BSE-SKANDAL BSE-Burger aus Bayern


Nicht korrekt auf BSE getestetes Fleisch aus Bayern wurde in Hessen zu Hamburgern verarbeitet. Die Ware sei bereits gesperrt worden, wurde mitgeteilt.

Nicht korrekt auf BSE getestetes Fleisch aus Bayern ist in Hessen zu Hamburgern verarbeitet worden. Eine hessische Firma habe über einen Zwischenhändler Anfang Dezember rund 300 Kilogramm des unzulänglich getesteten Fleisches aus Bayern erhalten, teilte die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden mit. Mit weiteren Fleischlieferungen seien daraus gut zwölf Tonnen Hamburger hergestellt worden. Die Ware sei bereits gesperrt worden. Sollten Teile der Lieferung bereits in den Handel gelangt sein, würden sie zurückgerufen.

Schröder: »Ernährungsverhalten nicht geändert«

»Ich habe mein Ernährungsverhalten in bestimmten Krisen nicht geändert«, teilte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf einer agrarpolitischen Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion in Haldensleben bei Magdeburg mit.

Im Januar war bekannt geworden, dass in Bayern in einem nicht zugelassenen Labor knapp 40.000 Rinder auf BSE getestet worden waren. Bund und Länder vereinbarten daraufhin, das Fleisch vom Markt zu nehmen. Auch in Rheinland-Pfalz wurden BSE-Tests in privaten Laboren nicht korrekt vorgenommen. Das Fleisch der bis zu 13.000 unzulänglich getesteten Rinder gelangte weitgehend in den Handel.

Am Mittwoch hatte auch Baden-Württemberg Tests in einem privaten BSE-Labor gestoppt, nachdem dort bei einer Überprüfung Unregelmäßigkeiten festgestellt worden waren. Das Labor habe entgegen den Vorgaben des Testherstellers zu wenige Positiv- und Negativkontrollen vorgenommen, erklärte das Agrarministerium Stuttgart. Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere und das EU-Referenzlabor in Großbritannien prüften derzeit, ob durch das fehlerhafte Vorgehen die Testergebnisse verfälscht worden seien.

Das Labor habe etwa 3000 Rinder dem vorgeschriebenen Test unterzogen und außerdem 6000 weitere Rinder unter 24 Monaten getestet, erklärte das Stuttgarter Ministerium. Bei einer früheren Überprüfung des Labors im vergangenen Jahr seien dort keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

Die Rinderseuche steht im Verdacht, beim Menschen eine Variante der tödlichen Creutzfeldt-Jacob-Krankheit auszulösen

Listen zur Rückverfolgung sind unbrauchbar

Die gestern von Rheinland-Pfalz vorgelegten Listen über dort unzureichend BSE-gestestete Rinder sind für eine Rückverfolgung des Fleisches, das auch nach Bayern geliefert wurde, durch die Behörden unzureichend. Sie enthalten weder Ohrmarken-, Schlacht- noch sonstige Identifikationsnummern.

»Frau Künast nimmt dies mit einer merkwürdigen Sprachlosigkeit hin«, lies der Bayerische Verbraucherschutzminister Eberhard Sinner mitteilen.

Die vom Land Rheinland-Pfalz vorgelegten Listen mit den dort von April bis September 2001 unzureichend BSE-getesteten Rindern enthalten lediglich allgemeine Daten über Fleischmenge und Lieferadressen, aber keinerlei weitere Identifikationsmöglichkeiten. Die notwendige Rückverfolgung noch vorhandener Fleischprodukte durch die Behörden ist somit derzeit nicht möglich. »Hier muss Bundesministerin Künast mit dem gleichen Eifer, mit dem sie die Vorgänge in Bayern kritisiert, dafür sorgen, dass Rheinland-Pfalz seinen Informationspflichten nachkommt«, sagte Sinner weiter.

Schadensersatzforderungen an Bayern völlig haltlos

Minister Sinner wies erneut Schadensersatzforderungen des Bundes an den Freistaat als völlig haltlos und unbegründet zurück: »Diese politisch motivierte Forderung Künasts geht völlig an der Sache vorbei. Sie will damit davon ablenken, dass der Bund nach wie vor nicht zu einer angemessenen Beteiligung an den BSE-Folgelasten bereit ist.«

Auch der Forderung der Bayern SPD, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium zusammenzulegen, erteilte Sinner eine deutliche Absage. Sinner: »Wieder einmal will Franz Maget Politik von morgen mit Rezepten von vorgestern machen.«

Nur in einer klaren Trennung der Verantwortung für Produktion und unabhängige Kontrollen liegt die Chance für optimalen Verbraucherschutz. Dies geht auch aus dem Gutachten der Präsidentin des Bundesrechnungshofes, Edda von Wedel, hervor. Bayern und die Europäische Kommission haben diese zukunftsweisende Struktur bereits geschaffen.

Quellen: Reuters, dpa


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker