HOME

WWF veröffentlicht Fleisch-Einkaufsführer: Welche Wurst wir essen, ist nicht wurscht

Jeder kennt den Fisch-Einkaufsführer von WWF. Jetzt brachte die Umweltorganisation einen für Fleisch und Wurst heraus und erklärt darin, was man kaufen und was man lieber meiden sollte.

Von Sonja Helms

Kaum ein Grillfest ohne Wurst. Aber es gibt Unterschiede: Der neue Einkaufsführer für Fleisch und Wurst vom WWF zeigt, welches Fleisch empfehlenswert ist.

Kaum ein Grillfest ohne Wurst. Aber es gibt Unterschiede: Der neue Einkaufsführer für Fleisch und Wurst vom WWF zeigt, welches Fleisch empfehlenswert ist.

Ein Festmahl oder Grillfest ohne Fleisch? Für die meisten Bundesbürger ist das noch immer nicht vorstellbar. Tatsächlich kann Fleisch ein hochwertiges Lebensmittel sein, denn es liefert wertvolle Nährstoffe. Doch handelt es sich hierbei längst nicht mehr um einen seltenen Genuss oder ein rares Gut, sondern um ein allzu alltägliches: Die meisten Menschen essen heute viel zu viel Fleisch und Wurst, beklagen nicht nur Ernährungsexperten. Auch die Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) macht sich mittlerweile stark für einen bewussteren Umgang mit diesem Lebensmittel. Ihr Rat: weniger und dafür besseres Fleisch essen.

Was heißt das genau? Um diese Frage für den Verbraucher schnell und übersichtlich zu beantworten, hat der WWF einen Einkaufsführer für Fleisch und Wurst veröffentlicht.

Einfaches Ampelsystem

Weniger Fleisch heißt laut WWF: nicht mehr als 300 Gramm pro Kopf und Woche. Damit orientiert er sich an der unteren Grenze der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die bei 300 bis 600 Gramm liegt. Und auch das geht an der Realität vorbei: Die meisten Menschen essen doppelt so viel Fleisch und Wurst, was enorme Auswirkungen auf die Umwelt habe, schreibt der WWF. Diesen Zusammenhang möchte die Organisation den Verbrauchern ins Bewusstsein rufen.

Für ihren Einkaufsführer hat sich der WWF die Vorgaben der einzelnen Siegel und Label angeschaut und diese unter ökologischen Gesichtspunkten bewertet. Dazu zählen etwa Flächen- und Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen, Pestizideinsatz und Ähnliches. Mithilfe eines einfachen Ampelsystems, bekannt aus den bewährten Fischratgebern der vergangenen Jahre, haben WWF-Experten das Fleisch in drei Kategorien einteilt: Grün steht für "Gute Wahl", Gelb für "Zweite Wahl" und Rot für "Lieber nicht".

"Wie wollten dem Verbraucher etwas Konkretes und Einfaches an die Hand geben, mit dem er direkt an der Theke erkennen kann, welches Fleisch gut und welches weniger gut ist", sagt WWF-Sprecher Roland Gramling. Die Einteilung ist vielleicht wenig überraschend, schafft aber einen Überblick. "Was man sich vor Augen führen muss, ist, dass 90 Prozent der Fleisch- und Wurstwaren in Deutschland dem roten Bereich zuzuordnen sind und somit nicht den Mindestanforderungen entsprechen", sagt Gramling.

Grün oder die "gute Wahl"

Unter Grün fällt vor allem Bio-Fleisch, weil "die Umweltauswirkungen der ökologischen Landwirtschaft insgesamt deutlich positiver zu beurteilen sind als bei der konventionellen Landwirtschaft", heißt es in der Broschüre. Die Tiere hätten mehr Licht und Luft und Platz zur Verfügung und würden weniger schmerzhafte Eingriffe über sich ergehen lassen müssen.

Auch Wildfleisch aus der EU sei eine gute Wahl: Die nachhaltige, regulierte Jagd sei eine "vernünftige Nutzung natürlicher Ressourcen".

Gelb oder die "zweite Wahl"

Fleisch mit dem Naturland-Siegel gilt nach dieser Einstufung als "zweite Wahl" und ist mit Gelb gekennzeichnet. Naturland-Höfe hätten bei der Tierhaltung höhere Standards als konventionelle Anbieter. Und es werde auf gentechnikfreies Soja und heimische Futtermittel zurückgegriffen.

Regionales Weidefleisch wird ebenfalls als positiv eingestuft und fällt unter Gelb. Hierbei käme kaum Kraftfutter zum Einsatz, und die Tierhaltung sei oft besser. Für eine Einstufung als "gute Wahl" hat es nicht gereicht, weil es kein einheitliches Siegel gibt. Verbraucher sollten sich im Zweifel die Höfe vor Ort anschauen.

Rot oder "Lieber nicht"

Unter Rot fällt sämtliches konventionell erzeugtes Fleisch. Die Produktion dieses Fleischs habe enorme ökologische Auswirkungen: Sie belaste die Gewässer, bedrohe die Artenvielfalt und auch die Regenwälder, um einige Aspekte aufzuführen. Davon abgesehen sei die Tierhaltung bei konventionellen Erzeugern in der Regel miserabel. Auch das QS-Siegel erfülle keine ökologischen Nachhaltigkeitskriterien.

Selbst Flugware aus Übersee, etwa Lammfleisch aus Neuseeland oder Rindfleisch aus Argentinien fällt unter diese Kategorie - wegen der hohen CO2-Emissionen.

Appell an bewussteren Konsum

Die Verbraucher haben also die Wahl, sie müssen sie nur treffen - bewusst und immer wieder aufs Neue. Viele geben heute zwar schon an, dass ihnen die Tierhaltung wichtig ist. Doch der Anspruch lässt sich im Alltag oft nicht aufrechterhalten. "Bis sich die Macht des Verbrauchers am Markt aber entfaltet, dauert das ein paar Jahre", sagt Gramling, das habe auch die Erfahrung mit dem Fischratgeber gezeigt. Doch er ist zuversichtlich: "Das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei zum Beispiel hat heute eine deutlich höhere Marktdurchdringung als noch vor rund zehn Jahren. Und auch wenn Bio im Fleischsegment derzeit nur 3,7 Prozent ausmacht, sind die Wachstumsraten enorm." Vielleicht müssen nicht noch weitere zehn Jahre ins Land gehen, bis sich endlich etwas bewegt.