VG-Wort Pixel

Kolumne: Hier spricht der Boomer Warum eine Frauenquote die letzte Chance für die CDU ist

Armin Laschet  und Jens Spahn haben sich nicht gerade für die Nachfolge von Angela Merkel empfohlen, meint stern-Kolumnist Frank Schmiechen (l.o.)
Armin Laschet  und Jens Spahn haben sich nicht gerade für die Nachfolge von Angela Merkel empfohlen, meint stern-Kolumnist Frank Schmiechen (l.o.)
© Maja Hitij / Getty Images
Wer soll bloß Merkels Nachfolger werden? Bis jetzt sind nur Männer im Gespräch. Doch die nehmen sich gerade selber aus dem Spiel. Jetzt müssen die Frauen ran.
Von Frank Schmiechen

Das ist wohl der letzte Akt von Angela Merkel: Die Einführung einer Frauenquote in der CDU. 50 Prozent der Parteiämter und der öffentlichen Mandate sollen in Zukunft mit Frauen besetzt werden. Das steht jedenfalls in einem Beschlussentwurf, den Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer den Gremien vorlegen will. Die Quote soll bis 2023 erreicht werden.

Mit der Frauenquote wäre Merkels Projekt gekrönt. Ihr Projekt, die CDU weiter in die Mitte zu rücken. Merkel-Kritiker meinen: nach links. Nach Abschaffung der Wehrpflicht, Stopp der Atomkraft und der Aufnahme von Millionen Flüchtlingen und Einwanderern in Deutschland jetzt also eine Frauenquote. 

Gibt es überhaupt noch konservative Kreise in der CDU, die sich darüber aufregen? Sie sollten sich ganz schnell beruhigen und die Chance für ihre Partei erkennen. Denn es gibt derzeit keine CDU-Männer, die sich für Merkels Nachfolge aufdrängen. 

1. Der Verwirrte

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte eigentlich sehr gute Chancen, neuer Parteichef und Kanzlerkandidat zu werden. Er gilt als jovial, mehrheitsfähig und elastisch genug für den Job. Doch in den vergangenen Wochen leistete er sich Schnitzer. 

Erst befürwortete Laschet schnelle Corona-Lockerungen, dann musste er als erster Ministerpräsident einen regionalen Lockdown erlassen. Dafür machte er vorschnell und unklug "Bulgaren und Rumänen" verantwortlich. Kurz danach erklärte er, dass in Fleischbetrieben von nun an Recht und Ordnung gelten solle. Was galt denn bisher, fragten sich viele.

Den Lockdown im Kreis Gütersloh setzte inzwischen das Oberverwaltungsgericht des Landes NRW außer Kraft. Es brauche eine "differenziertere Regelung". Autsch. 

2. Der Altbackene

Die Hoffnung der Konservativen in der CDU hat einen Namen: Friedrich Merz. Doch bis jetzt wirkt Merz altbacken. In sozialen Netzwerken gereizt und überfordert. In einer Talk-Show ließ er sich von der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer vorführen. Diese erklärte ihm, er sei "mandatspolitisch gesprochen, überhaupt nichts". Außer einem väterlichen Dackelblick fiel Merz nichts dazu ein.

Was bleibt, ist die Aura seines wirtschaftlichen Erfolges beim Investment-Giganten Blackrock. Dazu Merz: "Es kann für die Übernahme einer politischen Führungsposition durchaus von Vorteil sein, wenn man noch weiß, wie der normale Mensch auf der Straße tickt." Damit wäre Merz raus aus dem Kandidaten-Rennen. Denn ein Mann, der laut eigener Aussage rund eine Million Euro brutto im Jahr verdient hat, kann das wohl kaum nachvollziehen. 

3. Der Maskenmann

Dann wäre da noch Gesundheitsminister Jens Spahn. Er bewies in der Krise Mut zur Selbstkritik. Nicht jede Maßnahme der Regierung sei richtig gewesen, gab er zu Protokoll. Damit meinte er wohl in erster Linie sich selber. Denn im Januar behauptete Spahn: Die Angst vor dem Virus sei "gefährlicher als das Virus selbst." Außerdem versäumte er es, rechtzeitig Schutzkleidung und Masken anzuschaffen. Dem Engpass begegnete er mit dem Argument, dass Masken nicht sehr hilfreich seien. 

Die erste wirklich wirksame Maßnahme gegen Corona, den "sozialen Abstand", verkündete dann die Kanzlerin selbst, als sie Spahn im März das Ruder aus der Hand nahm - und sich bei ihm kühl für den "tollen Job" bedankte. Spahns Beitrag zur deutschen Strategie gegen die Krise ist nicht erkennbar. 

4. Der Anfänger

Eigentlich wirkt Philipp Amthor wie jemand, der es packen könnte. Der junge Bundestagsabgeordnete besitzt eine geschliffene Rhetorik, unzerstörbares Selbstvertrauen und Mut zum Anecken. Aber wie kann ein studierter Jurist auf die Idee kommen, einer Firma, an der er beteiligt ist, im politischen Berlin den Weg zu bahnen? Ist das naiv? Oder unverschämt? Oder dumm? Egal. Amthor muss jetzt ein paar Extrarunden drehen, bevor er wieder mitspielen darf.

Funktionierende Konservative gibt es eigentlich nur noch außerhalb der CDU. Olaf Scholz ist Merkels bester Mann - und leider in der SPD. Man mag es kaum glauben. Markus Söder ist in der CSU und als Bayer wahrscheinlich kein Kandidat für ganz Deutschland. Sebastian Kurz ist Kanzler in Österreich. Deshalb ist die Quote die letzte Chance für die CDU. Jetzt müssen die Frauen ran! Die CDU-Männer können es offenbar nicht.

tkr

Mehr zum Thema