Liebevoll gepflegte Kleinode
Von Giftpflanzen und Bergblumen: Spezialgärten in Sachsen

Der Apothekergarten Leipzig gehört zum Botanischen Garten der Universität. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
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Arktische Pflanzen, biblische Kräuter und giftige Schönheiten: Sachsens Spezialgärten überraschen mit Vielfalt. Bei freiem Eintritt bieten sie besondere Blicke in die Pflanzenwelt.

Die Beete sind vorbereitet, seltene Pflanzen wurden neu gesetzt, die Saison kann starten: In Sachsen öffnen nun zahlreiche besondere Gartenanlagen wieder ihre Tore. Eine Übersicht: 

Alpine Gewächse in Chemnitz

Im Arktisch-Alpinen Garten in Chemnitz etwa warten bizarr erscheinende Gewächse aus Hochgebirgen auf Besucher. "Wir sind kein klassischer botanischer Garten mit parkähnlichen Anlagen", sagt Stefan Jeßen vom Vorstand der Stiftung, die zum Erhalt des Gartens gegründet wurde. 

Auf rund 2.000 Quadratmetern wachsen etwa 4.000 Pflanzenarten aus den kalten Regionen der Welt - darunter aus den Alpen, den Pyrenäen und der asiatischen Tundra. Die Pflanzen sind nach natürlichen Lebensräumen geordnet, wie Jeßen erläutert. Der Garten arbeitet auch mit internationalen Wissenschaftlern zusammen - so sei kürzlich eine neue Pflanzenart entdeckt worden. "Ein Schildfarn aus dem Kaukasusgebiet", berichtet Jeßen.

Trotz des wissenschaftlichen Ansatzes versteht sich die Einrichtung der Walter-Meusel-Stiftung als Garten für Besucher - der Eintritt ist frei. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Pflanzenverkauf. Gartenarbeit, Pflanzenvermehrung, Artenschutzprojekte sowie organisatorische Aufgaben bedeuteten viel Aufwand für die kleine Stiftung, betont Jeßen. Der Garten wurde 1956 gegründet und feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Bestehen.

Gift und Medizin mitten in Leipzig

Im Apothekergarten Leipzig stehen Heilpflanzen und ihre Wirkung im Fokus. "Vom Eingang bis zum Ausgang steigert sich die Giftigkeit der Pflanzen", sagt Sprecherin Dorett Bothmann. Die Anlage gehört zum Botanischen Garten der Universität Leipzig. Besucher können dort Arznei- und Giftpflanzen wie Eisenhut und Tollkirsche anschauen. Auch 25 Lavendelsorten sind vertreten. Informationstafeln erklären Wirkstoffe und therapeutische Einsatzgebiete.

Der Garten gilt als älteste botanische Anlage Deutschlands. Ursprünglich gehörte er zu einem Klostergarten am heutigen Paulinum. Sprecherin Bothmann sagt: "Viele Leipziger nutzen ihn als Rückzugsort und Pharmaziestudierende lernen dort den Umgang mit Heilpflanzen." Der Botanische Garten Leipzig zählt rund 150.000 Besucher pro Jahr.

Erzgebirgsgarten - ein denkmalgeschützter Privatgarten für alle

Während in Leipzig und anderen größeren Einrichtungen feste Strukturen den Betrieb sichern, steckt hinter dem Erzgebirgsgarten in Großrückerswalde vor allem Eigeninitiative. Der denkmalgeschützte Privatgarten mit rund 4.000 Quadratmetern Fläche wird derzeit zu einem Schaugarten erweitert. Verantwortlich dafür ist Oliver Richter, der die Anlage weitgehend selbst pflegt. "Aktuell laufen Arbeiten an Wegen und Pflanzenbeschilderungen", sagt Richter. Dafür gab es eine Förderung der EU von 15.000 Euro. 

Der mehr als 100 Jahre alte Garten trägt das Zertifikat der europäischen Naturgarten-Initiative "Natur im Garten". Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel oder künstliche Dünger werden vermieden. Statt streng gestalteter Anlagen setzt Richter auf Artenvielfalt und Naturnähe. Neben Pflanzen gehören Wildbienenhotels und Fledermäuse zum Konzept. Die Saison beginnt Anfang März mit Zehntausenden Frühblühern. Laut Richter wurden in den vergangenen 20 Jahren mehr als 100.000 Blumenzwiebeln gesetzt. 

"Später folgen die heimischen Himmelschlüsselchen, die früher auf den angrenzenden Wiesen zahlreich vertreten waren, aber durch intensive Landwirtschaft verdrängt wurden", erklärt Oliver Richter. Auch viele Veilchen und Wildtulpen zählt er auf. Im Sommer sollen neue Duftrosen und trockenheitsresistente Pflanzen dazukommen. Geöffnet ist der Garten vor allem samstags, der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis. Der Erzgebirgsgarten gehört zu einer denkmalgeschützten Fabrikantenvilla aus der Zwischenkriegszeit und wird seit Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Bibelpflanzen und Gemeinschaftsbeete im Landkreis Bautzen

Im Bibelland Oberlichtenau (Landkreis Bautzen) wachsen Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden, darunter Feige, Granatapfel und verschiedene Kräuter. Die Anlage versteht sich als Freilichtmuseum, das Pflanzenwelt und Szenen aus dem biblischen Alltag verbindet, erläutert Susanne Förster vom Christlichen Verein Oberlichtenau-Pulsnitz. "Zu sehen sind etwa ein römisches Felsengrab oder ein Beduinenzelt."

Das Gelände ist in der Regel wochentags zugänglich, der Eintritt erfolgt über eine Kasse des Vertrauens. Die Anlage wurde 2005 eröffnet und wird von dem Verein ehrenamtlich betreut. Rund 3.000 Menschen besuchen das Gelände den Angaben nach jedes Jahr. Derzeit bereitet sich das Bibelland auf den "Tag der Parks und Gärten" am 31. Mai vor. Dazu werden zahlreiche Besucher erwartet.

Mitmachgarten in Chemnitz

Ein ganz anderes Konzept verfolgt der Mitmachgarten "Gartenutopie" in Chemnitz. Auf einer rund 2.500 Quadratmeter großen ehemaligen Brachfläche hat Initiator Rajko Nestler vor rund zehn Jahren einen offenen Gemeinschaftsgarten geschaffen. "Das war eine vermüllte Fläche, heute ist es ein kleines Gartenidyll", sagt er. Seit 2015 wird dort gemeinsam Gemüse angebaut – von Tomaten über Bohnen bis zu Kräutern. 

Rund 20 Menschen bewirtschaften die Fläche inzwischen regelmäßig. Jedes Jahr kommen neue Interessierte hinzu. Obstbäume und Brombeerhecken werden gemeinschaftlich genutzt. Mittwochs ab 16.00 Uhr ist "offener Garten" für Besucher, berichtet Nestler. Das Projekt versteht sich als niedrigschwelliger Treffpunkt für unterschiedliche Menschen und hat inzwischen ähnliche Initiativen in Chemnitz inspiriert.

dpa

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