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Kreditkarten-Skandal: Offenbar keine Geschädigten durch Datenpanne

Nach Auskunft der Polizei hat sich bislang noch kein Geschädigter im Datenskandal um die Landesbank Berlin gemeldet. Zuvor hatte es in einem Zeitungsbericht noch geheißen, dass Betrüger die Kunden verschiedener Institute um bis zu 5000 Euro geprellt hätten. Justizministerin Brigitte Zypries will auf alle Fälle nun die Datenschutzbehörden aufrüsten.

Nach dem Diebstahl zehntausender Kreditkarten-Daten haben sich bislang keine Geschädigten bei der Polizei gemeldet. Es sei zwar nicht völlig auszuschließen, dass es zu Missbrauchsfällen gekommen sei, zunächst könne man aber Entwarnung geben, erklärte Polizeisprecher Karlheinz Wagner am Montag. Die Ermittlungen konzentrierten sich derzeit darauf, wie das Paket mit den Daten zur "Frankfurter Rundschau" gelangt sei. Dazu arbeite man intensiv mit allen Beteiligten zusammen.

Einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge sind jedoch Kunden verschiedener Banken, deren Kreditkarten-Abrechnung vom Dienstleister Atos Worldwide bearbeitet wurden, von illegalen Abbuchungen betroffen. Bei der Zeitung seien Schreiben von Kunden aus ganz Deutschland eingegangen, von deren Konten Unbekannte Beträge von bis zu 5000 Euro abgebucht haben. Ob diese Missbrauchsfälle etwas mit dem Datenpaket zu tun haben, das ihr zugespielt worden war, sei unklar, schreibt die Zeitung.

Die Landesbank Berlin (LBB) und Atos Worldwide hätten gegenüber Kunden schon eingeräumt, dass ihre Kreditkarten missbraucht wurden.

Der "Frankfurter Rundschau" waren am Wochenende anonym Daten über Kontobewegungen von Zehntausenden Kreditkarten-Inhabern zugespielt worden. Die auf mehreren hundert Folien gespeicherten Daten enthalten nach Darstellung der Zeitung Vor- und Nachname der Kunden, Adresse, Kreditkartennummer, Kontonummer und jede einzelne Bezahl-Aktion mit dem dazugehörigen Betrag. Betroffen seien Kreditkarten der Landesbank Berlin sowie Karten, die die Bank über den ADAC und dem Internethändler Amazon ausgestellt habe. Zudem habe der per Post eingegangene Pappkarton offene Umschläge mit Geheimnummern (PIN) enthalten.

Die LBB erklärte, in der Datensendung seien keine Geheimnummern gewesen, mit denen der Zugriff auf Kundenkonten möglich sei. Nach Angaben der Bank war die Datensendung auf dem Weg von einer Firma, die die Daten verarbeitet, zur LBB gestohlen worden.

Die Frankfurter Polizei ermittelt federführend wegen des Verdachts der Datenausspähung. Sie vernahm Mitarbeiter der LBB sowie des externen Dienstleisters Atos Worldline, der mit der Abrechnung der Kreditkarten betraut ist. Die Daten kamen nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen bei einer Kurierfahrt abhanden. Die Kurierfirma ist in Hessen ansässig. Der Datensatz war nach Angaben der LBB bei Atos Worldline archiviert worden und sollte unverschlüsselt zur LBB zurückgebracht werden.

Bundesjustizministerin Zypries kritisiert die Länder

Unterdessen hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Bundesländer kritisiert. Sie müssten ihre Datenschutzbehörden besser ausstatten, forderte die SPD-Politikerin in der "Berliner Zeitung" vom Montag. Zudem müsse die Kompetenz der Datenschützer ausgeweitet werden. "Sie sollten das Recht bekommen, die Berichtigung, Löschung oder Sperrung von Daten anordnen und rechtswidrige Datenverarbeitung untersagen zu können", sagte Zypries.

SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte mehr Anstrengungen zum Datenschutz. "Wir brauchen eine schlagkräftige Datenschutzpolizei", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Der Umgang mit Daten in Privatfirmen muss viel stärker kontrolliert werden als bisher. Dazu benötigen die staatlichen Datenschutzbeauftragten mehr Personal und eine bessere finanzielle Ausstattung."

"Verantwortlichkeiten nicht mehr nachvollziehbar"

Der Bundesdatenschutz-Beauftragte Peter Schaar sagte im Deutschlandfunk, der Datendiebstahl habe eine neue kriminelle Dimension erreicht. Es seien offenbar viel sensiblere Informationen abhandengekommen als in den bisher bekanntgewordenen Fällen. Der Berliner Datenschutz-Beauftragte Alexander Dix kritisierte im RBB, dass immer mehr große Unternehmen für die Datenverwaltung Dienstleister beauftragten. Dadurch seien die Verantwortlichkeiten "nicht mehr nachvollziehbar".

Die FDP verlangte, den Datenschutz im Grundgesetz zu verankern. Außerdem sollten Unternehmen künftig offenlegen müssen, wenn sie die Verarbeitung sensibler Daten auf Dienstleister übertragen. Die Partei Die Linke verlangte ein Moratorium für alle elektronischen Großprojekte, die den Datenschutz gefährden. Dazu gehöre vor allem die geplante Gesundheitskarte, erklärte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Petra Pau.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen- Bundestagsfraktion, Volker Beck, forderte eine stärkere Kontrolle der Verarbeitung von Kundendaten in der Wirtschaft und im Bankensektor. Die technischen Schutzvorkehrungen gegen Datenklau müssten auf den Prüfstand.

DPA/AFP/AP / AP / DPA

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