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LEIPZIG: Ameisen, defekte Fernseher und ganz viel Geduld

Zwei Leipziger Studenten auf dem beschwerlichen Weg zum Filmerfolg

Zwei Leipziger Studenten auf dem beschwerlichen Weg zum Filmerfolg

Steinige Landschaft, kein Baum weit und breit: Trostlos sieht es auf dem Planeten aus. Mitten in diesem tristen Szenario schwarze und weiße Wesen, die mit Fäusten und Steinen wild aufeinander einschlagen. Grund des Konfliktes: Das Auffinden einer leuchtenden Kugel, ein für die Wesen ungewöhnlicher Gegenstand, sorgte für den Zusammenbruch ihrer friedlichen Welt. Von Weitem hat es den Anschein, als ob man kämpfende »schwarze und weiße Ameisen« oder das Bild eines rauschenden Fernsehers ohne Empfang sieht. Gewalt ist das Hauptthema in dem Animationsfilm mit dem Titel »Schöpfungsrausch« an dem Carlo Giesa (22), Geschichts- und Philosophiestudent, und Friedrich Wohlfarth (23), Student der Geschichte und Musikwissenschaft, aus Leipzig gerade arbeiten.

Studenten-Sympathiefaktor unerwünscht

Die Idee von einem eigenen Filmprojekt wurde wieder aufgegriffen, Friedrichs Wohnung zur Arbeitsstätte erkoren, Computer und Kaffeemaschine angeschlossen, und die Arbeit konnte beginnen. »Zunächst war einfach nur die Idee da - völlig unabhängig von dem ganzen Geldkram haben wir uns hingesetzt und angefangen«, erklärt Carlo. Doch ohne eine Finanzspritze läßt sich auch das kleinste Filmprojekt nicht realisieren. »Die Verwirklichung eines Filmes ist leider nicht nur mit Kreativität verbunden, sie muss erst einmal bezahlt werden«, sind sich beide einig. »Außerdem wollen wir keinen Film machen der allein von der Sympathie für den «armen» filmemachenden Studenten lebt«, erklären beide. Es gehe vielmehr um die positiven Reaktionen des Publikums auf eine gute Story und ihre hochwertige Umsetzung.

Filmfinanzierung mit Hindernissen

Dass man eine Filmförderung nicht so ohne weiteres bekommt, stellten die beiden schnell fest: Studentisches Einrichtungen und Firmen, die für ihre Unterstützung bekannt sind, wurden abgeklappert. Studentenwerk und Studentenrat der Universität zeigten sich hier auch gewillt, das Projekt zu fördern, dann aber tat sich unverhofft eine neue Chance auf: Die Berliner Produktionsfirma »Raymaxfilm GmbH« wollte den Animationsstreifen der beiden Studenten produzieren.

Mut zur Lücke

Derzeit läuft ein Antrag bei einer Brüssler Filmförderanstalt. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte in gut einem Jahr der Film zu sehen sein. Doch mit der Dimension des Projektes steigt auch der Arbeitsaufwand: Mitarbeiter Oliver Markowski unterstützt nun die engagierten Filmemacher beim Programmieren.

Mit dem Film »Schöpfungsrausch« wollen Carlo und Friedrich eine nach ihren Angaben bestehende Lücke füllen: »Allzu viele Animationsfilme gibt es derzeit nicht in der Gegend. Film an sich kommt hier wenig von unten an die überregionale Oberfläche«, schätzt Friedrich die Situation in Leipzig ein, »dies wäre also eine wichtige Ergänzung zur Stadtkultur.«

Zum Film sind Carlo und Friedrich eher zufällig gekommen. Spaß am Gestalten und am Geschichten erzählen ist das, was sie am Film interessiert. Doch bis ihre Geschichte auf Band gebracht ist, und die kleinen schwarzen und weißen Wesen in den Krieg ziehen, werden noch einige Mühen vor ihnen liegen.

Svenja Weers

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