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Deutschlands schönste Weingebiete: Unkonventionellen und radikalen Wein von Jungwinzern? Den finden Sie in Rheinhessen

In Deutschlands größtem Weinbaugebiet werden den leidenschaftlichen Jungwinzern Opferbereitschaft und Demut abverlangt. Dadurch funkeln ihre Tropfen umso heller.

Von David Baum

Zwischen Worms, Mainz, Bingen und Alzey liegen Weinberge unterschiedlichster Beschaffenheit: Kalkböden, Löss, rötlicher Tonstein oder Lösssand

Zwischen Worms, Mainz, Bingen und Alzey liegen Weinberge unterschiedlichster Beschaffenheit: Kalkböden, Löss, rötlicher Tonstein oder Lösssand

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Über den Weingärten von Bermersheim kracht es, als zöge irgendwo am Horizont eine Armee aus dem 19. Jahrhundert mit schweren Kanonen herauf. Es sind die Salven einer Schreckschussanlage, die Vögel von den reifen Beeren verjagen soll. Christian Peth blickt skeptisch in den Himmel. Er weiß, dass so ein zwitscherndes Heer nicht zu unterschätzen ist. „Zumal wenn man als Letzter erntet, kann so ein Geschwader von Staren innerhalb von Minuten die Arbeit eines ganzen Jahres vernichten“, sagt er.

Peth gehört zu jenen jungen Winzern Rheinhessens, die in den vergangenen Jahren für viel Aufsehen gesorgt haben, weil sie Weinbau unkonventioneller und radikaler denken als andere. Man kann bei all der Inszenierung, den modernen Vinothekbauten und schicken Etiketten durchaus vergessen, dass auch diese mondänen Könige ihrer Branche weiterhin eines sind: Bauern. „Dass man eng mit der Natur arbeitet, ist das Großartige“, sagt Peth. „Aber man muss damit klarkommen, dass die Natur einem auch alles nehmen kann. Man steht manchmal nachts dreimal, viermal auf, schaut in den Himmel und hofft, dass kein Hagel kommt. Das gehört dazu.“ 

Peth ist eine Kämpfernatur. Und muss es auch sein. Die Winzer Rheinhessens kommen aus einem tiefen emotionalen und finanziellen Tal. Kein anderes deutsches Weinbaugebiet war in den 80er Jahren so stark vom Glykolskandal betroffen. Die Region stand für seelenlose Massenproduktion und berüchtigte Tropfen wie „Oppenheimer Krötenbrunnen“ und „Wormser Liebfrauenmilch“, deren Namen aus dem Fundus von Loriot stammen könnten. Den Kindern dieser Zeit blieb nicht viel anderes übrig, als einen harten Schnitt zur Vorgängergeneration zu wagen, um sich zu behaupten.

Das ist gelungen. Rheinhessen gilt heute als Region des visionären und ökologischen Weinbaus. „Es gibt immer noch Großkellereien, die sagen: Wir brauchen eine Million Liter Riesling. Und die das kaufen und zu einem Wein zusammenfügen“ , sagt Peth. „Aber als Weinbauer ist man dann eben nicht mehr als ein Traubenlieferant.“

Bei Christian Peth hat die Abkoppelung von den alten Gepflogenheiten zum Bruch mit den Eltern geführt. „Wir haben schon früher viel gestritten, wie man Wein macht“ , sagt er. „Daraufhin bin ich ins Ausland gegangen und mit der Sicherheit zurückgekommen, meinen ganz eigenen Stil zu verfolgen.“ Peth ging nach Übersee, arbeitete auf gigantischen Weinfarmen in Australien, den USA und in Chile. Seine Idee vom Weinmachen radikalisierte sich dort erst recht. „Es war abgedreht, ich wohnte in einem Haus, das sich ein Milliardär in Form eines Schiffes hingestellt hatte.“ Vor allem aber verliebte er sich in die Rotweine dieser sonnensatten Regionen, in deren Malbecs und Cabernet Sauvignons. Und beschloss, diese Rebsorten in den heimatlichen Weingärten anzubauen.

„Natürlich haben mich alle für verrückt erklärt“, sagt Peth. Es ist eine Leidenschaft, die Opfer verlangt. Um den sonnensüchtigen Rebsorten zu ihrem Recht zu verhelfen, schneidet Peth etwa 20 Tage vor der Ernte einen großen Teil der Beeren weg. Aus diesen 30 Prozent wird spritziger Rosé, der Rest darf noch aus dem Vollen schöpfen und reifen – „und sich zu einem vollmundigen und komplexen Wein entwickeln“. 

