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Internationaler Vergleich Supermarkt-Check von Oxfam: Geht es um Menschenrechte, versagt Edeka

Edeka ist Schlusslicht im Oxfam-Supermarkt-Check
Edeka schneidet im internationalen Supermarkt-Check von Oxfam am schlechtesten ab.
© Frank Hoermann/SVEN SIMON / Picture Alliance
Im neuen Supermarkt-Check von Oxfam zeigt sich: wenn die Unternehmen wollen, dann können sie Menschenrechte achten. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, wenn auch nicht genug. Vor allem ein Unternehmen fällt negativ auf.

Mit seinen hippen Werbespots sorgt die Supermarktkette Edeka immer wieder für Viralhits. Doch scheint dabei etwas anderes eher stiefmütterlich behandelt zu werden: Menschenrechte. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest Oxfam, eine der größten Nothilfe- und Entwicklungsorganisationen weltweit. Die NGO nimmt sich mit seinem Supermarkt-Check seit 2018 die größten Ketten in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den USA zur Brust und prüft sie hinsichtlich deren Menschenrechtspolitik. 

Mithilfe von knapp 100 Bewertungskriterien wurden nun wiederholt 16 Supermärkte auf Transparenz und Strategie, Achtung von Arbeitnehmer:innenrechten bei Lieferanten, Umgang und Handelsbeziehungen mit Kleinbäuer:innen sowie Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte gecheckt. Grundlage für diese Kriterien sind internationale Standards wie UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie die OECD-Leitfäden.

Der Loser im Vergleich: Edeka

Die Ergebnisse aus den vergangenen Jahren waren alles andere als berauschend, die Märkte lieferten der NGO genügend Stoff für Kritik. Kritik, die so langsam Gehör zu finden scheint - zumindest bei einigen Ketten. Denn von den deutschen Supermärkten im Check haben vier nachgebessert, nur einer scheint laut Oxfam weiterzumachen wie zuvor: Edeka. Während Rewe, Lidl und Aldi Nord und Süd zentrale Maßnahmen ergriffen hätten, um in Sachen Menschenrechten voranzukommen, erntet Edeka wieder einmal einen Rüffel. 

Es ist vor allem der Discounter Lidl, der in diesem Jahr gut abschneidet. Die Kette habe einen Sprung nach vorne gemacht. Nachdem sich Lidl noch 2018 mit mageren 9 Prozent der Gesamtpunktzahl zufrieden geben musste, kletterte der Discounter nun auf 32 Prozent. Das ist Platz vier im internationalen Vergleich und die Poleposition unter den deutschen Märkten. Aber auch bei Aldi Süd und Rewe wurden die Ärmel hochgekrempelt. Bei der Premiere des Checks kamen beide Unternehmen auf mickrige ein Prozent, nun erreichen sie jeweils 25 und teilen sich den sechsten Rang. Aldi Nord steigert sich von einem auf 18 Prozent. Edeka hingegen trägt die rote Laterne im Klassement. Von den 16 Supermärkten im Check tut Edeka laut Oxfam am wenigsten für Menschenrechte, verbessert sich nur minimal von einem auf drei Prozent. Eine Null ist das Unternehmen, so die Ergebnisse des Checks, bei Frauenrechten sowie Transparenz und Strategie.

Es geht voran

Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich schon einiges getan. Das liegt unter anderem an der Selbstverpflichtung zur Durchsetzung existenzsichernder Löhne und Einkommen in globalen Lieferketten, welche etliche deutsche Einzelhandelsunternehmen im vergangenen Jahr unterschrieben. So setzten auch Lidl, Aldi Nord und Süd sowie Rewe ihre Unterschriften unter die Verpflichtung.  Aber Oxfam wollte nicht nur Versprechungen hören, sondern auch Ergebnisse sehen. Lidl ist bereits mit einem entsprechenden Projekt gestartet, Rewe hat Transparenz zugesichert und will jährlich über den Fortschritt auf diesem Feld berichten. 

Alle analysierten deutschen Unternehmen bis auf Edeka veröffentlichen nun Risikoanalysen zu Menschenrechtsverletzungen beim Anbau ihrer Produkte - weltweit. Lidl macht zudem viele seiner direkten Zulieferer publik. Oxfam bezeichnet das als einen Meilenstein, "behaupteten doch viele Unternehmen bisher, dass es nahezu unmöglich sei, Transparenz über globale Lieferketten herzustellen". Zudem führen die Unternehmen inzwischen Projekte mit Kleinbäuer:innen durch. Diese sollten den Akteuren helfen, ihr Wissen auszubauen und auch ihr Einkommen zu steigern. Außerdem stärken die Supermarktketten durch Risikoanalysen und Projekte die Rechte von Frauen

Das schwarze Schaf im Vergleich: Edeka. "Allein Edeka verweigert sich einer ernsthaften Menschenrechtspolitik", heißt es in dem Bericht der NGO. Das Unternehmen setze vorrangig auf seine Partnerschaft mit dem World Wildlife Fund, bei dem aber in erster Linie - ebenfalls wichtige - Umweltaspekte im Vorderrund stünden. "Die menschenrechtliche Verantwortung ist jedoch ebenso zentral", schreibt Oxfam.

