HOME

Blutspenden: Aderlass, der Leben rettet

Blutspenden ist unkompliziert, ungefährlich - und kann Leben retten. Doch der Bedarf an Blut wächst schneller als die Zahl der Spender. Wird das Blut knapp? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Blutspende.

Von Angelika Unger

Fünf bis sechs Liter Blut fließen durch die Adern jedes erwachsenen Menschen. Und doch kommt es immer wieder vor, dass man auf das Blut eines anderen Menschen angewiesen ist: bei Operationen etwa, nach Unfällen, in der Krebstherapie.

Der Bedarf an Spenderblut ist riesig: 15.000 Blutspenden reichen gerade einmal, um deutsche Kliniken für einen Tag mit Blut zu versorgen. Doch die Blutspendedienste klagen, dass sie diesen Bedarf kaum decken können. "Die Blutspenderzahl wächst nicht so stark, wie der Bedarf wächst", sagt Friedrich-Ernst Düppe vom Deutschen Roten Kreuz, das 75 bis 80 Prozent des benötigten Spenderbluts liefert. Zum Weltblutspende-Tag wünscht sich Düppe daher, "dass alle, die jetzt einmal im Jahr zum Blutspenden gehen, noch ein weiteres Mal kommen. Dann wären wir schon einen großen Schritt weiter."

Nur jeder 50. Deutsche spendet

Eigentlich ist Blutspenden ja auch keine große Sache: ein Formular ausfüllen, eine Viertelstunde liegen, so lange das Blut aus dem Arm in den Beutel fließt, dann noch ein belegtes Brötchen, fertig. Und doch spendet nur jeder 50. Deutsche sein Blut. Warum eigentlich? "Die Blutspende konkurriert mit anderen Freizeitaktivitäten wie Sport, Garten, Urlaub", sagt Düppe. Vor allem im Sommer bleiben daher oft Spender aus.

Dennoch müsse sich niemand sorgen, dass für ihn in lebensbedrohlichen Situationen kein Blut zur Verfügung stehen könnte, versichert Düppe. Selbst für Katastrophen gibt es genug Reserven - die dann aber auch nur die ersten 24 Stunden überbrücken müssen. "Wir merken sofort, dass nach Unglücken die Bereitschaft zu spenden stark steigt."

Wie oft darf man spenden?

Frauen dürfen viermal im Jahr Blut spenden, Männer sechsmal. Blutplasma darf man mehrmals im Monat spenden, die genaue Zahl ist abhängig vom Körpergewicht. Ähnlich oft kann man auch Blutplättchen (Thrombozyten) spenden.

Was muss man vorm Blutspenden beachten?

Wer Blut spenden will, muss einen gültigen Personalausweis oder einen Pass samt Meldebestätigung mitbringen. Blutspender sollten vorher etwas gegessen und getrunken haben, damit sie keine Kreislaufprobleme bekommen. Fettreiches Essen sollten sie aber meiden und am Abend vor der Spende keinen Alkohol trinken.

Was muss man nach dem Blutspenden beachten?

Nach der Spende braucht der Körper etwas Zeit, sich auf den Blutverlust einzustellen. Daher sollen die Spender etwa zehn Minuten lang liegen. Außerdem sollen sie erst nach einer halben Stunde wieder am Straßenverkehr teilnehmen - das gilt auch für Fußgänger! Reichlich trinken hilft, den Flüssigkeitsverlust schnell auszugleichen. Zudem wird empfohlen, nach der Spende zwei Stunden lang nicht zu rauchen.

Wer beruflich auf schnelles Reaktionsvermögen angewiesen ist, etwa als Busfahrer, Dachdecker oder Fallschirmspringer, muss nach der Spende zwölf Stunden Pause einlegen.

Wer darf nicht spenden?

Nicht Blut spenden dürfen: - Minderjährige und Menschen, die älter sind als 68 Jahre - Menschen, die weniger als 50 Kilo wiegen - Kranke - schwangere oder stillende Frauen

Ebenfalls von der Blutspende ausgeschlossen sind Personen, bei denen von einem deutlich erhöhtem Infektionsrisiko ausgegangen wird: Homo- und Bisexuelle, Prostituierte, Strafgefangene und Drogenabhängige. Keine Diskriminierung, betont Düppe: "Ziel ist die höchstmögliche Sicherheit."

Aus diesem Grund dürfen auch Menschen, die einem Malariagebiet Urlaub gemacht haben, sechs Monate lang nicht spenden. Nach Piercings (Ohrlöcher eingeschlossen!) und Tätowierungen muss man ebenfalls sechs Monate bis zur nächsten Spende warten. Dasselbe gilt für Akupunktur - es sei denn, man liegt einen Nachweis vor, dass die Akupunktur steril war. Wer zum ersten Mal Blut spendet, sollte nicht älter als 60 Jahre sein.

Wofür wird das Spenderblut gebraucht?

Das meiste Blut wird zur Behandlung von Krebspatienten benötigt: "Jede fünfte Blutkonserve geht heute in die Krebstherapie", sagt Düppe. Viele Operationen, Organübertragungen und die Behandlung von Patienten mit bösartigen Tumoren sind nur dank moderner Transfusionsmedizin möglich. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten. An vierter Stelle stehen Sport- und Verkehrsunfälle.

Welche Blutgruppe ist besonders gefragt?

