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Coronavirus: Österreich und Dänemark lockern Maßnahmen – Merkel: noch kein Datum für Deutschland

Aus dem Notbetrieb soll wieder ein Normalbetrieb werden: Behutsam und schrittweise lockert Österreich seine Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, auch Dänemark will zurück in den Alltag finden. In Deutschland warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zu frühen Festlegungen.

Statement von Bundeskanzlerin Merkel zum Coronavirus am 6. April 2020

Ihren Mundschutz nahmen Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und drei seiner Minister nur für die Pressekonferenz ab. Hinter Schutzwänden aus Plexiglas verkündeten sie am Montag den Österreichern eine mehrteilige Botschaft geprägt von Zuversicht, Stolz und auch Sorge: Die Alpenrepublik wird nach Ostern behutsam mit dem langen Weg aus der Corona-Krise zurück in die Normalität beginnen –aber jederzeit die Notbremse ziehen, wenn sich das Virus doch wieder ausbreitet. Wenige Stunden später verkündete auch Dänemark einen Plan zur vorsichtigen Lockerung seiner Maßnahmen.

In Deutschland hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jüngst in ihrem Video-Podcast betont, es sei noch nicht möglich, einen Stichtag für ein Ende der Maßnahmen zu nennen. Am Montag dankte sie den Bürgern in der Bundesrepublik für die weitgehende Einhaltung der Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus. "Für dieses Verständnis, das es gibt, möchte ich mich bedanken, denn die Regeln werden ja doch von der überwiegenden Mehrzahl der Menschen eingehalten", sagte sie.

Deutschland bleibt bei Coronavirus-Maßnahmen

Merkel bekräftigte, dass die Regierung noch kein Datum für eine Lockerung der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nennen kann. Die Maßnahmen seien bis zum 19. April getroffen worden, sagte Merkel am Montag in Berlin. "Daran wird sich auch nichts ändern." Der Gesundheitsschutz stehe immer im Vordergrund. "Auf jeden Fall wird es ein schrittweises Vorgehen sein", sagte sie. Wie sich dies dann gestalte, sei noch nicht entschieden. Mit Blick auf Österreich sagte die Kanzlerin: "Wir müssen unsere eigenen Zahlen ansetzen." Österreich sei in der Pandemie Deutschland "immer ein Stück voraus" gewesen. Deshalb sei es "jetzt nicht geraten, über ein Datum in Deutschland zu sprechen".

Bei unseren Nachbarn im Süden sollen nach der Öffnung von kleinen Geschäften sowie Bau- und Gartenmärkten am 14. April dann ab Anfang Mai alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen. "Wir sind bisher besser durch die Krise gekommen als die meisten anderen Länder", stellte Kurz fest. Jetzt will Wien auch beim Hochfahren der Wirtschaft Zeichen setzen.

Zugleich machte die Regierungsspitze überdeutlich, dass sich die Österreicher weiterhin an die strengen Auflagen zum gebotenen Abstand halten müssten – die Ausgangsbeschränkungen wurden bis Ende April verlängert, die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu. Hotels und Gaststätten dürfen auch erst ab Mitte Mai damit rechnen, dass sie wieder öffnen dürfen. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. So wurde das Nova Rock Festival mit zuletzt mehr als 200.000 Besuchern nun abgesagt. Das Tragen eines Mundschutzes wird auch in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pflicht.

Früher als zum Beispiel in Deutschland war Mitte März das öffentliche Leben in der gesamten Alpenrepublik auf Notbetrieb umgestellt, waren die Ausgangsbeschränkungen erlassen worden. Der Lohn: Nirgendwo in Europa sei die Zahl der Neuinfizierten derart drastisch zurückgegangen, meinte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). "Der erste Kraftakt auf unserem Weg ist gelungen." In Österreich werden aktuell jeden Tag mehr mit dem Coronavirus infizierte Menschen gesund als an der Lungenkrankheit Covid-19 erkranken.

"Der erste Kraftakt ist gelungen"

Sorgen bereitet aber nicht zuletzt die Osterwoche mit den sonst üblichen Familienfeiern und Treffen von Freunden. Gar nicht daran denken, warnte die Regierungsspitze. "Bleiben Sie zusammen mit den Menschen, mit denen Sie gemeinsam wohnen", meinte Kurz.

Ganz ähnliche Signale kamen am Abend aus Kopenhagen: Nachdem sich die Lage in Deutschlands nördlichem Nachbarland stabilisiert hat, will Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nach Ostern zunächst in "die erste vorsichtige Phase der Öffnung" eintreten, wie sie auf einer Pressekonferenz sagte. Das bedeutet für die Dänen: In einem ersten Schritt sollen Kinderkrippen, Kindergärten sowie die unteren Jahrgangsstufen null bis fünf von Schulen am 15. April wieder geöffnet werden. 

Das komme Eltern zugute, die im Homeoffice dadurch mehr Ruhe bekämen, sagte Frederiksen. Andere Maßnahmen - etwa die Schließung der Grenzen zu Deutschland, Schweden und Norwegen sowie diejenige von Restaurants - verlängerte sie in einem Atemzug um weitere vier Wochen bis zum 10. Mai. Und sie machte klar, dass sich ihre Landsleute darauf gefasst machen sollten, dass sie noch über Monate wegen der Corona-Pandemie mit Einschränkungen leben müssten. Das trifft unter anderem das größte Musikfestival Nordeuropas: Weil Großveranstaltungen bis August in Dänemark verboten bleiben, wird das Festival in Roskilde abgesagt.

Damit wagen sich sowohl im Norden als auch im Süden zwei deutsche Nachbarländer an einen vorsichtigen, aber noch langen Weg zurück in die Normalität. Und nicht nur das: Auch Tschechien lockert seine restriktiven Corona-Maßnahmen etwas. Das Betreiben von Sportarten wie Tennis oder Golf werde wieder erlaubt, beschloss das Minderheitskabinett aus populistischer ANO und Sozialdemokraten am Montag in Prag. Zudem dürfen erste Geschäfte öffnen, die im Kampf gegen die Pandemie geschlossen worden waren, darunter Hobby- und Baumärkte. Gleichzeitig werden die Hygieneregeln für den Einzelhandel verschärft.

wue / DPA / AFP

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