblich.

Ein schwacher Trost für meine Freundin Kaja, die sich in Zukunft nur noch mit Männern verabreden will, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wohnen – damit sie im Fall der Fälle einfach hingehen, klingeln und ihm von Angesicht zu Angesicht sagen kann, dass er ein "falsches Schwein" ist. 

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