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Schule: Run auf Ganztagsschulen

Die Ganztagsschule ist beliebt. Hunderte Schulen wollen ihr Betreuungsangebot ausbauen. Die Umsetzung verläuft jedoch in den Bundesländern ganz unterschiedlich.

Der Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland schreitet voran. Hunderte Schulen möchten einen Ganztagsbetrieb - die Behörden kommen mit den Genehmigungen nicht nach. Allein in Rheinland-Pfalz wurden 163 neue Ganztagsschulen eingerichtet, in Mecklenburg-Vorpommern 32 und in Berlin 17, wie eine dpa-Umfrage ergab. Zugleich wollen so viele Eltern ihre Kinder ganztägig zur Schule schicken, dass die Nachfrage oft das Angebot übersteigt. Grund dafür ist die finanzielle Unterstützung des Bundes, der bis 2007 insgesamt vier Milliarden Euro bereitstellt.

Von den ersten 300 Millionen Euro in 2003 haben die Länder rund 260 Millionen Euro für mehr als 800 Schulen abgerufen, teilte das Bundesbildungsministerium mit. Sie können damit entsprechend einer Bund-Länder-Vereinbarung vom Mai 2003 Schulen zu Ganztagsschulen umbauen. Zehn Prozent der Kosten müssen die Länder beisteuern. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will einen überregionalen Erfahrungsaustausch der Schulen unterstützen.

"Run" auf Ganztagsschulen

Die Einrichtung von Ganztagschulen verläuft in den 16 Bundesländern sehr unterschiedlich. So hat Nordrhein-Westfalen begonnen, seine Grundschulen auf Ganztagsbetrieb umzustellen. Später sollen Horte und Schulkinderhäuser darin aufgehen. In Bonn gibt es laut Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) einen "Run" auf diese neue Schulform und Wartelisten. Auch Berlin hat die Grundschulen im Blick, Niedersachsen die Hauptschulen und Hamburg die Gymnasien. Sachsen-Anhalt setzt auf Schulen mit besonderem Profil. Rheinland- Pfalz, das als Vorreiter bereits im Jahr 2002 startete, will bis 2006 mit 300 neuen Ganztagsschulen ein flächendeckendes Angebot schaffen.

Für die Betreuung der Schüler am Nachmittag setzen die Länder neben Lehrern auch Sozialpädagogen ein oder arbeiten mit Organisationen zusammen. So hat Rheinland-Pfalz entsprechende Vereinbarungen mit Handwerkskammer, Kirchen oder Technischem Hilfswerk. Alle Ganztagsschulen bieten ein Mittagessen an. In Rheinland-Pfalz oder im Saarland kommt es aus Kantinen öffentlicher Einrichtungen wie Krankenhäusern. In Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin sorgen Catering-Unternehmen für die Mahlzeiten. Im Osten sind oft noch Speisesäle und Küchen aus DDR-Zeiten vorhanden.

Essen vom Caterer

In Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein müssen sich die Schüler zur Teilnahme am Nachmittagsangebot für ein Schuljahr verbindlich anmelden, in Mecklenburg-Vorpommern für ein halbes Jahr. Thüringen macht die Angebote auf freiwilliger Basis. Dagegen setzt Baden-Württemberg auf verpflichtenden Nachmittagsunterricht.

Die Ganztagsschulpläne einiger Länder geraten allerdings wegen ihrer Haushaltslage ins Trudeln. So will Niedersachsen die Landesmittel in diesem Jahr nicht aufstocken und die meisten Anträge abweisen. Von rund 100 interessierten Schulen sollen etwa 70 leer ausgehen. In Hamburg werden vom kommenden Schuljahr an weniger Schüler als geplant ganztägig unterrichtet.

Mit den Investitionen in Ganztagsschulen haben Bund und Länder eine gemeinsame Bildungsreform eingeleitet. Bis vor kurzem tauchten Ganztagsschulen noch nicht einmal in offiziellen Statistiken auf. Erst in diesem Januar legte die Kultusministerkonferenz erstmals vergleichbare Zahlen aus den Ländern vor. Danach gingen im Schuljahr 2002/2003 rund 861 200 Schüler ganztägig zur Schule. Das sind insgesamt 9,6 Prozent der von den 8,94 Millionen Grund- und Unterstufenschülern.

DPA / DPA

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