HOME
TV-Kritik

Tim Mälzers "Kitchen Impossible": Ali Güngörmüs fordert Mälzer heraus: "Wenn ihr mich provoziert, werde ich zum Pitbull"

"Kitchen Impossible" ist mit der vierten Staffel zurück - und besinnt sich auf die Wurzeln: aufs Kochen. In der ersten Folge trifft Tim Mälzer auf den Spitzenkoch Ali Güngörmüs, der in der Folge sein wahres Gesicht zeigt.

Tim Mälzer Kitchen Impossible

Tim Mälzer gegen Ali Güngörmüs (rechts): Wer meistert die "Kitchen Impossible"?

Besser, weiter, schneller? Nö, das hat "Kitchen Impossible" gar nicht nötig. Zum Glück. Und so konzentriert sich die vierte Staffel einfach auf das Wesentliche: aufs Kochen, auf die Kulinarik, auf die simplen, aber grandiosen Food-Geschichten, die es noch zu entdecken gibt.

Es ist der Auftakt zur vierten Staffel von "Kitchen Impossible". Ali Güngörmüs fordert Tim Mälzer zum Duell heraus, der ist bereits zu Beginn siegessicher: "Ich weiß nicht, ob man es wirklich  Wettkampf nennen kann. Es ist eher ein bisschen als würde ich wieder zur Schule gehen und einen Grundschüler verprügeln", so Mälzer. Doch einschüchtern lässt sich Güngörmüs nicht: "Labern kannst du wirklich sehr gut, aber kochen?", kontert er. Der kulinarische und verbale  Schlagabtausch ist eröffnet und führt Tim Mälzer nach Athen (Griechenland) und München (Deutschland), während es für Ali Güngörmüs nach Eggersdorf bei Graz (Österreich) und Stockholm  (Schweden) geht. 

Das wohl eindrucksvollste Gericht, das Mälzer nachkochen muss, ist Baklava. Eigentlich eine klassische türkische Süßspeise, die aber im ganzen Nahen Osten und auf der Balkanhalbinsel bekannt ist. Es handelt sich dabei um ein kompliziertes Dessert. Zumindest in der Herstellung. Nur über Jahre lernt man den Filoteig in Perfektion herzustellen, um daraus Baklava zuzubereiten. Die Speise besteht aus sich abwechselnden Schichten mit Filoteig, Zuckersirup und gehackten Pistazien.

Baklava=Demut

Wer schon mal beim Türken essen war, kennt die klebrige Süßspeise. Die Herstellung aber ist den meisten unbekannt. Und genau an diesem Punkt setzt "Kitchen Impossible" an. Es sind diese großartigen Bilder von griechischen Bäckern, die seit Jahrzehnten nichts anderes gemacht haben, als Teig aus Wasser, Salz und Mehl zuzubereiten, ihn zu kneten, auszurollen und dann über einen großen Tisch papierdünn auszuwerfen. Das ist kulinarischer Kunst der Höchstform. Kein Wunder also, dass Ali Güngörmüs, der erste Sternekoch mit türkischen Wurzeln in Deutschland, Tim Mälzer genau diese Aufgabe stellt. Dass der TV-Koch die lösen kann, ist quasi unmöglich. Es geht Güngörmüs um die Demut hinsichtlich der Kochkunst des Baklavas.

Trotzdem: Begeistert ist Mälzer von der Aufgabe nicht. Er fühlt sich herausgefordert: "Wenn ihr mich provoziert, werde ich zum Pitbull", sagt Mälzer sichtlich verärgert. Also macht er das, was er am besten kann. Mit dem Druck umgehen und die Aufgabe annehmen. In akribischer Manier schreibt er sich die einzelnen Bestandteile des Baklavas auf. Die Krux an der Süßspeise ist ganz klar der Teig. Ohne Hilfe würde Mälzer es nicht schaffen. Zum Glück unterstützen ihn zwei griechische Bäcker. Am Ende ist Mälzers Ergebnis gar nicht mal so schlecht. 

"Ich bin Türke"

Die emotionalste Szene der ersten Folge ist der Part als Ali Güngörmüs Mälzer zu seinem Lehrmeister Karl Ederer in Bayern schickt. Güngörmüs ist Kind türkischer Einwanderer. Erst mit elf Jahren zog der heutige Sternekoch nach Deutschland. Gegen den Willen seiner Eltern machte er eine Kochausbildung. Ohne Ederer hätte Güngörmüs es nicht geschafft. Unter Tränen erzählt er, dass er ihm seine Karriere zu verdanken hat. Als Jungkoch wollte er bei Ederer arbeiten, der damals das Sternerestaurant Glockenbach in München führte. Güngörmüs sagte ihm am Telefon, dass er Türke sei. Ederer antwortete, dass ihm das völlig egal sei, Hauptsache er könne kochen. Der bayerische Sternekoch wurde von da an sein Förderer. Güngörmüs ist bisher der einzige in der Türkei geborene Küchenchef, dessen Restaurant einen Stern erhielt.

Es geht bei "Kitchen Impossible" natürlich vor allem ums Kochen, aber auch um die Menschen, die hinterm Herd stehen. Und genau das macht das Format so echt. 

Wer meint, dass sich die Sendung nach vier Staffeln mit je sechs Folgen abnutzt, der irrt. Denn es ist die Liebe zum Detail, die die Sendung so wertvoll macht. Beispielsweise bei der Musikauswahl, beim Schnitt, bei den immer wieder ausdrucksstarken Bildern. Und es sind die Nuancen, die "Kitchen Impossible" so besonders machen, wenn man beispielsweise innehalten muss, um der Kulinarik ihren Raum zu geben - und sie einfach wirken zu lassen.