Christian und Maja Peth wollen einen Wein ganz nach ihren Vorstellungen machen

Christian und Maja Peth wollen einen Wein ganz nach ihren Vorstellungen machen

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Als wir Peth besuchen, hat die Weinlese gerade begonnen. Auf den Feldern stehen Erntehelfer, die für einige Wochen aus Rumänien und Polen gekommen sind.„Unser Onkel hat mich und meine Schwester angesprochen, ob wir das nicht machen wollen“, erzählt Magdalena, die aus der Nähe von Danzig kommt und Amerikanistik und Philologie studiert. „Wir waren erst erschrocken, weil es doch anstrengende körperliche Arbeit ist. Aber am Ende können wir uns mit dem Geld viel leisten, neue Handys kaufen, einmal richtig shoppen gehen.“ Früher habe man Vermittler gebraucht, die eine Provision eingestrichen hätten, erzählt der Erntehelfer Cornel, der mit seiner Mutter aus Sibiu in Rumänien gekommen ist. „Inzwischen funktioniert alles über das Internet. Es ist für viele Osteuropäer eine Möglichkeit, sich innerhalb kurzer Zeit finanziell zu verbessern.“

Auch im Keller baut Peth auf internationale Hilfe. Gerade ist eine junge Weinmacherin aus Slowenien hier, die sich auf anderen Weingütern Inspiration und Erfahrung holt. Und findet: Peth baut seine Weine unfiltriert aus und klärt sie auf natürliche Weise von Partikeln und Schwebstoffen. Ein langwieriger, handwerklich aufwendiger Prozess, der aber unverstellte Qualität ergibt.

Auch der Streifzug über die ambitionierten Weingüter Rheinhessens selbst ermöglicht einen klaren Blick auf den zeitgenössischen Winzerberuf. Es ist mit seinen 26 500 Hektar das flächenmäßig größte deutsche Weinbaugebiet, was auch dazu führt, dass es in seiner Verschiedenartigkeit nie eine einheitliche Identität ausgebildet hat. Natürlich werden Traditionen gehegt, werden Weinköniginnen gekrönt. Die jungen Spitzenwinzer aber meiden solche Veranstaltungen, so gut es geht. Sie sprechen lieber über ihre Techniken, den ökologischen Anbau, die Herausforderungen des Klimawandels.

Traktor statt Küche

„Für mich war es gar nicht schwierig loszulassen“, sagt Roland Gillot, der frühere Besitzer des Weinguts Kühling-Gillot, einer der großen Namen Rheinhessens. Er steht vor dem modernistischen Neubau des Weingutes in Bodenheim, wo man durch gläserne Scharten in den Keller schauen kann und wo in einem mondän designten Saal die Spitzenweine verkostet werden. Von einem gigantischen Banner blickt das Konterfei seiner Tochter Carolin, die auf dem Foto aussieht, als wollte sie Jil Sander nachfolgen anstatt ihrem Vater. „Unsere alten Kunden waren entsetzt, als wir unsere alte Probierstube abgerissen haben“ , sagt er. „Aber es ist gut, dass es so ist. Diese Zeiten sind vorbei.“ Der einzige Einwand, den er und seine Frau hatten, betraf die Entscheidung, überhaupt den Weinbetrieb weiterzuführen. „Wir wissen eben, was das an Arbeit bedeutet“, seufzt Gillot senior. „Wenn meine Frau eine neue Küche wollte, musste ich oft sagen: Aber wir brauchen auch einen neuen Traktor.“

Als die Tochter 2006 den Jungstar des neuen Weinbaus, Hans Oliver Spanier, ehelichte, galt das als eine Art Royal Wedding Rheinhessens, wurden damit doch zwei der angesehensten Weingüter zusammengeführt. Eine Lokalzeitung schrieb von der „Brangelina Rheinhessens“. – „Mein Mann macht sich einen Scherz daraus und sagt manchmal, dass er mich nur wegen eines bestimmten Weinberges geheiratet hat“, lacht Carolin Spanier, als hätte sie den Spruch gerade zum ersten Mal gemacht. 

