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Fragwürdige Aktion "Meat 4 you": Schweinefleisch ohne Antibiotika: Täuscht Rewe die Verbraucher?

Rewe Dortmund bietet als Aktion antibiotikafreies Fleisch an. Für nur zwei Euro mehr als das herkömmliche Fleisch. Ein Lockangebot? Der "WDR" hat sich das genauer angesehen und Ungereimtheiten festgestellt.

Schweinefleisch ohne Antibiotika – wie Rewe den Verbraucher täuscht

Rewe Dortmund bewirbt mit der Aktion "Meat 4 you" antibiotikafreies Schwweinefleisch. Was steckt dahinter?

Wenn von Fleisch die Rede ist, spricht man oft über die Qualität, die Tierhaltung und auch über den Einsatz von Medikamenten. Vor allem in Massentierhaltung. Ist ein Tier krank, werden meist alle Tiere behandelt – gewissermaßen vorbeugend. Schließlich möchte man nicht, dass sich die Tiere anstecken und im schlimmsten Fall verenden.

Dass Antibiotikum im Fleisch zurückbleiben kann, ist nichts Neues. Das Problem: Bakterienstämme werden gezüchtet, die nicht mehr auf Antibiotika reagieren. Das kann vor allem für uns Menschen gefährlich werden. Erkranken Menschen an diesen Keimen, kann es dazu kommen, dass die medizinische Möglichkeit, die Erkrankung mit Antibiotika zu bekämpfen, nicht mehr gewährleistet wird. Im schlimmsten Fall sterben Menschen an resistenten Keimen.

Die Supermarktkette Rewe bietet in Dortmund mit der Aktion "Meat 4 you" antibiotikafreies Fleisch an. So das Versprechen. Aber was steckt da eigentlich dahinter? Die Verbrauchersendung "Markt" im WDR hat sich das Fleisch genauer angesehen.


Rewes Aktion täuscht den Verbraucher

Rewe bewirbt die Aktion prominent mit einem Familienbetrieb in dritter Generation aus Langenberg. Den Betrieb macht die Redaktion des WDR auch ausfindig. Die Ställe sind herkömmlich konventionell mit 3000 Mastschweinen. Geht das überhaupt so ganz ohne Antibiotika?

Der Bauer bestätigt: Die Ferkel werden auf dem Hof geboren und gezüchtet, das kann den Antibiotikaeinsatz reduzieren, weil keine Krankheiten von außen eingeschleppt werden. Häufig kaufen Schweinemäster Ferkel aber von verschiedenen Züchtern ein. Rewe zahlt den Erzeugern zwei Cent mehr pro Kilo, wenn die Tiere nicht mit Antibiotika behandelt werden. Lohnt sich das? Rewe Dortmund äußert sich dazu folgendermaßen: Sie "setzen einen Anreiz für landwirtschaftliche Betriebe, den Antibiotikaeinsatz weiter zu reduzieren."

 

6 Fragen an einen Schweinebauern: Was ein Landwirt davon hält, wenn sein Fleisch für wenige Euro verramscht wird

Eine Agrarexpertin sieht die Aktion kritisch. Sie sieht dahinter eine Verbrauchertäuschung: Die Antibiotikaregel gelte nämlich nur für Schweine ab 30 Kilo. Doch die sind sowieso robuster als Ferkel, die weiterhin mit Antibiotika behandelt werden. Im Klartext: Jungtiere und Ferkel bekommen diese Medikamente, nur eben ausgewachsene Tiere nicht. Ein Unterschied, den kaum ein Verbraucher kennt.

Doch die Täuschung der Verbraucher reicht offenbar noch weiter. Die Branche selbst sagt, dass Antibiotika mittlerweile kaum noch eingesetzt werden. Dass sei seit vielen Jahren Standard, sagt ein Landwirt dem "WDR". Der Verbraucher zahlt also für das Aktionfleisch 20 Prozent mehr, obwohl das herkömmliche Fleisch wohl den gleichen Standards entspricht. Die Agrarexpertin findet, dass es viel wichtiger sei, die Tierhaltung zu verbessern - statt mit einem Verzicht von Antibiotika zu werben, die bei ausgewachsenen Schweinen kaum noch genutzt werden. Da muss Rewe noch einmal ansetzen.

Die komplette Sendung können Sie hier sehen!

Beim Entfernen der Plastikfolie ist das Schein noch blass und unscheinbar, aber dann ...