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BILDUNGS-FORUM: Rau fordert mehr Geld für Bildung

Mahnende Worte von Bundespräsident Rau zum Abschluss des Bildungsforums in Berlin: Deutschland braucht mehr Ganztagsschulen und eine verstärkte Förderung bereits in der Grundschule.

Bundespräsident Johannes Rau und Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn haben die Basis des Bildungssystem in den Blickpunkt gerückt. Beide haben sich dafür ausgesprochen, in Deutschland mehr Ganztagsschulen einzuführen. Rau und Bulmahn sagten am Donnerstag zum Abschluss des Bildungsforums in Berlin, dadurch ließen sich Kindererziehung und Beruf leichter miteinander vereinbaren. Zudem könnten Kinder so mehr gefördert werden als im derzeitigen Schulsystem. Beide Politiker forderten außerdem mehr Geld für Grundschulen. Rau sagte, die Bildung müsse ganz oben auf die politische Tagesordnung.

»Mehr Ganztagsschulen«

Das Ergebnis des weltweiten PISA-Schülertests hatte in den vergangenen Wochen eine Debatte über eine Reform des deutschen Bildungssystems ausgelöst. Bei dem Test hatten die 15-jährigen Schüler aus Deutschland deutlich schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt.»Bildung ist so wichtig, dass sie alle politisch Verantwortlichen angeht«, sagte Rau. »Wir brauchen erheblich mehr Ganztagsschulen. Das ist gut für die Eltern, aber das ist auch und vor allem gut für die Kinder, denn auch deren Chancen zur Teilhabe an den Bildungsangeboten steigen.« Das derzeitige Schulsystem könne die Schüler nicht in ausreichendem Maße persönlich fördern.

Regelmäßige Qualitätskontrollen

Bulmahn verwies darauf, dass Ganztagsschulen in anderen Ländern, wie etwa in Frankreich, selbstverständlich seien. »Mit Ganztagsschulen können wir besser Bildungsbarrieren abbauen und soziale Ausgrenzung verhindern, Sprachkompetenz erhöhen und individuelle Begabungen besser fördern«, sagte sie. Nach einem Bericht der »Financial Times Deutschland« forderte sie regelmäßige Qualitätskontrollen an den Schulen in Deutschland. »Es sollte in Zukunft zur Selbstverständlichkeit von Schulen gehören, dass ihre Leistungen regelmäßig kontrolliert werden.« Schulen sollten mehr Eigenverantwortung erhalten, mehr Rechte und größere Gestaltungsspielräume.

Rau warnte davor, sich bei Reformen im Bildungswesen auf die weiterführenden Schulen zu konzentrieren. In Deutschland werde zu wenig Geld für die Grundschulen ausgegeben. In anderen Staaten seien die Aufwendungen in diesem Bereich um bis zu 90 Prozent höher. »Das ist ein massives Problem.« Rau bemängelte auch die zu große Klassenstärke in Kindergärten und Grundschulen. Hier werde Deutschland nur von Korea und Mexiko übertroffen. Bulmahn forderte die Länder auf, die Finanzierung der Grundschulen zu überdenken.

Rau fordert eine Stärkung des Fundaments

»Die Grundlagen für eine erfolgreiche Ausbildung werden bereits auf den ersten Metern des Bildungswegs gelegt«, betonte Bulmahn. So schlägt das Forum vor, dass Kindertageseinrichtungen kostenlos sein sollen. Dies werde schwer umzusetzen sein, räumte Rau ein. Dennoch forderte er nachdrücklich, das Fundament zu stärken, damit keine »Bildungsruinen« entstünden. Erfolge an der Spitze des Systems dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundschule seit langem vernachlässigt und dafür viel zu wenig Geld ausgegeben werde. Dies sei ein »massives Problem« und eine entscheidende Ursache für die in der PISA-Studie festgestellten Defizite älterer Schüler.

Wissensvermittlung soll möglichst früh beginnen

Wie Rau misst auch das von Bulmahn einberufene Forum von Fachleuten aus Bund, Ländern und Verbänden den Grundschulen besondere Bedeutung bei. Das Lernen muss nach Auffassung der Experten schon im Kindergarten beginnen, darf auch für ältere Arbeitnehmer nicht aufhören und sich nicht auf bloße Wissensvermittlung beschränken. Die PISA-Ergebnisse seien alarmierend, betonte Bulmahn, die zusammen mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair die in zwei Jahren erarbeiteten Empfehlungen des Forums vorstellte. An erster Stelle steht die Förderung von Kindern bereits im Kindergarten und in der Grundschule: Schon dort sollen sie Fremdsprachen lernen und an Naturwissenschaften herangeführt werden. Mehr Augenmerk soll in den ersten Klassen auch dem Lesen, Schreiben, Rechnen und der deutschen Sprache gelten. Darüber hinaus dringen auch die Experten auf mehr Ganztagsschulen.

Kindergärten und Grundschulen seien Tore auch zu Gesellschaft und Beruf, mahnte Rau. Wer wegen unzulänglicher Bedingungen dort nicht teilhaben könne, werde auch später nicht mithalten können. Das gelte besonders für Kinder aus Zuwandererfamilien: »Der Schlüssel zur Integration ist die deutsche Sprache.« Die Empfehlungen des Forums fanden breite Zustimmung. Politiker aus Bund und Ländern lobten die Zusammenarbeit ohne »ideologische Grabenkämpfe«. Bulmahn versprach die Länder bei der Umsetzung zu unterstützen. Die Wirtschaftsverbände schlossen sich den Empfehlungen weitgehend an.

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