"Keine objektive Studie"

Edeka selbst weist die Vorwürfe entschieden zurück. Der Edeka-Verbund nehme die Einhaltung der Menschenrechte sehr ernst und arbeite seit langem intensiv an diesem Thema. "Die aktuelle Veröffentlichung von Oxfam ist Teil einer Kampagne und keine objektive Studie", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Die Auswahl der gewerteten Informationen, die gesetzten Bewertungsmaßstäbe und die Wertung seien willkürlich. Zudem bewerte der Supermarkt-Check vor allem die Außendarstellung eines Unternehmens, nicht aber das tatsächliche Engagement. 

"Wir haben Oxfam mehrfach ausführlich über unsere Aktivitäten informiert, dies wurde aber zu unserem Bedauern in keinerlei Weise berücksichtigt", so das Unternehmen. So sei bei Eigenmarken die Absicherung von Menschenrechten ein wesentlicher Aspekt, Edeka sei einer der größten Anbieter von Fairtrade-Produkten bundesweit, außerdem setze sich Edeka entlang der Lieferkette auch für die Stärkung von Frauenrechten ein - "vor allem durch die Nutzung von Zertifizierungssystemen mit einem Fokus auf Geschlechtergleichheit, durch Mitarbeit in Initiativen und durch Schwerpunktsetzung in unseren eigenen Projekten".

Die Briten machen es besser

Am besten machen es laut Oxfam wieder einmal die britischen Märkte Tesco und Sainsbury's. Mit 46 und 44 Prozent in der Gesamtwertung haben die Unternehmen einmal mehr die Nase vorn. Tesco sahnt mit einer Ausbeute von 67 Prozent in der Kategorie "Rechte von Arbeiternehmer:innen" gar die beste Wertung ab. Als Erklärung für das bessere Abschneiden nennt Oxfam vor allem zwei Faktoren. Zum einen arbeiteten die Unternehmen aus Großbritannien schon länger daran, ihre Geschäftspolitiken an Menschenrechten auszurichten. Damit haben die britischen Ketten Vorsprung.

Jägerin Alena Steinbach und Peta-Aktivistin Lisa Kainz

An den bereits laufenden Projekten, die sich beispielsweise für die Selbstorganisation von Arbeiter:innen in Lateinamerika oder für die Ausbildung weiblicher Führungskräfte in Südafrika einsetzt, können sich auch die deutschen Unternehmen ein Vorbild nehmen. Als weiteren Faktor nennt Oxfam den "UK Modern Slavery Act". Das Gesetz verpflichtet Unternehmen über Ereignisse und auch Maßnahmen zu moderner Sklaverei zu berichten. Allerdings: Auch die Spitzenreiter aus Großbritannien bleiben weiterhin unter der 50-Prozent-Marke, es besteht also noch viel Luft nach oben. 

"Veränderungen ja, Wendepunkt nein"

Damit es auch in Deutschland vorwärts geht, muss ein Umdenken stattfinden. Einer der größten Kritikpunkte bleibt die Preispolitik. "Die aggressive Werbung mit Billigpreisen führt zu einer Abwärtsspirale", schreibt Oxfam. Bezahlen müssten diesen Preiskampf Arbeiter:innen in den globalen Lieferketten: "Ohne eine faire Verteilung der Kosten für höhere Sozialstandards wird es keine existenzsichernden Löhne und Einkommen für sie geben." Eine Verbesserung soll künftig das Lieferketten-Gesetz bringen, welches Mitte Juni verabschiedet wurde.

Fortschritte sind möglich, das zeige der Check. Aber, auch das ist nach wie vor klar, es gibt keinen Grund sich auf den Verbesserungen auszuruhen. Denn auch die besten Ketten im Vergleich arbeiten noch lange nicht so optimal, wie Oxfam sich das wünscht. Alle Supermarktketten seien noch weit von einer hundertprozentigen Ausrichtung entfernt. Daher fällt das Zwischenfazit auch zurückhaltend aus. "Veränderungen ja, Wendepunkt nein." 

Anm.d.Red.: Der ursprüngliche Text wurde um die Stellungnahme des Edeka-Verbunds ergänzt.

tpo

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