HOME

Spätzle aus der Tüte: Liebe Löwen, bei diesem Produkt liegt ihr total falsch

Jedem Schwaben muss es hier eigentlich den Magen umdrehen: Frischer Spätzleteig aus der Tüte. Nein, kein selbstgemachter, sondern ein Fertigprodukt aus dem Kühlregal. Kann dieses mit hausgemachtem Spätzleteig mithalten? Ein Geschmackstest.

Spätzle

Spätzle aus der Tüte: kulinarische Blasphemie oder geniale Idee?

Eigentlich grenzt es ja schon fast an kulinarische Blasphemie. Würde man es so ernst nehmen. Als gebürtige Schwäbin ist es mir das. Sehr ernst. Wie kann man es wagen, Spätzleteig aus der Tüte zu verkaufen? Ein Fertigprodukt - aus dem Kühlregal? "Frizle", wie sich das junge Start-up nennt, tut aber genau das: Sie verkaufen frischen Spätzleteig in einer Papiertüte. 

"Frizle" steht für "frische Spätzle". Na gut, der Name gefällt. Und auch die Idee, Spätzle so frisch wie hausgemacht auf den Markt zu bringen. Aber es ist natürlich ein Leichtes mit Worten wie hausgemacht oder frisch wie von Oma zu werben. Oft steckt nichts dahinter. Das dachte ich auch von "Frizle". Recht behalten sollte ich nicht.

Ich liebe es, Spätzle zu kochen. Den Teig anzurühren, kräftigen Bergkäse zu reiben, einen knackig-grünen Salat zuzubereiten und den Spätzleteig schließlich durch den Spätzlehobel zu drücken. Klar, das Spülen danach ist niemandes Freund: Der zähe oder eingetrocknete Teig in Schüsseln und Hobel lässt sich nur mit Mühe entfernen - und ist ein echter Stimmungskiller. So ging es auch den "Frizle"-Gründern Martin Sluk und Thomas Spieler. Fertige Spätzle waren für sie aber keine Alternative. Sie konnten geschmacklich einfach nicht mit den selbstgemachten mithalten. So entstand die Idee für "Frizle": eine Verpackung, die gleichzeitig Spätzlepresse ist - gefüllt mit Spätzleteig. Eigentlich eine geniale Idee, skeptisch war ich trotzdem.

"Frizle"-Spätzle gibt es in drei verschiedenen Sorten: klassisch, mit Chili oder Bärlauch

"Frizle"-Spätzle gibt es in drei verschiedenen Sorten: klassisch, mit Chili oder Bärlauch

Wer einen Blick auf die Zutatenliste wirft, kann auf Anhieb nichts Verdächtiges erkennen. Mehl, Ei, Wasser, Salz und Ascorbinsäure. Das Weizenmehl und das Frischei kommen aus biologischer Landwirtschaft. Die Spätzle gibt es übrigens in drei verschiedenen Sorten: klassisch, mit Chili oder Bärlauch. Innovativ - was werden die Traditionalisten sagen?

Spätzle aus der Tüte: der erste Test

Wer Menschen aus Schwaben kennt, der weiß, dass diese nicht nur kritisch, sondern auch überaus skeptisch, ja gar pessimistisch sein können. So ging es auch mir - als ich die Spätzletüte öffnete. Unten ist eine Art Sieb eingebaut, durch Aufrollen der Verpackung, wird der Spätzleteig herausgedrückt und landet direkt im siedenden Wasser. Das Rollen und Drücken jedoch ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Man muss schon gehörig Kraft aufwenden, um den Teig ins Wasser zu befördern. Hier könnte noch optimiert werden. (Wir Schwaben haben immer etwas zu meckern.) Auf den ersten Blick jedoch sehen die Spätzle gar nicht mal so übel aus. Und auch der erste Geschmackstest ist gut, nein mehr noch, sehr gut. Wie bei Oma. Das kann doch gar nicht sein! Aber auch nach der zweiten Gabel Spätzle mit geschmolzenem Bergkäse lässt es sich nicht leugnen: Die Spätzle aus der Tüte schmecken. Wirklich. 

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen: Mehrere Kollegen mussten probieren. Ich war nicht mehr objektiv genug. Aber auch von ihnen kam nichts Negatives. Außer die Sache mit dem Aufrollen. Dennoch, alle Spätzle-Sorten kamen durchweg gut an. Egal, ob die klassischen Spätzle oder die mit Chili oder Bärlauch probiert wurden. Eine Verschwörung gegen die schwäbische Hausmannskost? Wenn ja, dann eine sehr gute.

Themen in diesem Artikel