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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: "Ich wünschte, ich wäre schwul!"

Ihr Freund Disco kriegt sein Leben nicht auf die Reihe, will deshalb zurzeit keine Freundin und glaubt, dass sein Sexleben viel leichter wäre, wenn er schwul wäre. Henriette Hell sieht das etwas anders.

DJ hinterm Plattenteller, vorne tanzt das Publikum

Disco (hier ein Symbolbild) hat Schlag bei Männern und bedauert deshalb, dass er nicht schwul ist

Mein Gehirn war letzte Woche von den ungewohnt heißen Temperaturen ein wenig weichgekocht und so sah ich mich gezwungen, in meinem Freundeskreis auf Themensuche zu gehen. "Was beschäftigt euch denn gerade so – in Sachen Sex?", fragte ich bei einem Grillabend einfach mal auf gut in die Runde.

"Ich hätte gerne mal Sex mit 'nem Mann", antwortete mein Kumpel Disco, ehe er genüsslich in sein Würstchen biss. Das war allerdings nichts Neues, weil Disco seit Jahren damit kokettiert, dass er gerne schwul wäre, es nur blöderweise einfach nicht war. "Dann schlaf doch endlich mal mit 'nem Mann", schlug ich vor. "Soll ich dir mal 'n Date mit Karsten klarmachen? Der würde dich sofort vernaschen ... Hat er neulich sogar gesagt!" Aber das traute sich Disco partout nicht. "Nee, bloß nicht", druckste er herum. "Knutschen vielleicht. Aber so richtig Sex? Nee, das ist mir zu krass ..."

Das war wieder mal typisch. "Dann such dir doch mal wieder ein nettes Mädchen", entgegnete ich. "Das würde dir bestimmt total gut tun." Denn Fakt ist, dass Disco seit sieben Jahren keine feste Freundin mehr gehabt hat und angeblich auch keine will, weil er erstmal "sein Leben in den Griff bekommen" will. Im Klartext hieße das: ENDLICH mit dem Kiffen aufhören, raus aus der ranzigen Zehner-WG, weniger Internetpornos gucken und hauptberuflich als arbeiten. Letzteres ist aus seiner Sicht der Schlüssel zum Glück. Und ganz viel Sex. "Sobald du irgendwas mit Mucke machst, bist du der King", glaubt er zu wissen. Klar, Groupies gibt es für jeden Scheiß. Sogar Dieter Bohlen hatte welche und das heißt schon was. 

Aber sein unterirdischer Musikgeschmack ...

Discos einziges Problem: Sein Musikgeschmack ist unter aller Kanone. Er hat weder ein Gespür für Übergänge noch dafür, was gerade angesagt ist. Trotzdem – und das muss man ihm hoch anrechnen – schafft es "Disco" regelmäßig, dass ihn irgendwelche (verzweifelten) Barbesitzer als DJ buchen. Hauptsächlich deshalb, weil er komplett auf Gage verzichtet und auch bloß montags hinters Pult darf.

Noch erstaunlicher ist allerdings, dass es Disco an jenen Abenden fast immer gelingt, irgendeine Frau abzuschleppen. Zur Not mithilfe von Schnäpsen. Ein zweites Mal trifft er sich allerdings nie mit diesen "Groupies". Stattdessen jammert er uns, seinen Freunden, dann wieder die Ohren voll: "Ach, wär ich doch bloß schwul – dann hätte ich mir diesen süßen Barkeeper schnappen können ..." Tja, man hat's echt nicht leicht als gay wannabe.

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