Die an der Landesregierung beteiligten Grünen in Nordrhein-Westfalen haben die begonnene Serie der Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus als Ergebnis verfehlter bundespolitischer Entscheidungen kritisiert. "Der Bund steht in der Verantwortung, endlich ein schlüssiges und belastbares Gesamtkonzept für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll vorzulegen", erklärte die anti-atompolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Norika Creuzmann. Dass sich die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Endlager bis in die 2070er-Jahre ziehen könnte, lasse an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen des Bundes zweifeln.
Nach Worten Creuzmanns haben sich die Grünen stets für den Neubau eines Zwischenlagers direkt am Standort Jülich ausgesprochen. Auch die schwarz-grüne Landesregierung habe sich auf allen Ebenen dafür eingesetzt, den genehmigungsfreien Zustand des Lagers in Jülich zu beenden. Doch anstatt den Neubau zu unterstützen, habe die Bundesregierung die Weichen für die jetzt begonnenen Transporte nach Ahaus gestellt.
Bund peilt Jahr 2050 für Endlager an
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte Ende Dezember angekündigt, die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll beschleunigen zu wollen und dafür wieder das Jahr 2050 angepeilt. Zuvor war das Freiburger Öko-Institut in einem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass die Suche unter idealen Bedingungen bis zum Jahr 2074 dauern könnte.
Das Bundesumweltministerium unter der damaligen Führung der Grünen-Politikerin Steffi Lemke hatte in Reaktion auf die Studie erklärt, man gehe davon aus, dass ein Endlager bis 2050 gefunden werden könne. Einst war sogar das Jahr 2031 angepeilt worden.
Insgesamt sollen in nächster Zeit 152 Castor-Behälter vom Zwischenlager am Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus verlagert werden. Der erste Konvoi mit einem Behälter war in der Nacht zu Mittwoch von rund 2.400 Polizeibeamten gesichert worden und hatte störungsfrei Ahaus erreicht.