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So schmeckt Hamburg: Wie die neue Festival-Generation isst

Fettige Nahrung, wie Pizza und Pommes sind von gestern. Heute liebt der Festival-Besucher vegetarische Burger, Kürbis, Maultaschen oder Handbrot. Ein Erlebnisbericht.

Dockville-Besucher Niclas isst einen vegetarischen Burger. Seine Freundin zieht die Falafel aus frischgebackenem Kichererbsenmus vor. Andra findet im Handbrot mit Speckwürfeln ihren Favoriten, Marie bevorzugt das Brot mit Champignons und Kai liebt die slawischen Maultaschen. Pommes gibt es in Form von "curly fries" mit einer selbstgemachten Mayonnaise, Currywurst mit Mango-Chutney und Kürbis. Die Esskultur auf Festivals wie dem MS Dockville erlebt einen Wandel.

Hier in Wilhelmsburg am Reiherstieg findet seit 2007 das Festival statt. Das Besondere: Es treten nicht nur rund

140 verschiedene Bands und DJs

auf, auch die Kunstszene wird mit eingebunden. Ob geschnitzte Holzfiguren, eine Burg als Eingang zu einer der zahlreichen Bühnen, ein Schwan aus Holzresten, in dem man sitzen kann oder Container, die übereinander gestapelt zu einer Bar werden – der künstlerische und bunte Einfluss ist auf dem Dockville nicht wegzudenken.

Reine Nahrungsaufnahme oder doch Genuss?

Bei drei Tagen Freiluftparty mit rund 25.000 Besuchern muss auch für das leibliche Wohl gesorgt sein. Oft geht es bei Festivals nur um zwei Dinge: viel trinken und tanzen. Doch heutzutage ändert sich das Bild des ausgelassenen Festival-Besuchers, der sonst bekannt dafür ist nur Nahrung zu sich zu nehmen, um die Batterie wieder aufzuladen oder den Alkohol im Körper zu bekämpfen. Es geht auch um Genuss - zumindest bei Veranstaltungen, die Wert auf Vielfalt legen. Natürlich sind Pommesbuden und Pizzastände immer noch der Renner, doch Festival-Ausrichter achten heute mehr denn je auf alternative Foodstände und gesunde Ernährung.

Ob Halloumiburger, vegane Currywurst, Calamaris, selbst gemachte Limo, frischen Kaffee, 20 verschiedene Teesorten, Thai-Küche, Chinesisch oder Fisch – das MS Dockville fährt kulinarisch volle Kraft voraus. "Es muss auch für die Vegetarier und die Veganer gesorgt werden", so Festivalistin Natascha, die sich seit Jahren fleischlos ernährt. Viele der Besucher freuen sich auf die vielfältige Essensauswahl auf dem Dockville. Verantwortlich dafür: Hallo Frau Nachbar, der lokale Nachbarschaftsmarkt. Sie sorgen für das bunte Potpourri an Food-Ständen und Trucks.

Mehr als nur ein Schnaps

Und weil natürlich auch ein gutes Sortiment an alkoholischen Getränken nicht fehlen darf, gibt es mehr als nur Bier. Cocktails wie Moscow Mule und Mojito findet man an einer Bar, die aus alten Containern besteht. "Russisch Koks" (Kaffee-Zucker-Pulver, Wodka-Shot, Limette) bekommen Festivalisten am Kaffeestand, versteckt in einer Holzhütte. Der Lakritzschnaps wird am Lakki-Wohnwagen im Wald ausgeschenkt. Die kleinen geheimen Stände muss man erst einmal finden, aber dann werden sie zum Highlight.

Drei Tage Abfeiern unten an der Süderelbe. Dazu gute Musik und nicht nur reichhaltige, sondern auch besondere Nahrung. Ein Konzept, das viele Besucher schätzen. "Ich möchte mir nicht nur die Pommes reinschaufeln, sondern auch geschmacklich etwas erleben", so Niclas, der seine letzten Burger-Bisse genießt. Musik, Glitzer, Seifenblasen, Tanzen, Kunst und Essen: All das gehört heutzutage zusammen. Das Bedürfnis nach leckeren, frischen Speisen ist mehr denn je auch in der Festivalkultur angekommen.

Von Linda Gondorf