HOME

Trend-Gebäck Macarons: Luftig-leichte Leckerbissen von "Jö Makrönchen"

In der Schweiz heißen sie Luxemburgerli, in Frankreich Macarons. Das Start-up-Unternehmen "Jö Makrönchen" möchte das beliebte Gebäck nun in Deutschland weiter etablieren. Ein Ortsbesuch.

Von Linda Gondorf

"Ein bisschen süß muss sein", steht auf Sybille Seiberts Shirt. Zusammen mit ihrem Freund Oliver Kohtz (r.) und dessen Vater Frank Kohtz betreibt sie das "Jö Makrönchen", einen Shop für Macarons.

"Ein bisschen süß muss sein", steht auf Sybille Seiberts Shirt. Zusammen mit ihrem Freund Oliver Kohtz (r.) und dessen Vater Frank Kohtz betreibt sie das "Jö Makrönchen", einen Shop für Macarons.

Im Ofen backen gerade weiße Mandelbaisers. Es riecht nach zerlaufendem Zucker, Mandelmehl und Puderzucker. Frank Kohtz, 64, Oliver Kohtz, 33, und Sybille Seibert, 32, stehen in der Küche ihrer kleinen Backwerkstatt in Hamburg-Ottensen und rühren Teig an, waschen Schüsseln aus und spritzen Buttercreme auf Baiser-Hälften. Seit zwei Jahren führen die Drei ihr kleines Geschäft "Jö Makrönchen". Dort backen und verkaufen sie ihre Macarons und verschicken sie bundesweit.

Im Laden "Jö Makrönchen" kann man zwischen sieben unterschiedlichen Macarons-Sorten wählen. Ein Rezept wechselt jeden Monat.

Im Laden "Jö Makrönchen" kann man zwischen sieben unterschiedlichen Macarons-Sorten wählen. Ein Rezept wechselt jeden Monat.

Die Schweiz ist Schuld

In Zürich begann die Geschichte von "Jö Makrönchen", erzählt Oliver Kohtz, Sohn von Frank Kohtz und Freund von Sybille Seibert. "Wir hatten schon immer den Wunsch, uns selbstständig zu machen. Und wir lieben Essen. Als wir dann meine Familie in Zürich besuchten, machten wir mit Sybille die obligatorische Touristentour. Dabei kamen wir auch bei Sprüngli vorbei, der bekannten Konditorei. Da wollte Sybille nicht mehr weg", lacht der junge Kohtz.

Die 32-Jährige verliebte sich sofort in die Luxemburgerli, ein Baisergebäck, das in Deutschland als Macaron bekannt geworden ist. "Für uns sind Luxemburgerli etwas Normales. Bei Sprüngli gibt es sie seit mehr als 50 Jahren", sagt Kohtz senior, der früher einmal selbst dort gearbeitet hat. "Warum sollten also die Hamburger den Mandelbaiser mit Buttercreme nicht lieben?" Die Idee war geboren. Es folgten zwei Jahre Rezeptentwicklung, Konzeptionierung, Namensfindung und jede Menge Arbeit, bis "Jö Makrönchen" in die Produktion gehen konnte.

Der Laden in Hamburg ist geschmackvoll eingerichtet und erinnert an eine kleine französische Pâtisserie. Die Macarons werden auch verschickt und können online geordert werden.

Der Laden in Hamburg ist geschmackvoll eingerichtet und erinnert an eine kleine französische Pâtisserie. Die Macarons werden auch verschickt und können online geordert werden.

Ein Familienunternehmen

Oliver Kohtz ist Texter in einer Werbeagentur. Seine Freundin Sybille hat Grafikdesign studiert. Und sein Vater? Der müsste eigentlich nicht mehr arbeiten. Der pensionierte Konditor kann es aber nicht lassen. "Als mein Sohn und Sybille anfingen, Macarons zu backen, konnte ich natürlich gut helfen", erzählt der Schweizer stern Genuss. Heute pendeln seine Frau und er zwischen Hamburg und Zürich hin und her.

Seibert investiert all ihre Energie in das Geschäft. Ihre Designausbildung hilft ihr bei der Logogestaltung, dem Verpackungsdesign und dem Internetauftritt. Oft an ihrer Seite: ihre Mutter. Sie hilft beim Verkauf, während Seibert mit viel Liebe ihre kleinen Süßigkeiten backt. Die 32-Jährige wollte immer kreativ arbeiten und wird nun jeden Tag neu gefordert. "Ich liebe es, auch neue Sorten zu entwickeln." Mit Frank an ihrer Seite kreieren die beiden jungen Leute ihre Makrönchen-Rezepte weiter. Er brachte ihnen am Anfang die kleinen Tricks bei, damit die Arbeit schneller von der Hand ging. Heute spritze Seibert ihre Makrönchen schneller und präziser als er, gibt Kohtz senior zu.

