Kernkraft
Atommüll-Transport in NRW störungsfrei – 151 Castoren folgen

Mit etwa 100 Fahrzeugen setzte sich der Konvoi in Bewegung. Foto: Christoph Reichwein/dpa
Mit etwa 100 Fahrzeugen setzte sich der Konvoi in Bewegung. Foto
© Christoph Reichwein/dpa
Nach jahrelangem Streit rollen die Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus. Bei der Premiere erreichte ein erster Castor-Transport ohne Störungen sein Ziel – mit 2.400 Polizisten im Großeinsatz.

Nach dem störungsfreien Atommüll-Schwerlasttransport durch Nordrhein-Westfalen sollen in den kommenden Monaten weitere 151 Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Die Polizei zog eine positive Bilanz beim Großeinsatz zur Verlagerung des ersten Castor-Behälters am späten Dienstagabend. Der erste Castor-Transport sei ohne besondere Zwischenfälle verlaufen, teilte die Polizei Münster mit. 

An einer Mahnwache von Atomkraftgegnern in Jülich nahmen laut Polizei 27 Personen teil. "Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch", sagte Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses "Stop Westcastor". An zwei weiteren Protestaktionen in Ahaus beteiligten sich laut Polizei insgesamt rund 380 Menschen. Zu einer weiteren Versammlung in Duisburg kamen laut Polizei 15 Teilnehmer. Die Aktionen seien störungsfrei verlaufen.

Konvoi kam um 2 Uhr nachts ans Ziel

Auf der 170 Kilometer langen Strecke von Jülich nach Ahaus sei es zeitweise zu Verkehrsbehinderungen gekommen, hieß es. Diese seien durch den Transport bei Nacht so gering wie möglich gehalten worden. Der Konvoi mit dem Castor-Behälter und etwa 100 Fahrzeugen erreichte nach rund vier Stunden gegen 2.00 Uhr das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. Bei dem Großeinsatz waren etwa 2.400 Polizeibeamte eingebunden. 

Münsters Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf dankte den Einsatzkräften und auch den friedlich Demonstrierenden. "Die Transporte sind für uns ein Marathon", sagte Dorndorf. "Für unser Einsatzkonzept ist es ein gutes Zeichen, dass der erste Transport sicher sein Ziel erreicht hat."

151 Castoren kommen noch

Die Transporte nach Ahaus führt ein spezialisiertes Logistikunternehmen im Auftrag der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) durch. "Der erste Transport ist ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung der behördlichen Anordnung", sagte die technische Geschäftsführerin der JEN, Beate Kallenbach-Herbert. 

In den nächsten Monaten sollen nach Angaben der JEN sowie der für das Zwischenlager Ahaus zuständigen bundeseigenen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung auch die verbleibenden 151 Castor-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht werden. 

Atomkraftgegner kämpften vor Gericht gegen Transport 

Der nun angelaufenen Transport-Serie waren mehrere Gerichtsentscheidungen und eine Infoveranstaltung für die Bürger in Ahaus vorausgegangen. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte stattfinden dürfen.

Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport auf dem Gerichtsweg verhindern wollen. Ihre Begründung: Die Sicherheit der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die umstrittenen Atommülltransporte durch NRW am 25. August 2025 genehmigt. Die Transporte der Castor-Behälter können gebündelt werden. Es gibt demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten.

Jahrelanges Tauziehen um Jülicher Atommüll

Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.

Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Das sei auf Bundesebene aber nicht unterstützt worden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärt. 

Grüne in NRW werfen Bund verfehlte Politik vor

Die Grünen in NRW sehen die Castor-Transporte als Ergebnis verfehlter bundespolitischer Entscheidungen. "Der Bund steht in der Verantwortung, endlich ein schlüssiges und belastbares Gesamtkonzept für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll vorzulegen", erklärte die anti-atompolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Norika Creuzmann. Es gibt in Deutschland noch keine Endlager, in denen der auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlende Atommüll sicher gelagert werden soll. 

Insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich sollen nach Ahaus verlagert werden. Mit 152 Castor-Behältern handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten.

JEN zum Komplex Brennelemente BASE zu Jülich-Ahaus

dpa