HOME

Feinschmeckerkost für Astronauten: Drei Sterne im Weltall

Eigentlich tischt Harald Wohlfahrt im Schwarzwald auf. Ein Menü des Drei-Sterne-Kochs hat es nun allerdings bis ins Weltall geschafft. Jetzt gibt es Schwäbische Kartoffelsuppe für die Astronauten auf der Internationalen Weltraumstation ISS.

Harald Wohlfahrt hat Könige und Staatsoberhäupter verwöhnt, Feinschmecker und Restaurantkritiker begeistert. Doch dieser Auftrag war sogar für den Drei-Sterne-Koch aus dem Schwarzwald eine Herausforderung: Eine seiner Kreationen wird neuerdings in der Internationalen Weltraumstation ISS aufgetischt. Statt Edel-Menü kredenzt Wohlfahrt drei Gänge Hausmannskost: Schwäbische Kartoffelsuppe als Vorspeise, geschmorte Kalbsbäckchen mit Pfifferlingen als Hauptspeise und zum Nachtisch ein Zwetschgenkompott in Sternanis-Gewürzsud. "Gewünscht wurde nichts Feines, sondern etwas Deftiges, Rustikales", erzählt der Starkoch. Die Astronauten bevorzugen Bodenständiges.

Entstanden ist die Idee vom Wohlfahrtschen Weltallmenü bei einem Besuch des einstigen Raumfahrers Ernst Messerschmid bei Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn. Doch es sollte anderthalb Jahre dauern, ehe das edle "Fresspaket" Ende vergangenen Jahres tatsächlich abheben konnte. "Wir mussten viele Hindernisse aus dem Weg räumen", erzählt Wohlfahrt. Der Spitzenkoch ließ sich von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) schulen, wälzte nach Dienstschluss Fachliteratur und lernte zum Beispiel, dass der Geschmackssinn im All nicht ganz so gut funktioniert, weshalb die Speisen stark gewürzt sein sollten. Dass Salz den im Weltraum ohnehin problematischen Knochenabbau beschleunigt und dass Astronauten mangels Sonnenlichts Vitamin D zu sich nehmen sollten.

Teurer Lieferservice

Wer aber glaubt, Raumfahrer müssten ihren Hunger normalerweise mit faden Kohlehydratpasten und Energiedrinks stillen, der hat sich getäuscht. "Man versucht, den Astronauten wirklich eine normale irdische Ernährung zu bieten", sagt Martina Heer, wissenschaftliche Ernährungsberaterin bei der Esa. Allerdings müssten die Produkte so konserviert sein, dass sie mindestens ein Jahr haltbar seien. Dafür werden die meist aus den USA oder Russland stammenden Weltall-Speisen entweder gefriergetrocknet oder - wie im Falle der Wohlfahrtschen Menüs - in sterilen Konserven eingeschweißt. Die müssen extraleicht sein: "Ein Kilo zur ISS zu transportieren, kostet rund 22.000 Dollar", erzählt Wohlfahrt. "Space Food" heißt es nun auf der Banderole, die den Inhalt des Wohlfahrtschen Menüs angibt. Die Astronauten müssen die Konserve nur noch zwischen zwei Wärmekontaktplatten erhitzen und können dann - mit den Füßen eingehakt - halb schwebend schlemmen.

Wissenschaftlerin Heer begrüßt das besondere Menü für die Schwerelosigkeit. Zwar sei der Kalorienbedarf nicht viel höher als auf der Erde - viele Astronauten hätten jedoch ein vermindertes Hungergefühl und nähmen daher zu wenig Energie und Nährstoffe zu sich. "Deswegen ist es wichtig und gut, wenn ein Koch in der Lage ist, ein attraktives Menü herzustellen, das Appetit macht", sagt die Expertin. Zudem tue ein gemeinsam verzehrtes, besonderes Mahl der Seele gut. Auch wenn Harald Wohlfahrt sich diesmal auf drei Gänge beschränken musste und seinen Gästen nicht beim Schlemmen zusehen kann - ihm hat die Mission Spaß gemacht. "Als erster deutscher Küchenchef für die Astronauten ein Menü zu entwickeln, das macht man nicht oft im Leben", sagt er.

Julia Gaschik, AFP / AFP