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Lebensmittel-Skandal: Verseuchtes Fleisch in fünf deutschen Betrieben

Mit dioxinähnlichem PCB verseuchtes Schweinefleisch aus Irland ist auch nach Deutschland geliefert worden. Fünf Betriebe in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben insgesamt 2000 Tonnen erhalten. Der Handel soll nun sämtliches irisches Schweinefleisch aus den Regalen nehmen. Akute Gesundheitsgefahr besteht angeblich aber nicht.

Rund 2000 Tonnen mit dem dioxinähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) verseuchtes Schweinefleisch sind nach Angaben des Agrarministeriums aus Irland nach Deutschland gelangt. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand" bestehe aber keine Gefahr für die Verbraucher, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. Bei den Produkten handele es sich um Schweinehälften oder Teilstücke, aber nicht um verarbeitete Produkte wie etwa Würste. Die betroffenen Betriebe liegen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Die Landesbehörden seien informiert, sagte die Sprecherin.

Außer nach Deutschland war das verseuchte Schweinefleisch nach Angaben der irischen Veterinärbehörde in mindestens 24 weitere, höchstens aber 30 Länder geliefert worden, so Behördenchef Paddy Rogan mit. Dublin hatte am Samstag den Rückruf aller seit September in Irland hergestellten Produkte aus Schweinefleisch angeordnet. Verseuchtes Fleisch wurde außer in Deutschland auch in Frankreich und Belgien festgestellt.

Quelle des Gifts bekannt

Der irische Premierminister Brian Cowen versuchte, die Menschen zu beruhigen. Die Regierung unternehme "alle notwendigen Schritte", die Ursache des Problems sei ausfindig gemacht worden.

Das PCB stammt nach Angaben der irischen Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (FSAI) offenbar aus einer verseuchten Futtermischung. Die Behörden untersuchten am Sonntag ein Futtermittelwerk im Südwesten Irlands. Das Futter soll an zehn Höfe in Irland und neun weitere in Nordirland geliefert worden sein.

Mehr als 10.000 Tonnen Schweinefleisch sind seit Jahresbeginn aus Irland nach Deutschland gelangt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hat die Bundesrepublik zwischen Januar und Ende September 10.632,7 Tonnen Schweinefleisch von der Insel importiert. Das habe sich mit gut 16 Millionen Euro in der Handelsbilanz niedergeschlagen. Das Verbraucherschutz-Ministerium in Berlin forderte den Handel auf, sämtliches Schweinefleisch aus irischer Produktion vom Markt zu nehmen. Insgesamt beträgt der Marktanteil irischen Schweinefleischs nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMB) derzeit nur 0,3 Prozent.

Nur geringe Gesundheitsgefahr

Die giftigen Stoffe waren am Wochenende bei routinemäßigen Labortests nachgewiesen worden. Dabei waren die Grenzwerte deutlich überschritten worden. Laut FSAI ist das Gesundheitsrisiko für Verbraucher bei den festgestellten PCB-Werten allerdings immer noch "äußerst gering".

Bestätigt werden diese Angaben durch Erkenntnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) - zumindest bei nur gelegentlichem Verzehr. Die aktuell gemessenen Werte in irischem Schweinefleisch sind nach Angaben des Instituts zwar so erhöht, dass der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Höchstwert für die lebenslange tägliche Aufnahme kurzfristig deutlich überschritten werden kann, wie Institutssprecherin Ariane Girndt am Montag erklärte. Gesundheitliche Beeinträchtigungen seien aber bei länger andauerndem Verzehr von viel verseuchtem Fleisch nicht auszuschließen. "Diese Lebensmittel sind daher nicht für den Verzehr geeignet und müssen aus der Nahrungskette entfernt werden", sagte Girndt.

AFP/AP/DPA / AP / DPA

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