Die häufigste Blutgruppe in Deutschland ist Blutgruppe A. Bei den Blutspendediensten am begehrtesten ist jedoch Blut der Blutgruppe Null, erklärt Düppe: "Die können Sie auf Empfänger aller Blutgruppen übertragen." Patienten mit Blutgruppe Null können jedoch kein anderes Blut empfangen als Null.

Noch komplizierter wird die Sache durch den Rhesus-Faktor des Blutes: Patienten mit Rhesusfaktor positiv kann man Blut mit Rhesusfaktor negativ geben; umgekehrt funktioniert das aber nicht.

Die universelle Blutgruppe ist daher Null negativ. Gerade nach Unfällen bleibt oft nicht die Zeit, die Blutgruppe des Patienten zu bestimmen - dann kann Null negativ Leben retten, da es auf jeden Fall vertragen wird. Aber ausgerechnet Null-negativ-Spender sind rar in Deutschland: Nur bei sechs Prozent fließt das begehrte Universal-Blut durch die Adern.

Beim Plasma allerdings liefert AB-Blut den universellen Stoff. Plasma der Blutgruppen A und AB ist am meisten gefragt.

Gibt es beim Blutspenden Gesundheitsrisiken?

Blutspenden tut nicht mehr weh als andere Spritzen auch: ein kleiner Pieks. Abgezapft wird ein halber Liter Blut - diese geringe Menge kann der Körper schnell wieder ausgleichen. Schon nach einem Tag sind weiße Blutkörperchen und Blutplasma wiederhergestellt, bei den roten Blutkörperchen dauert es etwas länger.

Alle verwendeten Geräte sind steril und werden nur einmal benutzt. Spender haben keinen Kontakt mit dem Blut oder Plasma anderer Spendern - daher braucht sich niemand sorgen, er könnte sich beim Blutspenden mit HIV, Hepatitis oder anderen Infektionskrankheiten anstecken.

Möglicherweise könnte Blutspenden sogar positive Effekte auf die Gesundheit haben: Das renommierte "British Medical Journal" berichtete 1997 über eine Studie finnischer Forscher, derzufolge regelmäßiges Blutspenden das Herzinfarktrisiko senkt.

Hartnäckig hält sich zudem die Meinung, dass Blutspenden das Blut erfrische und damit den Körper leistungsfähiger mache. Es gibt sogar Marathonläufer, die darauf schwören, vor wichtigen Läufen zur Blutspende zu gehen. "Wissenschaftlich ist das aber nicht zu halten", sagt Düppe. Zwar seien frische Blutzellen beim Sauerstofftransport etwas leistungsfähiger als alte Zellen, ein tatsächlicher Effekt auf die körperliche Leistungsfähigkeit konnte aber bisher nicht festgestellt werden.

Welche Vorteile hat eine Blutspende für den Spender?

Die Spender erhalten einen kleinen Gratis-Gesundheits-Checkup; zudem wird das Blut im Labor untersucht. Unter anderem wird getestet, ob die Geschlechtskrankheit Syphilis vorliegt oder eine Leberfunktionsstörung. Außerdem wird das Blut auf Antikörper gegen die Aids-Erreger HIV geprüft. Falls die Ergebnisse auffällig sind, wird der Spender informiert.

Alle Spender bekommen einen Unfallhilfe- und Blutspender-Pass ausgehändigt, in dem Blutgruppe und Rhesusfaktor stehen.

Was bekommen Spender für ihre Spende?

Das Deutsche Rote Kreuz bezahlt die Spender nicht für ihr Blut. Die Begründung: "Niemand soll aus finanzieller Not zur Blutspende gebracht werden." Andere Blutspendedienste hingegen zahlen eine Aufwandsentschädigung: meist 15 bis 25 Euro pro Spende; für Plasma und Blutplättchen gibt es mehr, da die Prozedur länger dauert.

Ein kostenloser Imbiss nach der Spende ist bei den meisten Anbietern obligatorisch.

Wie läuft eine Blutspende ab?

Als erstes muss jeder Spender einen Fragebogen ausfüllen, in dem Krankheiten und Risikofaktoren abgefragt werden. Außerdem gibt er eine schriftliche Erklärung ab, dass sein Blut für Transfusionen eingesetzt werden kann.

Bei der anschließenden Untersuchung hört der Arzt Herz und Lunge ab, misst Blutdruck, Puls und Temperatur und bestimmt die Laborwerte des Blutes. Dann legt sich der Spender auf eine Liege und bekommt Blut abgenommen; nach der Spende soll er zehn Minuten ruhen. Die eigentliche Blutspende dauert etwa eine Viertelstunde; alles in allem ist die Prozedur nach etwa einer Stunde vorbei.

Bei der Blutplasma-Spende werden mit einem Apparat Blutzellen und Blutplasma getrennt. Die Blutzellen werden wieder ins Blut zurückgeführt. Ähnlich funktioniert auch die Thrombozyten-Spende.

Wie sicher ist Spenderblut?

Da die Spender sorgfältig ausgewählt werden, ist das Risiko sehr gering, sich durch eine Bluttransfusion anzustecken. Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben - nach der Ansteckung dauert es stets eine gewisse Zeit, bis Erreger oder Antikörper im Blut nachweisbar sind. Beim Aids-Erreger HIV ist eine Ansteckung nach durchschnittlich 65 Tagen im Blut erkennbar.

Experten geben das Risiko, sich durch Spenderblut mit HIV anzustecken, mit 1:1 Million an. In Deutschland werden jedes Jahr rund fünf Millionen Blutpräparate angewendet - pro Jahr ist also mit fünf Infektionen zu rechnen.

Wissenscommunity