Sybille Seibert (l.) und Oliver Kohtz lernten sich bei der Arbeit in einer Werbeagentur kennen. Heute führen sie erfolgreich ihr kleines, eigenes Unternehmen.

Sybille Seibert (l.) und Oliver Kohtz lernten sich bei der Arbeit in einer Werbeagentur kennen. Heute führen sie erfolgreich ihr kleines, eigenes Unternehmen.

Aller Anfang ist einfach

Doch wie kamen sie auf den Namen? Seibert fiel auf, dass die Mutter ihres Freundes immer das Wort "Jö" sagt. Das ist schweizerdeutsch und heißt so viel wie herzig, klein, süß. "Sie sagt ganz oft, dass Oli Jö ist. Und das ist irgendwie hängen geblieben", erklärt Seibert. Und da Macarons auch herzig, klein und süß sind, passte der Name wie die Creme ins Mandelbaiser. "Heute kommen schon Kunden zu uns und bestellen zehn Jös. Sie nennen die Macarons einfach so", freut sich Seibert.

Sie ist auch der Kopf der Kreation. "Meist stimmen wir ab, welche Sorten wir in welchem Monat machen. Wir arbeiten viel mit Saisonfrüchten", sagt sie, während sie das Rührgerät anwirft. "Im Mai gab es Rhabarber, im Juni Erdbeer-Waldmeister, im Juli #link;hhttp://www.stern.de/genuss/essen/kochbuch-test-wilde-beeren-eine-liebeserklaerung-an-das-landleben-2123075.html;Rote Johannisbeere# und im August Sauerkirsch" - all das ohne künstliche Farbstoffe.

Sie probierten Macarons mit verschiedensten Früchte aus. Darunter gab es so manchen Fehlgriff, denn manche Früchte verlieren zum Beispiel in der Füllung ihr natürliches Aroma. "Einmal hatten wir Mandarine ausprobiert. Ihr Geschmack war in der Buttercreme aber nicht intensiv genug", sagt Kothz senior.

Irgendwann möchten Frank, Oliver und Sybille ein Café aufmachen. Im Moment können Kunden in der kleinen Manufaktur zwar Makrönchen kaufen, aber nicht wirklich Platz nehmen und verweilen.

Irgendwann möchten Frank, Oliver und Sybille ein Café aufmachen. Im Moment können Kunden in der kleinen Manufaktur zwar Makrönchen kaufen, aber nicht wirklich Platz nehmen und verweilen.

5000 Macarons auf einmal

Die Drei teilen sich ihre Arbeit perfekt auf - jeder bringt seine persönlichen Stärken mit ein, jeder arbeitet akribisch. Die Handgriffe sitzen, während Kohtz senior seinem Sohn und Seibert immer noch mal über die Schulter schaut. Der gelernte Konditor wacht mit freundlichen Augen über die beiden Start-up-Unternehmer. Das ist vielleicht eine Erklärung für ihren Erfolg.

Schon ihre erste Bestellung umfasste 700 Macarons. Dann stand Weihnachten vor der Tür und alle Freunde unterstützen die Neugründer mit Geschenk-Bestellungen. Seitdem geht es stetig bergauf. "Schwarzkopf wollte für ein Kundengeschenk 5000 Macarons haben - in speziellen Farbtönen", sagt Seibert und ist mächtig stolz, dass das Geschäft gut anläuft.

Irgendwann wollen sie sich vergrößern und umziehen - ein wenig weiter nach Ottensen hinein und mit einem kleinen Café im Laden. "Ich würde gerne auch größere Macarons anbieten, mit Himbeeren darauf", sagt Seibert. "Das wäre wie ein kleiner Kuchen. Den mit einem Kaffee - ein Gedicht!" Auch herzhafte Macarons stehen auf der Ideen-Liste. "Doch die Hamburger müssen sich erst einmal an die süßen Jö's gewöhnen. Erst danach schocken wir sie mit den herzhaften - vielleicht", lacht Oliver Kohtz und steckt sich einen "Jö" in den Mund. Kurz schließ er die Augen, lässt die Buttercreme auf der Zunge zergehen - und genießt die Eigenkreation.