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Harald Wohlfahrts Klage: Einigung im Restaurant-Streit: Drei-Sterne-Koch kehrt nicht an den Herd zurück

Per Eilantrag wollte sich der dienstälteste Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt zurück an den Herd der "Schwarzwaldstube" klagen. Spitzenkoch und Restaurantbesitzer haben sich aber vorher geeinigt. Die Ära des Drei-Sternekochs nimmt ein jähes Ende mit Nachgeschmack.

Harald Wohlfahrt, Deutschlands größter Starkoch, darf nicht mehr in seine Küche – jetzt klagt er.

Der dienstälteste Drei-Sterne-Koch, Harald Wohlfahrt, kehrt nicht mehr an den Herd der "Schwarzwaldstube" zurück. Das teilte das Arbeitsgericht Pforzheim am Dienstag mit. Spitzenkoch Wohlfahrt und Restaurantbesitzer hätten sich einvernehmlich geeinigt. Weitere Details werden dennoch nicht genannt; es sei Stillschweigen vereinbart worden. Wohlfahrt tauchte angesichts der Einigung nicht vor Gericht auf. Er hatte seinen Eilantrag zurückgezogen. Auch Hotelinhaber Heiner Finkbeiner war nicht erschienen.

Im Mai hieß es offiziell, dass Harald Wohlfahrt seinen Posten an Sous-Chef Torsten Michel abgibt. Überraschend war das nicht, die Nachfolge war von langer Hand geplant. Zehn Jahre hat der Spitzenkoch sie vorbereitet. Das ist einmalig in einem Restaurant wie diesem. Noch nie zuvor in der Gastronomie wurde eine Nachfolge so lange und akribisch geplant. Der 61-jährige Harald Wohlfahrt hat 40 Jahre in der "Schwarzwaldstube" im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn gekocht. Jahr für Jahr - über ein Vierteljahrhundert hinweg - hat Wohlfahrt drei Sterne erkocht. Das ist Rekord in Deutschland. Schon seit vergangenem Jahr aber stand Wohlfahrt in einer Art Doppelspitze mit seinem langjährigen Sous-Chef Torsten Michel gemeinsam am Herd, der übernimmt seit Juli die Leitung und muss jetzt drei Sterne verteidigen, die das legendäre Restaurant seit 25 Jahren hat. Eigentlich sollte es ein sanfter Übergang sein.

Vermutlich zwang den Spitzenkoch ein Zerwürfnis mit dem Hotelleiter der "Traube Tonbach" an diesem Dienstag vors Arbeitsgericht in Pforzheim. Wohlfahrt klagte auf Weiterbeschäftigung als Küchenchef des Drei-Sterne-Restaurants. Das Hotel Traube Tonbach, zu dem das Feinschmecker-Restaurant in Baiersbronn nahe Freudenstadt gehört, will ihn aber künftig als "kulinarischen Direktor" mit repräsentativen Aufgaben beschäftigen. Dagegen wehrte sich Wohlfahrt per Eilantrag. Auch das Betreten der "Schwarzwaldstube" war Wohlfahrt vor kurzem vom Hotel-Besitzer untersagt worden. 

Dass der Abschied alles andere als leicht werden würde, wusste der Sternekoch bereits. Der "Capital" sagte er: "In der Schwarzwaldstube steckt mein ganzes Leben. So einfach ist es nicht, sich zu trennen." Die Entscheidung hätte ihn "Monate Schweiß gekostet".

Wie es zu dem Bruch kam, ist der Branche schleierhaft. "Die jüngste Entwicklung hat alle überrascht", heißt es aus Kreisen der Spitzengastronomie. "Alles war doch eigentlich wirklich von langer Hand vorbereitet", sagt auch eine Sprecherin des Restaurantführers "Guide Michelin". Die Anwälte der beiden Kontrahenten äußerten sich vor der Verhandlung nicht.