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"Berliner Malz": Das Comeback des Malzbiers – Berliner wollen Vitamalz und Karamalz Konkurrenz machen

Seit Jahrzehnten gibt es auf dem Malzbier-Markt eigentlich nur zwei Marken: Vitamalz und Karamalz. Zwei Berliner möchten das nun ändern - und bringen mit "Berliner Malz" ein Produkt auf den Markt, das nicht nur geschmacklich besser sein, sondern auch die Millennials ansprechen soll.

Malzbier

Berliner Malz - kommt jetzt das Comeback des Malzbiers?

Vitamalz gibt es seit den 1930er Jahren, Karamalz seit Anfang der 60er. Bis heute sind sie Marktführer und auch die größten Wettbewerber. Manche sprechen auch von einer Art Duopol. Große Auswahl gibt es bei Malzbier nicht, der Rest wird von Handels- und Billigmarken und einigen kleinen Brauereien abgedeckt. Vergleicht man das Getränk mit Bier, ist die Markenauswahl fast lächerlich. Etwa 60 verschiedene Malzgetränke soll es geben, dafür gibt es etwa 6000 verschiedene Biere auf dem deutschen Markt. Malzbier ist ein Nischenprodukt - und hat einen schlechten Ruf. Es gilt als Dickmacher und kriegt das Image des Kindergetränks und Schwangeren-Biers schlecht los. Ein guter Zeitpunkt also, den Markt mal aufzumischen und das Duopol anzugreifen, dachten sich zwei Berliner.

Richy Ugwu und sein Geschäftspartner Arinze Odenigbo haben deshalb die Marke "Berliner Malz" ins Leben gerufen. Die Idee haben sie ihren Lebensgefährtinnen zu verdanken. Die tranken gern Malzbier, aber der gängigen Marken. "Die waren mir aber viel zu süß und oldschool. Das müsste man doch besser hinkriegen", dachte sich Ugwu. Also recherchierten sie auf dem Markt. Es gab kein Malzbier, das dem Zeitgeist entsprach. Also in frischem Design, am besten in Bio-Qualität, das nicht nur Frauen, sondern auch Männer anspricht.

Malzbier oder Malztrunk?

Bei Malzbier handelt es sich um ein Getränk aus Wasser, Hopfen und Gerstenmalz. Doch Malzbier ist nicht gleich Malztrunk. "Die beiden Getränke unterscheiden sich deutlich im Gehalt an Alkohol und Zucker", erklärt Silke Noll, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.

Beim Malztrunk ist ein Zusatz von Zucker erlaubt. Die Hefe kommt bei sehr niedriger Temperatur hinzu. So findet kaum eine Vergärung statt und es entsteht fast kein Alkohol. Weil der Gehalt unter 0,5 Volumenprozent liegt, darf ein Malztrunk auch als "alkoholfrei" auf den Markt gebracht werden. Bei Malzbier sind dagegen bis zu 1,5 Volumenprozent Alkohol erlaubt. Zucker darf dem Malzbier nicht zugesetzt werden. 

Dass das Getränk "Berliner Malz" und nicht "Berliner Malzbier" heißt, kommt also nicht von ungefähr. Nimmt man es genau, handelt es sich sowohl beim "Berliner Malz" als auch bei Vitamalz und Karamalz um einen Malztrunk. Umgangssprachlich ist aber weiterhin Malzbier im Sprachgebrauch. Für die englische Bezeichnung "Malt Beer" gilt diese Beschränkung übrigens nicht. 

Comeback des Malzbiers? 

Die Marge von "Berliner Malz" ist noch klein: 6000 Flaschen haben die Neu-Brauer bislang abgefüllt. In Zusammenarbeit mit einer Brauerei in Detmold, die biozertifiziert ist. Vitamalz wurde 2016 von Krombacher übernommen, Karamalz gehört zu der Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum. Beide Marken können im großen Stile produzieren. Vitamalz hat 2018 214.000 Hektoliter produziert, das entspricht 2,14 Millionen Bierkisten. Ein Markt für Malzbier ist also durchaus da. Auch der Umsatz ist jüngst angestiegen, weil die Krombacher-Manager wieder Geld für Werbung in die Hand nehmen. 2019 - nach fast 20 Jahren - hat Vitamalz erstmals wieder einen Werbespot geschaltet. Die Zielgrupppe: junge sportliche Erwachsene. Die Brauerei-Manager wollen der Marke zu einem Comeback verhelfen.

Das Problem: Alkoholfreie Biere boomen seit Jahren, dem Malzbier aber ist das noch nicht gelungen. Das Image ist angestaubt, es gelte als Dickmacher und enthalte zu viel Zucker, so die öffentliche Meinung. Blickt man auf die Nährwertangaben von Vitamalz stimmt das auch. Der Malztrunk enthält 7,9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Bei einer 0,33 Liter-Flasche kommt man so auf 26 Gramm Zucker. Die WHO empfiehlt maximal sechs Teelöffel Zucker pro Tag. Dies entspricht etwa 30 Gramm Zucker. Mit einer Flasche Vitamalz hat man also die Tagesdosis fast erreicht. Das "Berliner Malz" kommt nur auf 2,3 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Also ein Bruchteil von Vitamalz.

Und das schmeckt man: Das Malz steigt einem beim ersten Öffnen direkt in die Nase, es riecht nach Karamell. Im Abgang schmeckt es leicht herb mit einer subtilen Süße wie dunkles Brot, das süß wird, wenn man es lang genug kaut. Bislang gibt es das alkoholfreie Malzbier noch nicht im Handel, dafür aber in ausgewählten Restaurants und Cafés, Büros und Sportclubs, vor allem im Raum Berlin. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 1,95 Euro.

Wenn die Platzhirsche Vitamalz und Karamalz das angestaubte Image von Malzbier nicht abstreifen können, dann hat das "Berliner Malz" vielleicht ganz gute Chancen zum Hipster-Getränk der Großstädter zu werden. Das Potential ist auf jeden Fall da.