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"Hart aber fair": "Ich wusste nicht, wie es wirklich in den Ställen unserer Rinder aussieht"

Fleisch und Milch sind bei uns billige Massenware. Ist es noch ethisch vertretbar, Fleisch zu essen? Bei "Hart aber fair" diskutieren die Gäste über das Für und Wider stärkerer Reglementierungen.

Fleisch

TV-Koch Tim Mälzer plädiert für mehr Transparenz. Damit der Verbraucher die Wahl hat, welches Fleisch er kaufen möchte.

Eine Sendung zum Thema Fleisch und wie viel uns gutes Fleisch noch wert ist, war eigentlich längst überfällig. Im Anschluss an Tim Mälzers "Lebensmittel-Check" zum Thema "Wie gut ist unser Rindfleisch?" hatte Frank Plasberg in seiner Sendung "Hart aber fair - Das elende Leben der Steaks - was ist uns gutes Fleisch noch wert?" die richtige Überleitung. Und auch die richtigen Gäste in seiner Diskussionsrunde: TV-Koch Tim Mälzer als Vertreter des Verbrauchers, der sich in dem zuvor ausgestrahlten Check noch eher naiv gab: "Ich wusste nicht, wie es wirklich in den Ställen unserer Rinder aussieht." Für diesen Kommentar wird er von der weiblichen Vertretung der Fleischwarenindustrie, Fleischermeisterin Sarah Dhem, abgewatscht. Denn sie gibt ihm deutlich zu verstehen, dass er sich als Gastronom schon viel früher einen Stall hätte ansehen können. Sie versichert dennoch, dass unsere Landwirtschaft sicher sei.

Das Problem ist: Unser Fleisch ist zu billig. In den 70er Jahren musste man noch 1,5 Stunden arbeiten, um sich ein Kotelett leisten zu können. Heute sind es nur 20 Minuten. Eigentlich ist es dem Verbraucher auch bewusst, dass günstiges Fleisch nicht aus ökologischer Haltung stammen kann. Dennoch ist Fleisch für den Verbraucher nach wie vor eine Ware, die er gern konsumiert. Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, ist der Meinung, dass der Mensch mehr informiert werden muss. Dennoch findet er, dass unsere Tiere gut gehalten werden. Er möchte keine Gesetze auf den Weg bringen, die unseren kompletten Teller reglementieren. Auch Stefan Genth, Vertreter des deutschen Handels für Rewe und Real, bekräftigt, dass der Verbraucher aufgeklärt ist und selbst entscheiden muss.

180.000 ungeborene Kälber verenden im Bauch der Mutterkuh

Mittlerweile kaufen zwar fast die Hälfte der Verbraucher nach Qualität, trotzdem haben die meisten immer noch das Bild des Bauernhofidylls im Kopf, wenn es um Fleischproduktion geht. Die Realität sieht aber anders aus. In einem Einspieler werden grausame Bilder von geschlachteten Kühen in einem ganz normalen Schlachthaus gezeigt. Der Schlachter sieht, dass eine tote Kuh eine vergrößerte Gebärmutter hat. Als er sie aufschneidet, gleitet ein ungeborenes Kalb heraus. Alltag. Bis zu 180.000 Kälber sollen so pro Jahr verenden.

Was man dagegen tun kann? Der Bundesminister hat bereits eine Lösung: Eine Gesetzgebung, die das Schlachten von trächtigen Kühen verbietet. Die ist bereits auf dem Weg. Wie praktisch. Schlimm nur, dass es überhaupt soweit kommen musste, findet Tanja Busse, Journalistin und Autorin des Buchs "Die Wegwerfkuh". Sie ist der Meinung, dass unsere Tiere verheizt, unsere Bauern ruiniert und Ressourcen verschwendet werden.

Fördert Billig-Fleisch Massentierhaltung?

Frank Plasberg wirft ein, dass ohne den Verbraucher weder der Handel, noch die Politik etwas ändern können. Wie soll der Verbraucher, aber entscheiden können, welches Fleisch er kauft, wenn dazu nichts auf der Verpackung steht? Wären Warnhinweise, wie auf Zigarettenschachteln eine Lösung? Tanja Busse fände diese Regelung sehr gut. Stefan Genth, widerspricht dem, da auch Fleisch aus Massenware für ihn sicheres Fleisch von guter Qualität sei. Auch der Bundesminister bekräftigt, dass Billig-Fleisch nicht mit preiswert gleichzusetzen sei. Sarah Dhem ist dagegen, den Verbraucher mit Warnhinweisen zu schocken - aber für mehr Aufklärung. Auch Tim Mälzer möchte als Verbraucher schon im Supermarkt informiert werden, woher sein Fleisch kommt, beziehungsweise wie das Tier aufgewachsen ist.

Wäre eine Kennzeichnung sinnvoll?

Die Grünen haben bereits einen Vorschlag eingereicht: Sie wollen Fleisch wie Eier kennzeichnen lassen: 0 für Bio, 1 für artgerechte Haltung, 2 mit Platz und Stroh, 3 für konventionelle Haltung. Bundesminister Schmidt ist der Idee nicht abgeneigt. Mälzer möchte, dass Fleisch transparent gekennzeichnet wird, damit er als Konsument eine informierte Entscheidung treffen kann.

Ob Politik, Handel oder Verbraucher - nur gemeinsam erreichen sie das, was eigentlich am wichtigsten ist, wenn man Fleisch konsumieren möchte: dass es dem Tier gut geht. Zumindest bis es geschlachtet wird.