HOME

Hype um Beyond Meat: Vegane Burger sind gefragt wie nie - woher kommt der Boom?

Der Fleischverkauf in den USA ist in der Corona-Krise drastisch eingebrochen. Vegane Ersatzprodukte hingegen verkaufen sich besser denn je. Ist Fleisch in der Pandemie zum Auslaufmodell geworden? 

Packungen von Beyond Meat und Impossible Foods

Die Hersteller pflanzlicher Fleisch-Alternativen verbuchen in der Corona-Krise Redkordeinnahmen.

Picture Alliance

Der Handel mit pflanzlichem Fleischersatz boomt. Der US-Hersteller Beyond Meat konnte seinen Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres um 141 Prozent steigern. Das entspricht einem Gewinn von 1,8 Millionen Dollar. Und das, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal 2019 noch rote Zahlen und ein Minus von 6,6 Millionen Dollar verdauen musste. 

Beyond Meat schwimmt nicht allein auf der Erfolgswelle. Auch Konkurrent Impossible Foods berichtet von Rekordverkäufen in den Supermärkten in den Monaten März und April. Die Nachfrage nach den Rind- und Schweinefleischersatzprodukten sei auf einem Allzeithoch, so David Lee, Finanzvorstand von Impossible Foods, gegenüber "MarketWatch".

Die Absatzzahlen deuten allerdings nicht etwa auf einen Paradigmenwechsel bei der Ernährung hin. Sie zeigen viel mehr, wie des einen Corona-Leid des anderen Gewinn sein kann. 

Woher kommt die gestiegene Nachfrage?

Schlachtbetriebe sind stark von der Corona-Pandemie betroffen und gelten als Infektionsherde. Tausende Arbeiter sollen sich allein in den USA bereits mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert haben. Die Folge: Betriebe müssen schließen, die Fleischproduktion stockt. 

Will Sawyer, Ökonom bei der CoBank, spricht gegenüber "Bloomberg" von 40 Prozent weniger produziertem Rind- und Schweinefleisch in den USA. Bis zum Memorial Day am 25. Mai, so seine Prognose, müssen US-Bürger daher mit 30 Prozent weniger Fleisch in den Supermärkten rechnen. Und auch die Fastfood-Ketten Wendy's und 5 Guys bestätigten bereits einen Burger-Fleisch-Mangel in den Filialen. 

Weil in den Kühlregalen der Supermärkte Fleisch-Ebbe herrscht, füllen die Händler die Lücken vermehrt mit pflanzlichen Alternativen auf. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz haben diese keine Lieferschwierigkeiten, sagte Lee gegenüber "MarketWatch". "Die Fleischindustrie muss ein Tier züchten, es transportieren, schlachten, verarbeiten und in das Fleisch verwandeln, das man serviert. Wir umgehen das Tier, wir gehen direkt zu den Betrieben." 

Expansion der pflanzlichen Alternativen

Obwohl nicht abzusehen ist, ob der Höhenflug des Fleischersatzes nachhaltig ist und auch dann noch Bestand haben wird, wenn die Fleischproduzenten wieder mit voller Leistung produzieren können, lassen die Fleischersatz-Hersteller keine Zeit verstreichen. Sowohl Impossible Foods als auch Beyond Meat nutzen die Gunst der Stunde zur Expansion. So konnte Impossible Foods allein in den vergangenen drei Monaten 777 neue Einzelhändler für den Vertrieb gewinnen. Insgesamt sind die Produkte damit laut "MarketWatch" in mehr als 1000 Läden erhältlich. Das Aushängeschild des Unternehmens, der Impossible Burger, wird nun außerdem in 1700 Filialen der Supermarktkette Kroger verkauft. 

Beyond Meat hat die Fühler unter anderem weit nach Osten ausgestreckt. "Der Moment ist günstig. Es bietet sich die Gelegenheit für hohes Wachstum. Deshalb schauen wir in Richtung Asien", sagte Ethan Brown, Chef von Beyond Meat, dem CNBC. "Zum Jahresende werden wir in Asien produzieren - trotz der derzeit um sich greifenden Corona-Epidemie." Aber nicht nur das: Das Unternehmen kooperiert seit Mitte April mit Starbucks, wo in beinahe 4200 Filialen in China die fleischlosen Produkte angeboten werden.

Quellen: MarketWatch, Bloomberg, CNBC