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20.000 Tiere notgeschlachtet: Vogelgrippe-Virus auf Markt in Shanghai entdeckt

Es gibt eine Spur zum Vogelgrippe-Virus H7N9 in China: Der Erreger wurde in Tauben gefunden. Behörden ließen daraufhin einen ganzen Markt in Shanghai räumen. Sie melden weitere Tote durch das Virus.

Drastische Maßnahmen: Chinesische Behörden haben rund 20.000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben in Shanghai keulen lassen. Die nächtliche Massenschlachtung wurde für den Huhuai-Geflügelmarkt angeordnet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Dort war das neue #Link;http://www.stern.de/gesundheit/h7n9-neues-vogelgrippe-virus-gibt-forschern-raetsel-auf-1993052.html;Vogelgrippe-Virus H7N9# zuvor in Tauben nachgewiesen worden. Auf Bildern eines örtlichen Reporters, die im Internet veröffentlicht wurden, waren städtische Angestellte in Schutzanzügen und Gesichtsmasken zu sehen, wie sie auf den Markt gingen. Die Anbieter seien für das Geflügel entschädigt worden, so Xinhua.

Bislang starben sechs Menschen an dem Erreger, dessen Übertragungswege noch unklar sind. Insgesamt wurden 16 Infektionen bekannt. Betroffen sind neben Shanghai auch die Provinzen Zhejiang, Jiangsu und Anhui. Derweil wurde aus Hongkong ein erster Verdachtsfall gemeldet. Dabei handelte es sich um ein siebenjähriges Mädchen, das den Behörden zufolge in Shanghai gewesen war. Symptome sind eine schwere Lungenentzündung, Fieber, Husten und Atemnot.

Die lokalen Gesundheitsbehörden fahnden derzeit nach der Herkunft der Tauben. Zwar ist noch keine Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt, doch entwickelte in Shanghai ein Mensch, der engen Kontakt zu einem Vogelgrippe-Patienten hatte, grippeähnliche Symptome. Der Erkrankte kam in Quarantäne. Andere Infizierte sollten teilweise einen engen Kontakt zu Geflügel gehabt haben. Nach Behördenangaben war einer der Toten Koch.

US-Behörden und WHO arbeiten an Impfstoff

Der neue Erreger war am Wochenende erstmals aus Shanghai vermeldet worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Mittwoch, sie rechne bislang kaum mit einer dramatischen Epidemie. Sorge bereitet den Experten jedoch, dass sich das Virus geographisch immer weiter ausbreitet und sich bei den betroffenen Tieren nicht bemerkbar macht. "Es ist kein tödliches Virus für Hühner, was bedeutet, dass es sich unter ihnen ausbreiten könnte, ohne dass irgendjemand das merkt", sagte der Virologe John Oxford von der Londoner Universität Queen Mary der Nachrichtenagentur AFP.

Wie die WHO arbeiten auch die US-Behörden an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen H7N9. Die Gesundheitsbehörde CDC erklärte am Donnerstag, sie sammle alle verfügbaren Informationen für eine Risikoeinschätzung, um einen Impfstoff zu entwickeln.

Die Gruppe der H7-Viren befällt normalerweise Vögel. Die WHO hatte jedoch zwischen 1996 und 2012 auch infizierte Menschen in den Niederlanden, Italien, Kanada, den USA, Mexiko und Großbritannien registriert. Bisher habe das Virus Bindehautentzündung und eine leichte Entzündung der Atemwege hervorgerufen. Lediglich ein Mensch in den Niederlanden sei an dem Erreger gestorben. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

jwi/ger/AFP/DPA / DPA

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