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Donald Trumps Personalrochaden: Aderlass im Weißen Haus - wer muss als nächstes gehen?

Rund 15 wichtige und enge Mitarbeiter hat Donald Trump in seinem ersten Amtsjahr verloren - zuletzt waren es drei in drei Wochen. Der US-Präsident verkauft den Aderlass als Erfolg und die nächsten Abgänge zeichnen sich schon ab.

Donald Trump Berater Stephen Bannon

Von ursprünglich fünf engen Beratern ist Donald Trump nur Vize Mike Pence geblieben

Von Chaos will nichts wissen, das Wort sei eine Erfindung der "Lügenpresse". Nein, es gebe kein Chaos, sondern nur großartige Energie, twitterte der US-Präsident vor wenigen Tagen. Da hatte sein Wirtschaftsberater Gary Cohn gerade den Hut genommen und der US-Präsident machte keinen Hehl daraus, dass der nicht der letzte Abgang gewesen sein werde. "Ich habe noch ein paar Leute, die ich auswechseln möchte", schrieb Trump weiter. Am Dienstag, knapp eine Woche später, musste Außenminister Rex Tillerson gehen.

Nun laufen die Wetten, wen Donald Trump als nächstes schasst oder ob er sich selbst auswechselt. Fünf Mitarbeiter grüßen bereits ganz oben von der Abschlussliste und haben gute Chancen, bald abgehakt zu werden:

Jeff Sessions, Justizminister

Jeff Sessions

Jeff Sessions

Der erzkonservative Südstaatler war einer der ersten einflussreichen Senatoren, die sich zu Donald Trump bekannt hatten. Gedankt wurde es ihm mit dem Posten des Justizministers, auf dem er zugleich oberster Ankläger des Landes ist. In dieser Funktion führt er auch mögliche Ermittlungen gegen Bundesbehörden und deren Mitglieder an. Im speziellen Fall der aktuellen Regierung auch die Untersuchung einer möglicher Einmischung Russlands in die US-Wahl. Weil sich aber für befangen erklärt hat (und seinem Präsidenten somit nicht den Rücken freihalten kann), zürnt ihm Trump. Mehrfach schon hat er Sessions bereits angezählt. Erst vor zwei Wochen sind bei beiden öffentlich aneinandergeraten: Auf Anfeindungen Trumps keifte Sessions ungewohnt offen zurück, er werde seinen Job mit "Anstand und Ehre" erledigen.

H.R. McMaster, Nationaler Sicherheitsberater

US-Präsident Donald Trump (l.) nebst seinem Kandidaten für den vakanten Posten des Nationalen Sicherheitsberaters, H.R. McMaster

Donald Trump und H.R. McMaster

Trumps erster Sicherheitsberater, Michael Flynn, musste seinen Posten wegen undurchsichtiger Verbindungen nach Russland nach nur wenigen Wochen räumen. Doch auch sein Nachfolger, ein General und Doktor der Militärgeschichte, scheint nach rund einem Jahr schon amtsmüde zu sein. Zusammen mit Verteidigungsminister James Mattis und dem Stabschef im Weißen Haus, , zählt er zu den wenigen "Erwachsenen" im Umfeld von Donald Trump, deren Vorgehen gemäßigt, rational und verlässlich ist. Genau diese Eigenschaft aber scheint dem Präsidenten nicht zu gefallen. Medienberichten zufolge kommt er nicht mit McMasters Nachdenklichkeit zurecht. Den US-Sendern MSNBC und Fox-News zufolge wird er in den nächsten Wochen gehen - freiwillig oder unfreiwillig.

John F. Kelly, Stabschef

Donald Trumps Stabschef im Visier: Was wusste John Kelly über die Missbrauchsvorwürfe?

Donald Trump und John Kelly

AFP

Am Chief of Staff führt in Washington kein Weg vorbei. Er ist eine Art Bürochef des Weißen Hauses, er entscheidet über Termine, Personal und darüber, wer den Präsidenten wann und zu welchem Thema sprechen darf. Kurzum: John Kelly hält Donald Trump den Rücken frei. Wie McMaster ist auch Kelly ein General, er hatte im Juli seinen Vorgänger Reince Priebus abgelöst, und sollte wieder mehr "Zug" in die Regierungszentrale bringen. Das gelang ihm zwar, als er den Ultrakurzzeit-Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci nach nur zehn Tagen wieder rauswarf, doch gleichzeitig liefert er sich einen Machtkampf mit Trumps Tochter und Schwiegersohn Ivanka und Jared Kushner. Gerüchten zufolge, geht es eigentlich nur noch darum, ob der Präsident erst den unter Druck stehenden Jared Kushner rauswirft oder .

Ivanka und Jared Kushner, Berater

Jared Kushner und seine Frau Ivanka Trump (l.) - hier bei einem Empfang für den chinesischen Präsidenten - gehören zu den wichtigsten Beratern von US-Präsident Donald Trump

Jared Kushner und Ivanka Trump

Tocher Ivanka und Schwiegersohn Jared zählen zu den ganz wenigen Menschen im Umfeld des Präsidenten, denen Donald Trump bedingungslos vertraut hat. Doch seitdem Kushners undurchsichtige, geschäftliche Kontakte nach bekannt wurden, rückt Schwiegervater Donald notgedrungen von ihm ab. Vor kurzem wurden dem "Allzweckberater" (er soll unter anderem den Nahostkonflikt beilegen, die Opiatkrise lösen und die Behörden entbürokratisieren) einige Sicherheitsprivilegien entzogen. Zudem heißt es, er befinde sich in einem ernsthaften Konflikt mit Stabschef John Kelly. Auch wenn ihm seine Familie heilig ist – Trump könnte sich bald genötigt sehen, sich von seinem Schwiegersohn zu trennen. Ob Gattin und Präsidententochter Ivanka dann ebenfalls das Weiße Haus verlassen muss oder wird, ist offen.

Donald Trump - Meister der Neuausrichtung

Seit Januar 2016 hat Donald Trump rund 15 enge und wichtige Mitarbeiter verloren. In seiner Zeit als Immobilienunternehmer war er für häufige Personalwechsel bekannt, er selbst verkauft die damit verbundenen Konflikte als "Weg, um erfolgreich zu sein", wie er sagte. Von außen betrachtet wirkt der Umgang mit seinem Personal weiterhin willkürlich und sprunghaft, zumal auch immer weniger erkennbar ist, in welche Richtung Trump eigentlich will. Zu Beginn seiner Präsidentschaft hatten noch die "Nationalisten" um Steve Bannon Einfluss. Danach gewannen die gemäßigten "Globalisierer" um Jared Kushner die Oberhand, während nun die Hardliner um Neu-Außenminister Mike Pompeo ans Ruder kommen. Drei Ausrichtungen in 14 Monaten – und noch 31 Monate bis zur nächsten Präsidentschaftswahl.