Moderner Wein, moderner Auftritt: Carolin Spanier-Gillot

Moderner Wein, moderner Auftritt: Carolin Spanier-Gillot

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Am Stammsitz des Weinguts Battenfeld-Spanier in Hohen-Sülzen wird ebenfalls viel gebaut. Neben dem mondänen Anwesen, in dem man sich tatsächlich ein Hollywoodpärchen vorstellen könnte, wird ein besonderer Reifekeller fertiggestellt. Hier sollen die neun großen Gewächse beider Güter lagern, bis sie den idealen Reifezeitpunkt erreicht haben. Erst danach sollen sie an den Kunden gehen. Schließlich wisse keiner besser als ihr Mann, wann es so weit ist, sagt Carolin Spanier. „Manchmal springt er abends auf, läuft in den Weinkeller und holt eine Flasche Riesling, dann muss ich probieren und beschreiben, was sich daran verändert hat – ich sage Ihnen, das trainiert!“

„Ich würde sagen, Oliver ist auch ein bisschen wahnsinnig“ , sagt Spanier weiter. „Sonst hätte er nicht Anfang der Neunziger mit dem Weinbau begonnen, als dieser völlig am Boden lag. Damals war ein Liter Milch teurer als ein Liter Wein.“ Auch die Umstellung beider Betriebe auf biologischdynamischen Anbau galt als Wagnis – bedeutete sie doch eine enorme Mehrarbeit, besonders in den Steillagen. „Aber mein Mann ist eben auch ein Visionär: Alles, was er all die Jahre prognostiziert hat, ist eingetroffen.“

Oliver Spanier ist inzwischen aus den Weingärten zurückgekehrt und hat seine schmutzigen Stiefel ausgezogen. „Das kann man nur machen, wenn man auch inhaltlich davon überzeugt ist“, sagt er. „Ich glaube, dass es meine Aufgabe ist, das jenseits der vergänglichen Frucht angesiedelte Aromenspektrum der Steine und des Bodens zu vermitteln.“ Das gehe allerdings nicht mit dem Einsatz künstlicher Zusatzstoffe. Letztlich würde einen die Natur auch lehren, sie zu respektieren. „Man lernt eine gewisse Demut“, sagt Carolin Spanier. „Wenige Wochen nach unserer Hochzeit kam ein Hagel, der uns viel Geld gekostet hat. Wer da nicht eine gewisse buddhistische Haltung entwickelt, würde daran zugrunde gehen.“

Ein Weinbauer mag in einem architektonisch ambitionierten Haus wohnen, voller moderner Kunst; er mag mit Auszeichnungen gekrönt und von den internationalen Weinkritikern verehrt sein. Und doch ist er völlig den Launen von Natur und Wetter ausgesetzt, wie der allererste Weinbauer der Region vor 2000 Jahren. Oliver Spanier sagt: „Es ist wesentlich für uns, den Wein so pur zu machen wie nur möglich, grundsätzlich und mit Ernsthaftigkeit.“

Inzwischen sind große Teile von Rheinhessen von dem Gedanken erfasst, das Bodenständige und Ursprüngliche als zeitgemäß zu erkennen. Die Region vermarktet die vielen anspruchsvollen Vinotheken, die überall entstanden sind, mit einem eigenen Prädikat. Der Weinbau in Hügeln, die hier „Hiwwel“ genannt werden, lässt sich in mehreren Wandertouren erleben. Sogar eine eigene Heidelandschaft hat Rheinhessen anzubieten, in der an schönen Tagen eine Winzeralm auf durstige Wanderer wartet. 

Georg Fogt und seine Frau auf der Vespa im Weinberg

Georg Fogt und seine Frau auf der Vespa im Weinberg

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Ein besonderer Weingarten des Winzerpaares Anna-Maria und Georg Fogt grenzt direkt an diese Heidelandschaft. Mit jugendlicher Leichtigkeit düsen die beiden auf einer Vespa durch ihre Weinberge. „Bei diesem Weingarten bat uns ein Insolvenzverwalter, der mit dem Besitzer nicht zurande kam, ob wir ihn bewirtschaften könnten“, sagt Georg Fogt. „Wir haben es mit der Prämisse getan, ihn auch im Falle des Konkurses ganz übernehmen zu können, was dann auch passierte.“ Heute sind die Flächen in Siefersheim ein Herzstück des Weinguts, wo der junge Fogt ausgerechnet die damals völlig aus der Mode gekommene Scheurebe wieder anbaute. „Kosten Sie mal: Die Beere der Scheurebe schmeckt schon völlig anders, diese Salzigkeit, diese Mineralität.“ Und tatsächlich knospen beim Genuss der Traube die typischen Zitrusnoten im Mund auf, die man vom Wein selbst kennt. 

