Haus der Statistik
Fledermäuse, Stasi-Akten und ein Neuanfang in Berlin-Mitte

Im Haus der Statistik soll ein neuer Treffpunkt für Kultur, Soziales und Bildung entstehen. Foto: Shireen Broszies/dpa
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Im Haus der Statistik soll ein neuer Treffpunkt für Kultur, Soziales und Bildung entstehen. Ein Blick auf die Zukunft und Geschichte des DDR-Plattenbaus.

Über ein Jahrzehnt stand das Haus der Statistik in Berlin-Mitte leer. In dem ehemaligen DDR-Plattenbau am Alexanderplatz lebten über Jahre vor allem Vögel und Fledermäuse. Nun sollen Menschen in Berlin in einem Teil des Komplexes, dem Haus A, einen neuen Ort für Begegnung, Kultur und Soziales finden. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe am Nachmittag begann dort der Innenausbau der ersten sechs Etagen.

"Ich danke allen, die diesen Weg mitgegangen sind, die ihn beschritten haben, die auch hart gekämpft haben, dass es nicht zu einem Abriss kam", sagte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD). Auch Berlins Bausenator Christian Gaebler (CDU) kam zum Auftakt.

Vom DDR-Verwaltungsbau zum Leerstand 

Bevor das Haus der Statistik gebaut wurde, befand sich auf dem Gelände ein jüdisches Altenheim in der damaligen Gerlachstraße, wie das Haus der Statistik mitteilte. Demnach wurde das Heim in der NS-Zeit enteignet und als Sammellager für ältere jüdische Menschen genutzt.

Zwischen 1968 und 1970 wurde der Bürokomplex erbaut, der als Sitz der staatlichen Statistikverwaltung der DDR diente. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gebäude zeitweise als Außenstelle des Statistischen Bundesamtes und als Berliner Dienstsitz der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen genutzt.

Zwischenzeitlich sollte das Haus abgerissen werden: Die Berliner CDU sprach damals von einem "monumentalen Betonklotz" und plädierte für einen Neubau. Abgerissen wurde das Haus jedoch nicht. Kunstschaffende machten mit einer Aktion auf die Möglichkeiten des Hauses aufmerksam und halfen so den Abriss des Hauses zu stoppen. 2017 ging der Komplex vom Bund an das Land Berlin über.

"Ein lebendiger Ort von und für alle"

Im nun übergebenen Haus A – dem Gebäudeteil mit dem Schriftzug "Allesandersplatz" auf dem Dach – sollen künftig unterschiedliche Menschen und Projekte zusammenkommen. Geplant sind Räume für Kunst und Kultur, Werkstätten, Bildungsangebote, Beratungsstellen und andere soziale Initiativen. Die Initiativen, die hier später einziehen werden und Mitglieder der Genossenschaft AndersMachen eG sind, sind gleichzeitig die Parteien, die am Innenausbau mitwirken.

Einziehen sollen unter anderem die Berliner Stadtmission, die AWO-Asylrechtsberatung, der Verein LARA, eine Fachstelle für sexualisierte Gewalt sowie verschiedene Kunstgruppen sowie demokratiefördernde Initiativen. Die Räume werden genossenschaftlich organisiert. So sollen kulturelle und soziale Angebote langfristig bezahlbar bleiben.

Der Bund fördert das Haus der Statistik am Alexanderplatz in Berlin mit 3,27 Millionen Euro. Bis 2032 sollen im Haus der Statistik bezahlbare Wohnungen, ein Rathaus, Flächen für Verwaltung und Kunst, Kultur, Bildung und Soziales entstehen. Ziel des Hauses sei es, eine Stadt zu gestalten, die "ein lebendiger Ort von und für alle" ist.

dpa