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Internetkriminalität: Die Horror-Zahlen der Bitkom

Innenminister Schäuble will mehr staatliche Kontrollen, der Branchenverband Bitkom will mehr Sicherheitstechnologie verkaufen. Und plötzlich heißt es, die Internetkriminalität grassiere. Stimmt das?

Von Tiemo Rink

Mal angenommen, Arbeitsminister Olaf Scholz priese auf einer Pressekonferenz mit dem Verband der Baumaschineningenieure den neuesten Schaufelradbagger im Tagebau an. Oder Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner würde gemeinsam mit dem Industrieverband Agrar die effektivsten Schädlingsbekämpfungsmittel für deutsche Bienenvölker vorstellen. Schnell käme der Vorwurf auf, hier habe eine Lobbygruppe ganze Arbeit geleistet. Wenn jedoch der Hightech-Verband Bitkom zu Pressekonferenzen lädt, sitzen mit Bundeskriminalamt, Innenministerium und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) gerne Vertreter staatlicher Behörden mit am Tisch. Und alle sind sich einig: Man braucht dringend neue Sicherheitstechnologien.

Argumentationsgrundlage sind immer neue Schreckensmeldungen aus der Netzwelt. Von massenhaftem Adresshandel ist die Rede, von Trojanern, von betrügerischen Abbuchungen auf Online-Konten - nahezu jeder Surfer scheint ins Visier Krimineller geraten zu können. Multimedia-Verbände wie die Bitkom bieten ein ganzes Arsenal an Maßnahmen an, um das Netz sicherer zu machen, was auch im Interesse des Innenministeriums ist. Und dass sich Staatssekretäre bei einem so komplexen Thema mit den Experten der IT-Branche beraten, scheint nur zweckmäßig. Doch wieso veranstalten sie gleich gemeinsame Pressekonferenzen? Und kann es sein, dass auch manche Gefahr überdramatisiert wird?

Bei Auktionen über den Tisch gezogen

Mitte Januar präsentierte die Bitkom neue Zahlen: Demnach sind fast vier Millionen Deutsche schon einmal Opfer von Computerkriminalität geworden. Auf den ersten Blick erschreckend viele - immerhin knapp fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Doch hinter dieser Angabe verbergen sich höchst unterschiedliche Tatbestände: Straftaten, und manchmal offenbar auch nur gefühlte Straftaten. Es geht um Menschen, die Opfer von sogenannten Phishing-Attacken geworden sind. Aber auch um solche, die sich einen Computervirus eingefangen haben. Oder die einfach meinten, sie seien bei Internetauktionen "über den Tisch gezogen worden", so ein Bitkom-Sprecher im Gespräch mit stern.de.

Für den Bürger ist das Phishing meist am teuersten. Dabei spähen Kriminelle sensible Kundendaten wie Passwörter oder die Bankverbindung aus. Damit können sie die Bankkonten der Betrogenen abräumen - eine üble Geschichte für jeden Betroffenen. Wie viele der vier Millionen Geschädigten Phishing-Opfer waren und wie viele sich nur einen Computervirus einfingen, darüber schweigt sich die Bitkom aus.

Die BKA-Zahlen zum Phishing

Das Bundeskriminalamt (BKA) nennt Zahlen, die weit weniger dramatisch klingen. So wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2007 insgesamt gut 180.000 im Internet begangene Straftaten vermerkt. Das waren zwar acht Prozent mehr als im Vorjahr - aber deutlich weniger als die vier Millionen, die Bitkom nennt. Zwar ist bekannt, dass die Dunkelziffer bei Straftaten oft um ein Vielfaches höher liegt. Aber ist es denkbar, dass rund 3,82 Millionen Geschädigte keine Anzeige erstattet haben?

Der Bitkom-Verbandssprecher kann dazu keine verbindlichen Auskünfte geben. Aber er mahnt im Gespräch mit stern.de: "Man sollte die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen." Schließlich habe man es "nach den Erkenntnissen der Behörden" nicht mit irgendwelchen jugendlichen Hackern, "sondern mit richtigen Mafiabanden zu tun, die hinter solchen Taten stecken." Die FDP-Datenschutz-Expertin Gisela Piltz beurteilt die Lage etwas vorsichtiger. "In der öffentlichen Diskussion wird manchmal der Eindruck erweckt, das Internet sei geradezu ein Tummelplatz von Verbrechern aller Art", sagt sie zu stern.de. Tatsächlich sei mittlerweile fast jeder im Internet aktiv, "darunter leider auch solche, die Böses im Sinn haben".

Banker versus Bitkom

Noch Ende des vergangenen Jahres wusste Bitkom offensichtlich genauer Bescheid. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit BKA-Chef Jörg Ziercke präsentierte der Verband präzise Zahlen: Im Jahr 2007 seien 4100 Menschen vom Phishing betroffen gewesen, von deren Konten seien gut 19 Millionen Euro gestohlen worden. Für die Betroffenen eine Katastrophe - immerhin wurden durchschnittlich etwa 3200 Euro von jedem Konto abgebucht. Allerdings erledigen insgesamt etwa 22 Millionen Bundesbürger ihre Bankgeschäfte im Internet. Die Wahrscheinlichkeit für ein abgeräumtes Bankkonto lag also im Jahr 2007 bei gerade einmal 0,02 Prozent.

Hinter vorgehaltener Hand zürnen deswegen auch Banker gegen die Informationspolitik von Bitkom. Die jüngst präsentierte Horror-Zahl von vier Millionen Geschädigten sei "unseriös". Der Verband habe die Daten von insgesamt elf Landeskriminalämtern auf die gesamte Bundesrepublik hochgerechnet. Das räumen die IT-Experten zwar sogar selbst ein, betonen jedoch, dass die elf Landeskriminalämter insgesamt 90 Prozent der Gesamtbevölkerung abdecken würden. Mit einer solchen Vorgehensweise, so murrt man hingegen in Bankerkreisen im Gespräch mit stern.de, werde "zur Verunsicherung der Nutzer beigetragen". Daran wiederrum haben die Banken kein Interesse - sie sparen durch das Online-Banking eine Menge Geld und Personal.

Geschäftsmodell Lesegerät

Für die Bitkom verhält es sich genau andersherum. Im IT-Bereich ist die Sorge vor Internetkriminalität bares Geld wert. Denn so lassen sich Anti-Viren-Programmen, Firewalls und sicherheitstechnische Beratungen aller Art verkaufen. Das jüngste und mutmaßlich hoch lukrative Projekt, das die Bitkom forciert, ist die Einführung des elektronischen Personalausweises. Der ist zwar heftig umstritten, weil sich auf ihm auch biometrische Daten speichern lassen. Aber er verspricht mehr Sicherheit: Mit einem zusätzlichen Lesegerät sollen die Bürger ihre Ausweise auch für Internet-Dienste nutzen können, zum Beispiel für das Onlinebanking und den Datenaustausch mit staatlichen Behörden. Davon würde die Kommunen profitieren, denn sie könnten so einiges an Personalkosten in Rathäusern und Einwohnermeldeämtern einsparen. Aber es würde vor allem der IT-Branche helfen - denn sie wird die Lesegeräte aller Voraussicht nach produzieren.

Eine erste Umfrage hat ergeben, dass 55 Prozent aller Befragten den neuen Ausweis fürs Onlinebanking nutzen würden. Ebenfalls gefragt wurde, welche Extra-Kosten der Bürger für das zusätzliche Lesegerät zu zahlen bereit wäre. Die Antwort: zwischen 11 und 20 Euro. Der Auftraggeber der Umfrage? Bitkom.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.