Tipps  Unterkünfte, Weingüter und mehr in Rheinhessen  Übernachten  Espenhof: Das gutbürgerliche Weingut und Landhotel lockt mit modernen Neubauzimmern, leckeren Speisen und großer Gastfreundlichkeit, abends wird in den warmen Monaten im Garten gegrillt. DZ/F ab 102 Euro, Flonheim, Poststraße 1, Tel. 067 34/96 27 30, www.espenhof.de  Jordan’s Untermühle: Wellness und Wein! Familie Jordan hat die frühere Wassermühle großzügig ausgebaut. Das Spa heißt „Herz & Rebe“, die Küche überzeugt mit hausgemachten Spezialitäten wie Fasanenbratwürstchen. DZ/F ab 156 Euro, Köngernheim, Außerhalb 1, Tel. 06737/ 710 00, www.jordansuntermuehle.de  Kaiserbad-Mühle: Am Rand des wunderschönen Weindorfs Westhofen befindet sich dieses historische Gemäuer. 1298 wurde die Kaisermühle erstmals urkundlich erwähnt, heute sind hier Ferienwohnungen untergebracht. Apartment ab ca. 60 Euro, Westhofen, Am Bergkloster 18, Tel. 0700/ 27 04 19 52, www.kaiserbadmuehle.de  Verkosten  Weingut Fogt: Die Winzerfamilie hat den ehemaligen Bahnhof von Badenheim geschmackvoll restauriert und behutsam modernisiert. Im Gut und im Schönborner Hof gegenüber finden regelmäßig Genussveranstaltungen statt. Badenheim, Schönborner Hof, Tel. 06701/74 34, www.weingut-fogt.de  Weingut Kühling-Gillot & Battenfeld-Spanier: Hier hat das „Royal Couple“ des rheinhessischen Weinbaus ein bemerkenswertes Zentrum für Verkostungen und Events geschaffen. Im Rahmen der Reihe „Liquid Life“ bieten Spitzenköche ihre Kunst zu den Spitzenweinen des Hauses dar. Bodenheim, Oelmühlstraße 25, Tel. 061 35/23 33, www.kuehlingandbattenfeld.com  Weingut Peth-Wetz: Der Winzer Christian Peth lässt sich bei der Arbeit in Bermersheim auch zuschauen, allerdings nur nach Voranmeldung. Was es da an Ideen und Produkten zu verkosten gibt, lohnt sich. Bermersheim, Alzeyer Straße 16, Tel. 06244/44 24, www.peth-wetz.com  Erleben  Museum bei der Kaiserpfalz: In Ingelheim können Besucher die Spuren mittelalterlicher deutscher Kaiser bewundern. Plus: Ausstellung über die Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit und das Frühmittelalter in der Region. Ingelheim am Rhein, François-Lachenal-Platz 5, Tel. 061 32/ 71 47 01, www.museum-ingelheim.de  Hiwwel-Touren: Auf neun Rundwanderwegen lässt sich der Weinbau vor Ort erleben und verkosten. Unterwegs bekommt man oft überraschende landschaftliche Eindrücke. Tipp: auf der Hiwwel-Tour „Heideblick“ in der Winzeralm von Siefersheim einkehren. Mehr Infos unter: www.rheinhessen.de/hiwweltouren

Tipps

Unterkünfte, Weingüter und mehr in Rheinhessen

Übernachten

Espenhof: Das gutbürgerliche Weingut und Landhotel lockt mit modernen Neubauzimmern, leckeren Speisen und großer Gastfreundlichkeit, abends wird in den warmen Monaten im Garten gegrillt. DZ/F ab 102 Euro, Flonheim, Poststraße 1, Tel. 067 34/96 27 30, www.espenhof.de

Jordan’s Untermühle: Wellness und Wein! Familie Jordan hat die frühere Wassermühle großzügig ausgebaut. Das Spa heißt „Herz & Rebe“, die Küche überzeugt mit hausgemachten Spezialitäten wie Fasanenbratwürstchen. DZ/F ab 156 Euro, Köngernheim, Außerhalb 1, Tel. 06737/ 710 00, www.jordansuntermuehle.de

