"Ein "normales" Unterrichten ist hier kaum mehr möglich und grenzt an Zauberei" - so beschreiben Eltern die Bedingungen an Grundschulen im südniedersächsischen Landkreis Northeim. In einem Schreiben an das Kultusministerium fordern verschiedene Elternräte aus der Region daher ein "politisches Umdenken und eine absolute Fokussierung auf die finanzielle und personelle Ausstattung an den Grundschulen". Aus dem Ministerium heißt es nun, die Sorgen der Elternräte würden sehr ernst genommen. Allerdings sei die Lage in dem Landkreis auch nicht schlechter als in anderen Regionen Niedersachsens.
Die Eltern hatten unter anderem eine Vielzahl an verhaltensauffälligen Kindern als Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie eine Zunahme von Kindern mit Migrations-Hintergrund ohne Deutsch-Kenntnisse als Probleme beschrieben. Prügeleien, Mobbing oder die Zerstörung von Schulgegenständen seien bereits viel zu lange Alltag. Es brauche mehr Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter oder Klassenassistenzen, etwa um Kinder einzeln zu fördern. Die Eltern wünschen sich etwa auch sogenannte Doppelsteckungen also zwei Lehrkräfte, die Klassen gemeinsam unterrichten.
Ministerium: Viele Probleme bereits angegangen
Viele der angesprochenen Themen seien "bereits Gegenstand der laufenden Arbeit von Schulen, Schulträgern und Schulbehörden", entgegnete das Kultusministerium. Das Haus verwies dazu auch auf das sogenannte Startchancenprogramm, mit dem ausgewählte Schulen, an denen es etwa viele Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen gibt, gefördert werden. Im Landkreis Northeim nehmen sechs von 25 Grundschulen daran teil, um die sich beim Thema Sozialarbeit bevorzugt gekümmert werde. Spürbare Effekte werde das 2024 gestartete Langfrist-Programm erst in Zukunft zeigen.
Weiter schrieb das Ministerium, dass an allen Grundschulen im Landkreis Northeim bereits Lehrkräfte als Duos unterrichten würden und die Unterrichtsversorgung insgesamt gut sei. Die Zahl der Förderlehrkräfte sei allerdings noch nicht zufriedenstellend. In dem Bereich gebe es aber einen Mangel an Fachkräften. Auch sei vereinzelt der Anteil an Schülern ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen hoch.