Kaiserbad-Mühle: Am Rand des wunderschönen Weindorfs Westhofen befindet sich dieses historische Gemäuer. 1298 wurde die Kaisermühle erstmals urkundlich erwähnt, heute sind hier Ferienwohnungen untergebracht. Apartment ab ca. 60 Euro, Westhofen, Am Bergkloster 18, Tel. 0700/ 27 04 19 52, www.kaiserbadmuehle.de

Verkosten

Weingut Fogt: Die Winzerfamilie hat den ehemaligen Bahnhof von Badenheim geschmackvoll restauriert und behutsam modernisiert. Im Gut und im Schönborner Hof gegenüber finden regelmäßig Genussveranstaltungen statt. Badenheim, Schönborner Hof, Tel. 06701/74 34, www.weingut-fogt.de

Weingut Kühling-Gillot & Battenfeld-Spanier: Hier hat das „Royal Couple“ des rheinhessischen Weinbaus ein bemerkenswertes Zentrum für Verkostungen und Events geschaffen. Im Rahmen der Reihe „Liquid Life“ bieten Spitzenköche ihre Kunst zu den Spitzenweinen des Hauses dar. Bodenheim, Oelmühlstraße 25, Tel. 061 35/23 33, www.kuehlingandbattenfeld.com

Weingut Peth-Wetz: Der Winzer Christian Peth lässt sich bei der Arbeit in Bermersheim auch zuschauen, allerdings nur nach Voranmeldung. Was es da an Ideen und Produkten zu verkosten gibt, lohnt sich. Bermersheim, Alzeyer Straße 16, Tel. 06244/44 24, www.peth-wetz.com

Erleben

Museum bei der Kaiserpfalz: In Ingelheim können Besucher die Spuren mittelalterlicher deutscher Kaiser bewundern. Plus: Ausstellung über die Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit und das Frühmittelalter in der Region. Ingelheim am Rhein, François-Lachenal-Platz 5, Tel. 061 32/ 71 47 01, www.museum-ingelheim.de

Hiwwel-Touren: Auf neun Rundwanderwegen lässt sich der Weinbau vor Ort erleben und verkosten. Unterwegs bekommt man oft überraschende landschaftliche Eindrücke. Tipp: auf der Hiwwel-Tour „Heideblick“ in der Winzeralm von Siefersheim einkehren. Mehr Infos unter: www.rheinhessen.de/hiwweltouren

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Im Land der Hiwwel

Schon in der Weinbauschule soll Georg Fogt über einen besonderen Geschmackssinn verfügt haben. Heute arbeitet er als Tüftler an den nuancierten Geschmacksnoten seiner Weine. Das Ehepaar verbindet eine offensichtliche Liebe zum Land. Anna-Maria Fogt kann jeden der „Hiwwel“ benennen und weiß genau, wo welche Rebe wächst. Sogar eine der seltsamen alten Bezeichnungen haben die beiden erhalten. Da drüben auf dem Hügel wachse das „Wöllsteiner Äffchen“ – ein Name, den man nicht ändern will, da er schon seit 500 Jahren verwendet wird.

Auch die Fogts mussten sich selbst neu erfinden, aber dies gelang, ohne mit der Familie in Zwist zu geraten. Die Harmonie erkennt man auch daran, dass Georgs Mutter Brunhilde unten im Dorf mit dem Streuselkuchen auf das Paar wartet. Auch das Etikett auf den Flaschen der Fogts stammt aus der Familie: Die Jugendstil-Schnörkel hat sich Georgs Schwester ausgedacht, eine Künstlerin. „Mein Vater war auch Winzer mit Leidenschaft“, sagt er. „Aber vieles, was wir hier in unserem Badenheim mit seinen teils klimatischen Herausforderungen versuchten, wurde belächelt. Gerade das spornte mich an, allen zu beweisen, dass auch hier Spitzenweine möglich sind.“

Jetzt wundern die Alten sich. Über den Erfolg und die Auszeichnungen, welche die Jungen mit ihren Weinen heimholen. Und darüber, dass all die gefräßigen Starenheere, der Frost, die Hagelschläge und Sonnenbrände, die immer wieder über sie hereinbrechen, die jungen Leute nicht von ihrer Liebe zum Weinbau abbringen können.

„Es kann passieren, dass man auch einmal ein ganzes Jahr vergebens gearbeitet hat“, sagt Georg Fogt. „Aber so ist die Natur, sie nimmt manchmal. Aber sie ist fair, sie gibt auch wieder zurück.“